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BND-Akten über Springer: Verlag will Herausgabe sämtlicher Akten einklagen

Der Verlagssitz des Axel Springer Konzerns in Berlin
Der Verlagssitz des Axel Springer Konzerns in Berlin

Der Bundesnachrichtendienst (BND) hat in den 60er Jahren den Axel Springer Verlag bespitzelt. Darüber berichtete das Bild-Investigativ-Trio Hans-Wilhelm Saure, Nikolaus Harbusch und Martin Heidemanns. Insgesamt soll der Geheimdienst sieben Agenten eingeschleust haben. Der BND darf als Auslandsgeheimdienst auf deutschem Boden gar nicht aktiv werden. Springer will vom BND nun die Herausgabe der kompletten Akten einklagen.

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Der Bild-Zeitung, selbst Springer-Blatt, liegen nach eigenen Angaben über 209 Seiten Akten vor, in denen Beobachtungen der Spitzel protokolliert sind. Doch das seien nicht die kompletten Akten. So fehlten viele Dokumente, auf die in den vorliegenden Akten verwiesen werde. Auch fehlten Akten über Mitarbeiter, die zwar für den BND gearbeitet haben sollen, die aber keine NS-Vergangenheit hatten. Laut Bild wird darum auf Herausgabe sämtlicher Akten geklagt.

Der wohl wichtigste Agent habe direkt in der Führungsetage des damals noch Hamburger Springer-Verlages gesessen, so die Reportet. Horst Mahnke (Deckname Klostermann) wurde 1960 Chefredakteur der Springer-Zeitschrift Kristall und leitete zwischen 1965 und 1969 den persönlichen Beraterstab des Verlegers. Im Dritten Reich war Mahnke SS-Hauptsturmführer der Nazis. Vor der Karriere bei Springer war er Ressort-Leiter Ausland beim Nachrichtenmagazin Spiegel. Laut Bild spitzelte Mahnke seit 1961 für den BND.

Dabei hat er Informationen über Chefredakteure, mögliche Geschäfte und weitere strategische sowie inhaltliche Ausrichtungen geliefert. Während der Unruhen 1969 wurde beispielsweise dokumentiert:

Springer selbst hat aber nicht – wie manche vorausgesagt haben – resigniert. Er gibt noch häufig seine Auffassung den Redakteuren in längeren Schreiben als Maßstäbe zur Kenntnis. So zuletzt noch im Dezember 1968 an das Hamburger Abendblatt, als dort zur Weihnachtzeit eine Serie über die Situation in der evangelischen Kirche gebracht wurde, mit der er nicht einverstanden gewesen ist.“

Informationen bekam der BND auch über eine „angebliche Kampagne von Bild“. So gelangten Informationen ins Bundeskanzleramt – dem untersteht der Geheimdienst –, dass die Bouledvardzeitung Bundeskanzler Erhard und seinen Verteidigungsminister von Hassel stürzen wollte.

Völlig neu sind die Erkenntnisse nicht. Darauf verweist am Montag Willi Winkler in der Süddeutschen Zeitung. Bereits 1998 wies Erich Schmidt-Eenboom in seinem Buch „Undercover – der BND und die deutschen Journalisten“ auf Mahnkes Tätigkeit für den BND hingewiesen. Der Spiegel nannte Mahnke im vergangenen Jahr in einem Artikel. In seiner Axel Springer-Biografie beschäftigte sich auch Hans-Peter Schwarz mit Mahnke. Ohne Verweis auf den BND notierte Schwarz über Mahnke, der habe seine Stabsabteilung in den 60ern „zusehends zum Ausspähungsinstrument“ gemacht.

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1969 schied Mahnke aus dem Springer Verlag aus. Der Geheimdienst über seinen Spitzel: Man habe „feststellen können, dass er stets in zutreffender Art und Weise von den Interna des Springer-Unternehmens zu berichten wusste“. Anschließend wurde er bis 1980 Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ).

Weshalb Bild bespitzelt worden ist, geht aus den Recherchen des Investigativ-Trios nicht hervor. Bodo Hechelhammer, Leiter der Forschungs- und Arbeitsgruppe BND-Geschichte, erklärt gegenüber Bild lediglich: „Die Erforschung und rechtliche Beurteilung von historischen Sachverhalten bleibt hiesigen Erachtens der wissenschaftlichen Forschung vorbehalten und ist nicht Aufgabe des BND“. Über Mahnke und Aktivitäten anderer Journalisten als Geheimagenten für den BND berichtete im Juni vergangenen Jahres bereits der SpiegelDem Nachrichtenmagazin waren damals allerdings keine Details zur Arbeit des Spitzels bekannt.

Bild hat Auszüge der Dokumente veröffentlicht. Diese finden Sie hier. Ein Porträt über Horst Mahnke finden Sie hier

 

 

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Alle Kommentare

  1. Depo Raf ürünlerin belli bir otomasyon seviyesinde; hassas, doğru ve hızlı bir şekilde alınmasını, depolanmasını ve bulunup getirilmesini içeren donanım ve denetimlerin bileşimidir.

  2. Der BND soll also den Springer-Verlag ausspioniert haben ???
    So ein Blödsinn!
    Dieser Verlag ist ja ein Sprachrohr des Geheimdienstes und der ReGIERung und nun stellen die sich als Opfer da ?

  3. Wes Geistes Kind die Printmedien sind sieht, man doch schon recht deutlich daran, zu welchen Artikeln KEINE Leserbriefe möglich sind!

  4. Das kann nur jemanden verwundern, der in den verbrauchten Bundesländern aufgewachsen ist…
    Heute ist das natürlich gaaaaaaaaaaaanz anders … die Erde ist auch eine Scheibe – wie sagte vor Jahren ein kanzlernder „bissniss mjen“? Zum Regieren brauche es BamS und Glotze…

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