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Steingart verkündet „Agenda Freiheit“: Das Handelsblatt wird zur multimedialen Reporterzeitung

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Gabor Steingart ist Chef der Verlagsgruppe Handelsblatt und Herausgeber des Handelsblatt

Radikaler Wandel bei Deutschlands größter Wirtschaftszeitung: Die am Donnerstag bekannt gewordene Fusion von Print und Online beim Handelsblatt ist nur der erste Schritt einer kompletten Neuordnung. Wie Herausgeber Gabor Steingart am Freitagmorgen auf einer Redaktionsvollversammlung erklärte, soll die Hierachie verflacht und die Präsenzpflicht am Arbeitsplatz aufgehoben werden. Das Handelsblatt werde zur "Reporterzeitung". Neu auch: Neben Hans-Jürgen Jakobs rückt der bisherige Vize Sven Afhüppe zum gleichberechtigten Chefredakteur auf.

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Die Doppelspitze soll den wohl ehrgeizigsten Change-Prozess in der aktuellen Zeitungslandschaft „wuppen“. Wie Steingart in seiner Ansprache deutlich machte, setzt der Verlag bei dem Projekt auf Freiwilligkeit. Der Umbau soll im Konsens mit der Mehrheit der Redaktion erfolgen, Zwangsversetzungen sowie Stellenstreichungen oder Budgetkürzungen werde es nicht geben. Allerdings fallen im Rahmen der Zusammenlegung eine ganze Reihe von Ressortleiterstellen weg, sodass etliche Redakteure mit Führungsverantwortung künftig wieder ins Schreiber-Fach wechseln (müssen).

In seiner Rede bewarb Steingart die neue Struktur als „menschlich interaktives Modell“, das beim Handelsblatt die „Herangehensweise von oben herab“ ablösen solle. Davon verspreche er sich eine „lebendigere und bessere Zeitung“. Bislang ist das Handelsblatt organisatorisch in Print, Online, App (Handelsblatt Live) sowie Global Edition gegliedert, die als Silos nebeneinander aufgestellt sind.

Das soll sich ändern: Mit Ausnahme der Global Edition werden alle Einheiten miteinander verschränkt und unter eine gemeinsame Führung gestellt. Entscheidungen, auf welchem der Medienkanäle eine Story in welcher Reihenfolge und Aufmachung erscheint, trifft die Chefredaktion, die zu diesem Zweck ständig mit einem der vier Vertreter im Newsroom (55 Arbeitsplätze) präsent sein soll.

Den meisten der insgesamt 200 Handelsblatt-Redakteure ist in der neuen Struktur eine Reporter-Rolle zugedacht. Ziel ist eine „multimediale Reporter-Zeitung“. Nach Willen von Steingart sollen sie selbst entscheiden, wo sie ihre Arbeit erledigen und am besten dort ansässig sein, wo in ihrem jeweiligen Spezialgebiet „die Musik spielt“. Aber nicht nur der Lebensmittelpunkt könne dann individuell gewählt werden, auch die Teilnahme an Konferenzen etc. sei künftig freiwillig. Das neue Redaktionskonzept, so der Herausgeber weiter, sei deshalb eine „Agenda der Freiheit“, die die Rituale des im überkommenen Industriezeitalter verwurzelten Modells von der allmächtigen Redaktionszentrale ablösen soll. Kosten für Umzüge würden dabei vom Verlag getragen.

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Nach Willen von Steingart soll die neue Struktur frischen Wind ins Blatt bringen und es ermöglichen, dass die Redakteure deutlich häufiger „rausgehen und mit lebenden Menschen reden“. Dies werde die Relevanz des Blattes stärken und es gegenüber news-getriebenen Medien wettbewerbsfähiger machen. Die ambitionierte Neuordnung wird allerdings nicht im Schnellgang zu erledigen sein. Beim Handelsblatt geht man davon aus, dass es „sicher einige Jahre“ dauern wird, bis der jetzt gestartete Prozess abgeschlossen sein werde.

 Die neue Struktur des Handelsblatt sehen Sie in dem hier verlinkten PDF-Dokument auch noch einmal grafisch aufbereitet.

MEEDIA gehört zur Verlagsgruppe Handelsblatt.

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