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„Jeder Kill ist einer zuviel“ – dpa-Chef Gösmann ermahnt Redaktion nach #vettelgate

Sebastian Vettels zu Ferrari: Aus der Ente wurde Wirklichkeit
Sebastian Vettels zu Ferrari: Aus der Ente wurde Wirklichkeit

Blöd gelaufen für die dpa: Gestern war die Deutsche Presse Agentur auf einen Fake-Account bei Twitter reingefallen, der vorschnell den Wechsel von Formel-1-Fahrer Sebastian Vettel zu Ferrari meldete. Einen Tag später ist aus der Ente eine echte Nachricht geworden. Vettel geht tatsächlich zu Ferrari, wie von vielen erwartet worden war. dpa-Chefredakteur Sven Gösmann nahm das "#vettelgate" zum Anlass, seine Redaktion in einer Rundmail an die bestehenden Regeln im Umgang mit Twitter und sozialen Medien zu erinnern.

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Der Fake-Account der Scuderia Ferrari war zugegebenermaßen sehr gut gemacht und Unterschied sich von dem echten Twitter-Account des Ferrari-Rennstalls nur durch ein kleines „l“ statt ein „i“ am Ende von „Ferrari“. Also „@ScuderiaFerrarl“ statt „@ScuderiaFerrari“. Kann man übersehen. Wenn das der dpa passiert, wird es aber schnell peinlich. Denn zahlreiche Medien haben die voreilige Eil-Meldung gestern ungeprüft übernommen. Das Ergebnis solcher Pannen ist dann ein heilloses Durcheinander von Korrekturen und stehengebliebenen Falschmeldungen.

Wegen der Vettel-Panne erinnerte dpa-Chefredakteur Sven Gösmann seine Redaktion in einer Rundmail und im dpa-Intranet nochmals an die Regeln für den Umgang mit den Echtzeitmedien im Netz:

„Grundregel ist: Wir nutzen als Quelle für unsere Berichterstattung ausnahmslos verifizierte Twitter-Accounts – also entweder Accounts mit dem blauen Verifizierungshaken hinter dem Twitter-Namen, oder Profile, deren Authentizität wir selbst verlässlich recherchiert haben.“ Bei Accounts ohne blaues Verifizierungs-Häkchen seien umgekehrt größte Zweifel angebracht. Weitere Alarmzeichen seien eine geringe Zahl an Followern und eine geringe Zahl an Tweets. Alle drei Alarmsignale waren im Fall der Vettel-Panne missachtet worden.

Gösmann weist außerdem darauf hin, dass auch verifizierte Account gehackt sein könnten. „Wenn es auch nur den geringsten Zweifel gibt: Finger weg von dem Tweet und über die offiziellen Kanäle eine Bestätigung einholen. Gründlichkeit hat hier immer Vorrang vor Schnelligkeit! Skepsis ist eine journalistische Kernkompetenz!“, so der dpa-Chefredakteur. Gösmann schließt mit den Worten: „Jeder Kill ist einer zu viel.“ Mit „kill“;meint er eine zurückgerufene Meldung.

Ironie des Internets ist, dass nur einen Tag später aus der Vettel-Ente eine echte Meldung wurde. Um 11.19 meldete der echte Scuderia Ferrari Account tatsächlich die Verpflichtung Sebastian Vettels:

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Auch der Fake-Account ließ die echte News nicht unkommentiert:

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Alle Kommentare

  1. Ein gut geschriebener Artikel, aber:
    Auch einem Mitglied der Chefredaktion steht das Korrekturlesen zu: – bei „und Unterschied sich“ sollte der Unterschied kleiner sein – „Mit “kill”;meint er …“ ist der untaugliche Versuch, das Semikolon am Leben zu erhalten.

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