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Unseriöös: Zeitungen machen mit Amazon-PR-Video Werbung für Harald Glööcklers Monopoly-Spiel

Medien transportierten seine PR-Botschaften: Harald Glööckler bei der Präsentation seiner Monopoly-Version.
Medien transportierten seine PR-Botschaften: Harald Glööckler bei der Präsentation seiner Monopoly-Version.

Der Modedesigner Harald Glööckler hat vergangenen Dienstag wieder gezeigt, zu was für einer Marke er mittlerweile geworden ist. In Berlin präsentierte der schrille Freigeist seine eigene Monopoly-Version. Noch am selben Abend berichteten Medien über die Präsentation mit Videos. Auffällig: Viele Webseiten von Zeitungen veröffentlichten das gleiche Video, das kein Nachrichtenagentur-Material ist. Tatsächlich haben die Redaktionen ohne Kennzeichnung PR-Material eingebunden. Auftraggeber war nach MEEDIA-Infos der Onlinehändler Amazon.

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Harald Glööckler mit schönen Models im Blitzlicht, umzingelt von Journalisten und Gästen. So sieht sich ein Designer wohl am liebsten – und will das selbstverständlich auch zeigen. Am Dienstag hatte der 49-Jährige wieder die Gelegenheit und präsentierte sich und sein neues Geschäft: eine auf ihn zugeschnittene Version des Gesellschaftspiel-Klassikers Monopoly, das passend zum Weihnachtsgeschäft in den Handel kommt. Genauer gesagt in den Online-Handel. Denn das Spiel wird außer in Glööcklers eigenem Shop exklusiv bei Amazon.de vertrieben.

Bei der Präsentation bekam der Designer auch die Möglichkeit, diesen Hinweis einem Kamera-Team zu geben. Der Video-Beitrag war noch am selben Abend und Mittwoch auf Medien-Websites zu sehen. Darin durfte Glööckler auch erklären, dass alles, was er so anfasst, ein Erfolg wird und das Monopoly-Spiel ein „Kracher“ sei. Generell vermittelte der Beitrag: Glööckler, das ist ein ganz Toller.

Viel Eigenlob. Einige Redaktionen hinderte das aber nicht, den Beitrag der Video-Agentur anzunehmen und auf ihren Online-Seiten 1:1 einzubinden. Das Angebot war ja auch verlockend: Ein fertiger Beitrag mit Prominenz und – vor allem – zur freien Nutzung. Gibt es da keinen Haken? Nach Informationen von MEEDIA schon. Das Video ist eine Auftrags-Produktion des Exklusiv-Partners Amazon.

glööckler-text

Fotos: Screenshots thüringer-allgemeine.de, tagesspiegel.de, express.de

Veröffentlicht haben es u.a. die Online-Redaktionen des Tagesspiegel, des Kölner Express (und Mopo.de) oder auch die der Thüringer Allgemeinen. Außer der Thüringer Allgemeinen weist keine Redaktion auf die Quelle, die Agentur Mhoch4 TV, hin, keiner der Angeführten nennt Amazon. Express.de verlinkt im Begleittext sogar noch auf das Brettspiel beim Online-Händler.

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MEEDIA hat alle Redaktionen direkt oder über die zuständige Pressestelle um Stellungnahmen gebeten. Reagiert hat nur eine Verlagssprecherin von DuMont Schauberg (Express.de). Dort heißt es: „Einige Videobeiträge laufen automatisiert bei uns ein und werden geprüft. In diesem Fall haben unsere Mechanismen leider nicht gegriffen und der Beitrag wurde ohne Kennzeichnung übernommen.“ Tagesspiegel.de hat das Video zwischenzeitlich offenbar offline genommen. Der Beitrag ist nicht mehr abspielbar.

Anders mit dem Thema ist die Berliner Zeitung umgegangen. Sie hat sich textlich mit dem Monopoly-Spiel befasst und ein eigenes Wackel-Video online gestellt, das den Trubel während der Präsentation zeigt. Aber lieber wackelige Bilder selber drehen, als PR-Inhalte übernehmen.

 

Update: 18.35 Uhr: Auch alle anderen Websites haben das Video entfernt.

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Alle Kommentare

  1. Was regt Ihr Euch denn so uninteressant auf und macht damit selbst PR für Euch und indirekt für alle Beteiligten ?
    Kennzeichnung des Beitrags der Redaktionen hätte sein müssen, ja.
    Aber das Aufgerege über PR, Eigenlob und den vermeintlichen Auftraggeber….
    Dann wars eben so. Das ganze Leben ist PR und Videos in Auftrag zu geben auch.
    Und er ist nun mal ein Imperium .

  2. Da muss ich die Redaktionen doch mal in Schutz nehmen. Nach meinem Wissen ist die Videoredaktion für solche Themen in der Regel zur Verbesserung des Qualitätsjournalismus ausgelagert. Die Agentur stellt das einfach online und schickt eine Mail zur Information. Ein Redaktions-Mailbriefkasten ist aber oft nicht überschaubar. 🙂

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