Anzeige

Trotz Sparkurs: Jäkel will bei G+J „konsequent in Print investieren“

G+J-Chefin Julia Jäkel
G+J-Chefin Julia Jäkel

Nach den umstrittenen Sparmaßnahmen in den Redaktionen von Brigitte und Geo sowie einem verlagsweit angeordneten Abbau von 400 Arbeitsplätzen hat G+J-Vorstandschefin Julia Jäkel ihren Kurs erneut gegen Kritik verteidigt und um Verständnis für das "Effizienz-Programm" geworben. In einem Auftritt beim Hamburger Presseclub erklärte Jäkel, dies sei die einzige Möglichkeit, Qualitätsjournalismus langfristig zu sichern.

Anzeige
Anzeige

Die Berichterstattung der Fachpresse über Umbau und Restrukturierung bei Gruner + Jahr, kritisierte Jäkel, habe es bisweilen an Ausgewogenheit vermissen lassen. Vehement wandte sie sich gegen den pauschalen Vorwurf des „journalistischen Kahlschlags“ in den Redaktionen. Dezidiert nahm die Medienmanagerin rund 90 Minuten lang Stellung zu den Fragen der Interviewer und Presseclub-Mitglieder. MEEDIA dokumentiert die wichtigsten Passagen im Wortlaut:

Zur Übernahme der Anteile der Jahr-Familie durch Bertelsmann:
„Eine sehr gute Nachricht für G+J. Bertelsmann investiert in uns: Das ist ein klares Bekenntnis, G+J ist integraler Bestandteil des Kerngeschäfts von Bertelsmann. Bertelsmann investiert im großen Stil in Medieninhalte, G+J passt perfekt ins Portfolio. Bertelsmann ist ein strategischer Investor, der G+J durch weitere Investitionen konsequent unterstützt.“

Über den Ausstieg der Jahr-Familie:
„Über Jahrzehnte ein verlässlicher Partner, dem G+J viel zu verdanken hat. Aber die Zeiten ändern sich: Jetzt ist dort eine neue Generation am Ruder, die weniger verlegerische Ambitionen hat. Das ist legitim, da gibt es keinen Groll. Mit nur einem Gesellschafter werden Abstimmungsprozesse und Investitionsentscheidungen einfacher, was wiederum gut für uns ist.“

„Einfach weiter machen wie bisher wäre mit Blick auf die fundamentalen Veränderungen unverantwortlich“

Zum Thema Sparkurs und „Effizienz-Programm“:
„Die Digitalisierung führt zu tollen Möglichkeiten und Produkten. Sie bedeutet aber auch eine radikale Disruption für unsere Branche, für viele andere Industrien und die gesamte Gesellschaft. Das bedeutet auch für G+J, dass wir uns neu aufstellen müssen. Wir müssen in Neues investieren und verstärkt auf unsere Kosten achten. Einfach weiter machen wie bisher wäre mit Blick auf die fundamentalen Veränderungen unverantwortlich. Darum müssen wir auch schwierige und für die Betroffenen oft sehr harte und schmerzliche Entscheidungen treffen. Das macht keinen Spaß, und dafür kriegen wir keinen Applaus, aber es ist notwendig.“

Über die Kündigungen bei Brigitte:
„Zunächst: Für die Betroffenen ist es extrem hart und schwierig, da gibt es nichts schönzureden. Aber die Marktentwicklung lässt uns keine andere Wahl. Wir werden auch nach dem Personalabbau eine sehr gut ausgestattete Redaktion haben, Brigitte wird in Print und Online weiterhin 70 Mitarbeiter beschäftigen und die mit Abstand größte Frauenredaktion in Deutschland bleiben. Der von manchen Kritikern beschworene ‚journalistische Kahlschlag‘ entspricht schlicht und einfach nicht den Fakten.“

Zur Kritik an den Brigitte-Sparmaßnahmen:
„Ich kenne die Vorwürfe, und sie sind mir nicht egal. Viele der Betroffenen kenne ich persönlich. Ich weiß aber auch: Egal, wie man so was macht, man macht es falsch. Mit Kritik muss man leben und es ist legitim, Kritik zu üben. Ich würde mir nur manchmal wünschen, dass manche Kritiker zumindest erst einmal versuchen würden, die Fakten zu prüfen, bevor sie etwas – meist vom ‚Hörensagen‘ – schreiben.“

Über die Situation beim Spiegel und Rolle von G+J als Gesellschafter:
„Ich werde mich auch weiterhin als Minderheitsgesellschafter nicht öffentlich zum Spiegel äußern. Nur so viel: Klar, es ist eine schwierige Situation. Aber wir haben ein gutes und partnerschaftliches Miteinander im Gesellschafterkreis.“

Über die Zukunftsaussichten von Print:
„Wir sind zutiefst davon überzeugt, dass das Printgeschäft eine gute und lange Zukunft haben wird und werden auch weiter konsequent in Print investieren. Das selbstzerstörerische Runterschreiben von Print ist unsäglich und schadet der Branche immens.“

Anzeige

Zur strategischen Ausrichtung des G+J-Auslandsgeschäfts:
„Der konsequente Rückzug aus Ost- und Südosteuropa ist erfolgt, und das aus gutem Grund: Diese Märkte haben aufgrund ihrer Marktgröße und volkswirtschaftlichen Entwicklung zu wenig Perspektive für uns. Dagegen steht die Konzentration auf wichtige Kernländer wie Frankreich oder Österreich. In Frankreich sind wir mit Prisma Media mittlerweile Marktführer in Print- und Digitalreichweite, haben Lagadère überholt und ein sehr profitables Digitalgeschäft etabliert. Die Kollegen dort haben früher als wir am Baumwall strukturelle Veränderungen durchgezogen und profitieren heute davon.“

Über Fehler der Vergangenheit:
„Ich richte meinen Blick auf die Zukunft und nicht auf vermeintliche Versäumnisse der Vergangenheit. Es ist – mit dem Wissen von heute – immer einfach, Vergangenes zu kritisieren. Davon halte ich nichts und das bringt uns kein Stück weiter.“

„Treffen Frauen harte Entscheidungen heißen die Attribute kaltherzig, eiskalt und hinterhältig – das ärgert mich“

Über das Digitalgeschäft:
„Wir sind hier über die vergangenen zwölf Monate sehr gut vorangekommen, auch wenn diese Erfolge aktuell von anderen Themen überlagert werden. Inzwischen ist Gruner + Jahr führender eMag-Publisher in Europa, und in den letzten zwölf Monaten haben wir über 70 Mio. Euro in des Ausbau des Digitalgeschäfts investiert, mit Schwerpunkt Ad Tech aber auch in den organischen Aufbau innovativer Digitalgeschäfte. Klar ist aber auch: Wir sind in der Phase des Säens, nicht des Erntens. Wir müssen die Geschäfte Stück für Stück weiter entwickeln und ausbauen, wir müssen noch schneller werden und wir müssen aus Fehlern lernen. Dies ist eine Mammut-Aufgabe und wird uns die nächsten Jahre weiter intensiv beschäftigen.“

Zum Thema Frauen / Männer und Klischees:
„Ja, es gibt nach wie vor viele Klischees, die regelmäßig bedient werden und ehrlich gesagt immer wieder nerven: Treffen Männer schwierige und manchmal auch harte Entscheidungen, sind sie durchsetzungs- und führungsstark und tolle Manager. Treffen Frauen solche Entscheidungen heißen die Attribute kaltherzig, eiskalt und hinterhältig – das ärgert mich.“

Über ProQuote:
„Ich habe große Sympathie für Ursula von der Leyen, die das Thema vor zwei Jahren angestoßen und mit ihren Forderungen einen wichtigen gesellschaftlichen Diskurs in Gang gesetzt hat. Wir versuchen bei G+J sehr bewusst, Frauen in Führungspositionen zu bringen und haben in den vergangenen zwei Jahren sehr viel bewegt und viele Chefredakteurs-Positionen mit weiblichen Führungskräften besetzt. Ich bin Sympathisantin von ProQuote aber kein Mitglied. Mit Blick auf unser eigenes Haus halte ich nichts von starren Quotenregelungen, wir kriegen das auch anders hin, und dass bei G+J eine Frau an der Spitze steht, ist in diesem Zusammenhang sicher kein Nachteil.“

Den Originaltext auf der Homepage des Hamburger Presseclubs finden Sie hier.

 

 

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*