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Nach kritischem Bericht: Klitschko lässt Muskeln spielen und schickt FAZ-Reporter auf den Klappstuhl

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Es gibt zwei Möglichkeiten, diesen kleinen Medienschwank zu erzählen. Entweder als Empörungsstück, das zeigt, wie arrogant die Klitschkos mit kritischen Berichterstattern umgehen oder aber als Empörungsstück, das etwas über die Arroganz erzählt, mit der heutzutage Journalisten erwarten, einen VIP-Platz "im Reporterbereich mit Tisch und Lämpchen am Ring" beziehen können.

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So oder so. FAZ-Reporter Michael Eder musste den WM-Fight zwischen Wladimir Klitschko und Kubrat Pulew auf einen Klappstuhl im Oberrang anschauen.

Den Grund für die miesen Platzkarten meint er zu kennen. Am Samstag noch hatte er kritisch darüber geschrieben, dass Klitschko zwar für die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) werbe, sich selbst aber keinerlei Trainingskontrollen unterziehen würde. Möglich mache dies der Bund Deutscher Berufsboxer, der solche Tests nicht vorschreibt.

„Majestätsbeleidigung – so etwas tut man nicht gegenüber dem Klitschko-Clan, nicht ungestraft jedenfalls“, erzählt Eder nun in einem süffisanten Text am Montag. „Machtdemonstrationen, Strafaktionen, Muskelspiele aller Art sind eine Spezialität des Hauses“. Und so kam es, dass er den Kampf in der Hamburger Arena von einem Klappstuhl im Oberrang aus sehen musste. Neben ihm saßen drei bulgarische Reporter.

Eders Einschätzung, zu unrecht vom Klitschko-Management abgestraft worden zu sein, teilen allerdings nicht alle Leser. In den Kommentaren muss sich der Reporter auch einige Kritik anhören. So antwortet ein Leser mit gleicher Ironie und wittert eine „Majestätsbeleidigung“ und einen „Angriff gegen die Pressefreiheit“. Schließlich müsse jeder Reporter „natürlich einen erstrangigen kostenlosen Platz mit Bewirtung, Fahrtkostenrückerstattung, Begleitservice und möglichst noch ein Geschenk für seinen PartnerInnen erhalten“. Ein anderer merkt nur trocken an: „Journalistische Distanz ist jedenfalls anders“.

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Alle Kommentare

  1. Ne, es gibt eigentlich nur eine legitime Lesart: Wenn die anderen wichtigen Journalisten ihre „VIP-Plätze“im Reporterbereich bekommen hatten – was ich mal annehme -, dann ist es ganz klar ein Empörungsstück. Man kann ja drüber diskutieren, ob die Journalisten nicht besser auf den Holzplätzen sitzen sollten – dann aber alle.

    Aber gut, im Vergleich dazu, wie der andere Klitschko und seine Freunde mit kritischen Journalisten umgehen, ist das ja eh alles Pillepalle.

  2. Im Grunde hat FAZ-Eder doch genau richtig reagert: Klitschkos Haken war der Klappstuhl, Eders Konter die eher elegante Bemerkung darüber. Nicht mehr, nicht weniger. Freundlicher Alltag. Nur im Netz geilte man sich auf – warum eigentlich?

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