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Google Glass-Krise: Mitarbeiter kündigen, Entwickler geben auf

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Die Zukunft von Googles einst hochgehypter Datenbrille scheint ungewisser denn je. Wie Reuters berichtet, scheint die Moral in Mountain View angeschlagen: Schlüsselmitarbeiter des Glass-Teams haben den wertvollsten Internetkonzern der Welt verlassen, App-Entwickler würde aus Mangel an Perspektiven ihre Arbeit einstellen, während der Verkaufsstart der Google-Brille erneut verschoben wurde. Längst stellt sich die Frage: Wer wartet eigentlich noch auf Google Glass?

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Wenn es ein Projekt gibt, das für die hochfliegenden Ambitionen stand, mit denen Google nach den Sternen der Techbranche zu greifen schien, dann war es die 2012 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellte Datenbrille.

Ein Jahr später befeuerten Googles Topmanager den Hype um das vermeintliche Zukunftsgadget: Sergey Brin fuhr mit Glass durch die New Yorker Subway und watschte Smartphones als „unmännlich“ ab, Aufsichtsratschef Eric Schmidt stellte einen Launch binnen eines Jahres in Aussicht. Tatsächlich schien es dann Schlag auf Schlag zu gehen: Limitierte Testversionen konnten für 1.500 Dollar erworben werden und kursierten dann für den zehnfachen Preis auf eBay.

Google Glass, der neue Segway?

Dann drehte der Trend – nicht zuletzt auf Datenschutzgründen. Glass-Träger wurden als „Glassholes“ verunglimpft und Träger sogar attackiert. „Wenn man Google Glass trägt, denken die Leute, dass du der größte Schurke der Welt bist“, stimmte US-Tech-Guru David Pogue den Negativkanon an. „Wenn Google nicht aufpasst, könnte es so gehen wie beim Segway“.

Ein Jahr später scheint klar, dass es sogar schlimmer kommen könnte, denn – obwohl ein fürchterlich Flop – ist der Segway zumindest seit über einer Dekade für jedermann käuflich zu erwerben. Wann Google Glass nun als massenmarkttaugliches Produkt in den Handel kommt, ist weiter offen.

Exodus im Glass-Team
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Dabei hatten sich die Anzeichen dieses Jahr erkennbar verdichtet: Roger Federer trug die Datenbrille PR-wirksam kurz vor den French Open. Eine Woche zuvor konnten US-Bürger die Betaversion ohne weitere Auflagen für 1.500 Dollar erwerben.

Doch seitdem ist es still geworden um Googles vermeintlich großen Zukunftscoup. In die Reihe der negativen Pressemeldungen haben sich nun neue Entwicklungen gereiht, die nichts Gutes für die nahe Zukunft verheißen. So vermeldet die Nachrichtenagentur Reuters am Wochenende, dass mehrere Schlüsselpersonen, die an Googles Datenbrillen gearbeitet haben, den Internetriesen in den vergangen sechs Monaten verlassen hätten – darunter auch Entwicklungschef Babak Parviz.

Entwickler schieben Frust

Doch das ist noch nicht alles. Weil sich das Projekt zumindest auf das nächste Jahr verschiebt, hätten eine Vielzahl von Entwicklern, die an Apps für Glass arbeiteten, entnervt das Handtuch geschmissen. 9 von 16 Apps, die für den Glass App Store entwickelt worden wären, würden aus Mangel an Perspektiven nicht weiterverfolgt. Sogar Twitter habe die Entwicklung jüngst nicht mehr weiter verfolgt.

Auf eBay ist der Verkaufstrend inzwischen komplett gedreht: Statt wie noch zu Jahresbeginn Premiumpreise zu zahlen, ist die Explorer-Version nun schon für den halben Preis zu bekommen. Und als fehlte noch das Gesicht zur Glass-Krise, wird ausgerechnet Sergey Brin immer öfter ohne die Datenbrille gesehen, die für ihn noch vor Jahresfrist unverzichtbar schein. „Bevor Google Glass nicht absolut ausgreift ist, werden wir sie nicht launchen“, kommentiert der wertvollste Internetkonzern der Welt gegenüber Reuters die jüngste Entwicklung selbst erstaunlich defensiv.

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