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Der Fall von Thomas Middelhoff als Signal an die Kaste der Abgehobenen

Thomas Middelhoff
Thomas Middelhoff

Die medial geäußerten Meinungen in Kommentaren und Leitartikeln zum Fall des Thomas Middelhoff gehen auseinander. Die Einen begrüßen die dreijährige Freiheitsstrafe als  gerechtfertigt. Andere empfinden die Strafe als unverhältnismäßig an. Dabei ist das Middelhoff-Urteil ein längst fälliges Zeichen, ein Signal an die Kaste der Abgehobenen.

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Soll man Mitleid haben mit Thomas Middelhoff? Jenem Mann, der vor nicht allzu langer Zeit damit prahlte, wie er vor wartenden Journalisten aus einem Fenster floh? Dem Mann mit einer Villa in St. Tropez und undurchsichtigen Immobiliengeschäften? Dem Mann, der sich mit Hubschrauber von seinem Haus zum Arbeitsplatz fliegen ließ, weil er sich für so wertvoll hielt? Dem Mann, der der von ihm gelenkten, von der Pleite bedrohten Firma 180.000 in Rechnung stellte für eine rein private Festschrift für seinen alten Förderer Mark Wössner? Dem Mann, der bei teurem Rotwein in St. Tropez über den Abbau von 4.000 Stellen verhandelte?

Bei Thomas Middelhoff zeigt sich die hässliche Fratze des Raubtierkapitalismus wie unter einem Brennglas. Nicht zu Unrecht verweisen einige Kommentatoren nun darauf, dass ein kleiner Middelhoff in jedem von uns steckt. Fast jeder nimmt gerne mal einen Vorteil mit oder vermischt mal Privates mit Beruflichem. Fast jeder hat mal bei der Steuererklärung geschwindelt oder den Fliesenleger gefragt, ob er wirklich unbedingt eine Rechnung braucht. Sind wir also alle kleine Middelhoffs und müssen jetzt Mitleid haben mit diesem Mann, der einer von uns ist, bloß ein bisschen größer?

Man kann mit ihm Mitleid haben und trotzdem muss man festhalten: Das Urteil ist gut. Es ist gerecht und es ist Balsam für das Gerechtigkeitsempfinden. Bei Verfehlungen, wie Middelhoff sie zu Hauf begangen hat, entscheidet nicht zuletzt die Dosis über die Qualität. Seine Selbstwahrnehmung, sein Verhalten und der Zustand der von ihm verantworteten Firma klafften derart Grand-Canyon-artig auseinander, dass auch ein abgehobener Manager wie Middelhoff hätte stutzig werden können, bzw. müssen.

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Thomas Middelhoff hat niemanden geschlagen, er ist auch nicht mit vorgehaltener Waffe in eine Bank gerannt. Er hat mit seinem Fehlverhalten aber auch berufliche Existenzen vernichtet oder zumindest gefährdet. Er ist mit dem ihm anvertrauten Vermögen und den ihm anvertrauten Mitarbeitern in atemberaubendem Maß verantwortungslos umgegangen. Er nicht der einzige Manager, dem dies vorzuwerfen ist. Aber bei Middelhoff ist der Fall besonders krass. Gut wäre, wenn die Business-Class Kaste der Abgehobenen sich durch das Middelhoff-Urteil an die Bedeutung des Wortes Verantwortung erinnern würde.

Middelhoff erinnert auch an den Ausspruch von Lord Acton: “Macht korrumpiert, absolute Macht korrumpiert absolut.” Den Begriff “Macht” kann man – nicht immer, aber häufig – mit Geld gleichsetzen. Dabei ist das mit der Macht und dem Korrumpieren kein Naturgesetz. Es soll Leute geben, die mit viel Geld (und Macht) verantwortungsvoll umgehen und dies sogar zum Vorteil anderer einsetzen. Microsoft-Gründer Bill Gates, der sein fantastisches Vermögen dazu verwendet, Krankheiten in der Dritten Welt zu bekämpfen, wäre hier beispielhaft als eine Art Gegen-Entwurf zu den Middelhoffs dieser Welt zu nennen. Dazu gibt es ein deftiges Zitat des Hollywood-Schauspielers Will Smith: “Geld verändert die Menschen nicht – aber Geld potenziert, wer und was du bist! Bist du gut, macht Geld dich besser. Bist du ein großes Arschloch, wirst du ein Riesen-Arschloch!“ Da könnte was dran sein.

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