Aus dem Spiegel gekippt: Fleischhauers „Schwarzer Kanal“ wurde nicht gedruckt

Publishing Spiegel gelesen, Fleischhauer-Kolumne vermisst. Warum in der aktuellen Ausgabe des Nachrichtenmagazins die Spalte mit dem "Schwarzen Kanal" von Jan Fleischhauer fehlt, schrieb Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart in seinem "Morning Briefing". Die Kolumne habe sich mit dem "Aufstand" gegen Spiegel-Chefredakteur Wolfgang Büchner befasst. Laut Steingart, der selbst lange Spiegel-Mann war, "untersagte" Büchner den Abdruck.

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Kürzlich hatten sich 91 Prozent der Print-Redakteure des Spiegel gegen eine weitere Zusammenarbeit mit Büchner ausgesprochen. Die Vorbehalte der Magazin-Redakteure gegenüber Büchner sind groß, die Situation ist verfahren. Fleischhauer, der laut Steingart die Anti-Büchner-Petition nicht unterschrieben hat, beschäftigte sich in dem Text mit dem Konflikt. Den Widerspruchsgeist in der Redaktion sehe er, Fleischhauer, „als eine Form der Traditionspflege, die für die Identität des Spiegel unverzichtbar ist, da bin ich ausnahmsweise ganz ein Kind der 68er“.

Von dem Text fehlt in der aktuellen Ausgabe jede Spur. Fleischhauer, der auch für Spiegel Online eine Kolumne schreibt, wechselt sich im gedruckten Spiegel wochenweise mit Jakob Augstein („Im Zweifel links“) ab. Erst vor wenigen Wochen beendete das Magazin kurzfristig die Zusammenarbeit mit der Autorin Juli Zeh. Auf Anfrage, warum seine Kolumne nicht erschienen ist, wollte sich Fleischhauer nicht äußern. Nachfrage: Könnte es sein, dass der Text bereits mit der Absicht geschrieben wurde, um aus dem Blatt gekippt und damit quasi zensiert zu werden? Antwort Fleischhauer: „Wenn ich schreibe, dann mit der Absicht, gedruckt zu werden –  allein schon, um Augstein nicht das Feld zu überlassen.“ (Anmerkung d. Red.: MEEDIA hat Fleischhauer angeboten, seinen Text zu veröffentlichen…) Fleischhauer bestätigt, dass er auch künftig seinen „Schwarzen Kanal“ im Spiegel ausstrahlen wird, gedruckt und online.

Auf eine Nachfrage hat sich Spiegel-Chef Büchner bisher nicht geäußert. Kolumnen als Kanäle, interne Debatten beim Spiegel zu thematisieren, stehen derzeit hoch im Kurs. Erst in der vergangenen Woche hatte Spiegel-Autor Dirk Kurbjuweit in seiner Kultur-Glosse „Zur Lage der Welt“ über das „Prinzip von Print“ nachgedacht. Eine kaum verschlüsselte Botschaft an die Kollegen von Spiegel Online, die man so oder so interpretieren konnte. Die aber auf jeden Fall wenig mit dem Leser des Spiegel und viel mit den Mitarbeitern des Spiegel zu tun hatte.

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Alle Kommentare

  1. „Das sind interne redaktionelle Vorgänge, zu denen wir uns nicht äußern“, so Rüdiger Ditz, Geschäftsführender Redakteur beim „Spiegel“. Wohlgemerkt zur Tatsache, dass Fleischhauers schon jetzt legendärer Embedded-Bericht von der Ericusspitzen-Front nicht gedruckt wurde. Dass interne redaktionelle Vorgänge in der Kolumne besprochen worden wären – oi va voi, voll knorke!

    Der römische Gott Janus hätte seine Freude an diesem doppelgesichtigen Kasperletheater. Immer lustvoller die Schizophrenie, mit der sich der Laden aufspaltet. Print/Online, Blattmacher/Blattläuse, Biss/nagender Zahn der Zeit.

    „Teil einer lebendigen Tradition der 68er“? Maximal 69er, der auf beiden Seiten einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt. Vielleicht könnte ja doch noch Kleber-Claus gesprungen kommen. Tweet: „Zwischen zwei Mods busy am Ericus. Alles spitze! Print kicks ass!“. Ist ja nun Experte für: „Hunger! Durst!“. Und Wissensdurst hätte das Volk schon noch. Vielleicht wird’s aber wirklich Zeit für ein anderes Leitmedium. Vielleicht eines mit der lebendigen Tradition der 2014er?

  2. Falls ich gemeint sein sollte – nichts, es ist keine. Mitleid. Bedauern. Das ja.

    Die bei nicht wenigen reflexartige Leseart des sinistren Chefs, der verdienten Recken das Wort verbietet und schändlichen Raubbau am Fundament der Institution betreibt, ist mir schlichtweg zu simpel. Unterbindet man eine lebendige, zur Heft-DNS gehörende Streitkultur? Oder nimmt man zündelnden Kindern die Streichhölzer weg? Wo Rauch ist…

    Sachlich betrachtet finde ich es bedenklich, dass selbst die Sueddeutsche die Zusammenführung P/O effektiver hinbekommt.

    Vielleicht ist ja auch einfach die Ära der Nachrichtenmagazine vorbei. Zeichen der Zeit.

  3. Ist doch bei den Rechten immer so:

    Haben sie erst mal die Linken und Liberalen weggebissen, beginnen sie sich untereinander zu zerfleischen. Ist ja gerade in der AfD auch wieder bestens zu beobachten.

    Büchner und Fleischhauer, das ist schon eine echte Bereicherung für den Spiegel. Also, für das Magazin, das immer noch den Namen jenes Blattes führt, welches früher darunter bekannt war.

    Ich halte es da mit Anke Engelke: „Das „ Spiegel“-Abo habe ich gekündigt, wegen der „Bild“-Leute da“

  4. Nun, selbst Herr Steinmeier hat es schon angemerkt:
    Die Medien beschäftigen sich heute am allerliebsten mit sich selber. Und keiner merkt: dem Publikum ist es schnurzegal, wie sich die Redaktionen zerfleischen. Das interessiert echt niemanden, dass sich Journalisten selber für soooo wichtig halten. Sieht man ja deutlich an der Auflage.
    Ach ja nee. Da war ja das Internet dran schuld. Hahaha.

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