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Deutsche Post stellt „Journalismus-Börse“ DieRedaktion.de ein

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Die Deutsche Post macht Mitte Dezember ihr Portal DieRedaktion.de dicht. Entsprechende Informationen von MEEDIA bestätigte ein Sprecher der Post auf Nachfrage. Die 2011 gegründete "Journalismus-Börse" (Eigenbezeichnung) wollte Autoren und Unternehmen bzw. Verlage miteinander vernetzen.

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Die Deutsche Post sucht seit Jahren auf verschiedenen Wegen digitale Geschäftsmodelle bzw. Kooperationsmöglichkeiten mit der Verlags- und Inhaltebranche. Ein Projekt, das zum Start im Frühjahr 2011 für Diskussionen gesorgt hatte, war DieRedaktion.de. Auf dem Portal können freie Journalisten ihre Texte zur Zweitverwertung anbieten und so gleichzeitig um neue Kunden werben. Ebenso können Verlage und Unternehmen dort Aufträge anbieten und auf Autorensuche gehen. Nach eigenen Angaben gibt es bis heute 5.000 Accounts, davon 3.000 von Journalisten. Zu den Unternehmenskunden zählten u.a. Axel Springer und die Burda Creative Group.

So richtig in Gang kam DieRedaktion.de aber nie. Wie viel Austausch es zwischen Auftraggebern und -nehmern tatsächlich gab und gibt – unklar. In der Theorie ist die digitale Vernetzung ein richtiger Ansatz, in der Praxis werden Aufträge letztlich auf herkömmlichen Wegen vermittelt – über Empfehlungen. Zumal es beispielsweise einer Fachredaktion schon bekannt sein sollte, welche zehn bis zwanzig Journalisten in Deutschland sich beispielsweise mit Solarenergie oder dem Steuerwesen auskennen.

„Wir haben festgestellt, dass wir als Post erheblich in unsere Technologie hätten investieren müssen“, sagte ein Post-Sprecher auf Nachfrage über die Gründe für das Aus. „Aus strategischen Gründen“ sei nun die Einstellung der Plattform beschlossen worden. Am Freitag nachmittag werden die angemeldeten Nutzer von DieRedaktion über die Abschaltung zum 14. Dezember informiert.

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Beim Deutschen Journalisten-Verband (DJV), der das Projekt laut eigener Formulierung „wohlwollend begleitet“ hat, heißt es auf Nachfrage, man habe „seit Urzeiten nichts mehr davon gehört“. Seit Urzeiten, das bedeutet vermutlich „seit etwas mehr als drei Jahren“. Im Sommer 2011 fusionierte DieRedaktion.de nämlich mit Spredder, einem „Online-Shop für Qualitätsjournalismus“. Den hatten seinerzeit der Multifunktions-Kommentator Hajo Schumacher und der heutige Krautreporter Sebastian Esser auf die Beine gestellt.

Noch heute ist auf der Startseite von DieRedaktion.de ein Foto von Schumacher abgebildet, versehen mit der Frage „Sie fühlen sich nicht angesprochen?“ Man darf davon ausgehen, dass zu viele Journalisten die Frage mit Ja beantwortet haben.

 

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  1. Es überrascht mich nicht. Unsere AG freier Journalisten startete 1999 mit der gleichen Idee. Unser Themennewsletter wurde – aus heutiger Sicht – in die Redaktionen „gespammt“. Gebucht wurde niemals etwas. Wieviel oder wie wenig teasert man einen Beitrag an? Wir haben phantasielosen Redaktionen die Themenideen geliefert und konnten die regelmäßig besuchenden Webserver schon 2000 „tracken“. Immerhin schafften wir schließlich echte Redaktionskontakte, die fortan ganz konservativ per Telefon und Mail betreut wurden. Übrig geblieben ist von alledem nur die Vernetzung der Kollegen untereinander. Und das ist systemisch gesehen mehr als sich DieRedaktion je vorgenommen hatte.

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