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Das Prinzip Kurbjuweit im Spiegel: ihr Online, wir Print

Katzen-Content: „Fat Cat“ Kurbjuweit, „Flucht-Katze“ Middelhoff
Katzen-Content: "Fat Cat" Kurbjuweit, "Flucht-Katze" Middelhoff

Spiegel Reporter Dirk “Fat Cat” Kurbjuweit hat im Spiegel diese Woche klargestellt, dass es der Print-Redaktion des Magazins eben nicht um ein Zusammenwachsen mit den Onlinern geht. Thomas “die Katze” Middelhoff wurde zu drei Jahren Haft verurteilt und wegen Fluchtgefahr gleich dabehalten. Und ein neues Edel-Printmagazin macht trotz Hammer-Copypreis schamlos Auto- und Klamotten-PR.

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Über der Kolumne “Das Prinzip von Print” von Dirk Kurbjuweit im Spiegel dieser Woche hätte man auch schreiben können “Wir über uns”. Mit “Wir” wären die qualitätsversessenen Print-Redakteure gemeint, die unbedingt Wolfgang Büchner als Spiegel-Chef loswerden wollen, damit sie nicht in zu großen Kontakt mir der Online-Redaktion geraten. Das ist jetzt sicher etwas verkürzt dargestellt, aber es ist vermutlich der Kern der Sache. Beachten Sie bitte folgendes Zitat aus der Kurbjuweit-Kolumne: “Es gibt hier zwei Welten, und jede hat ihre Stärken und Schwächen. Beide werden gebraucht.” Online? Ja, bitte! Aber bitte nicht mit uns.

Der einstige Manager-Überflieger Thomas Middelhoff ist bruchgelandet. In Essen wurde er wegen Steuerhinterziehung und Untreue zu drei Jahren Haft verurteilt. Das Ausmaß der Middelhoff’schen Prasserei auf Firmenkosten ist dabei schon bemerkenswert. Charterflug zum Boardmeeting der New York Times: 91.500 Euro. Hubschrauberflüge von Bielefeld zu Arcandor nach Essen wegen Stau: 74.000 Euro. Festschrift zum Geburtstag seines alten Bertelsmann-Kumpels Marc Wössner: 180.000 Euro.

Sogar Haftbefehl wurde erlassen wegen Fluchtgefahr. Middelhoff wurde vom Gericht gleich dabehalten. Er muss sich darüber nicht wundern: Wohnsitz im Ausland, Freiheitsstrafe, unklare berufliche Lage. Und schließlich hatte Middelhoff nach seinem Offenbarungseid selbst damit geprahlt, dass er “wie eine Katze übers Dach” geflohen sei, um wartende Journalisten zu umgehen. Als Steuerhinterzieher Uli Hoeneß in den Knast musste, konnte er sich vor Respektsbekundungen kaum retten. Bei Middelhoff ist das anders. Er hat es geschafft, zum Gesicht des Raubtierkapitalismus zu werden. Bei der Urteilsverkündung sah “Big T”, wie ihn manche voller Bewunderung oder – je nach Betonung – voller Abscheu nannten, nur noch müde und kaputt aus. Das Grinsen, die großen Gesten – alles weg.

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Diese Woche mal wieder durchs Bahnhofskiosk geschlichen und ein neues Magazin gefunden, das Interesse weckte. Allmountain heißt das großformatige Bergsportmagazin aus dem Hause Delius Klasing. Herausgeber ist der Kletterheld Stefan Glowacz, es gibt interessante Lesestücke und schöne Bilder. Der Heftpreis ist mit 10 Euro sehr hoch angesetzt, was für hochwertige Nischen-Printtitel aber nicht zu hoch sein muss. Ein echter Kauftipp also? Nein! Im Heft findet sich leider ein Stück, das mir den Genuss vermiest. Ein PR-Bericht über den Chef der Outdoor-Marke Salewa, der im BWM 2er durch die Gegend gurkt. Der Verlag entblödet sich sich nicht, das PR-Stückchen sogar als besonderes Highlight im Werbevideo für das Magazin anzupreisen. Sorry, Leute – ich habe wirklich nichts gegen gut gemachte Werbung und auch nichts gegen hohe Heftpreise. Aber wenn ich zehn Euro für ein Magazin auf den Tisch lege, dann will ich nicht von Advertorials belästigt werden, die sich als Redaktion tarnen.

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A propos: Ist es nicht ziemlich passend, dass Gruner + Jahr mit einem Chamäleon für Native Advertising wirbt? (Gesehen beim Wochenrückblick der Kollegen vom Clap Club).

Zum Schluss mal wieder was Launiges über Kai D., Deutschlands meisten Chefredakteur. Wer hätte das gedacht, dass Web-Scherzkeks Postillon und KD nach Meinung des Twitter-Algorithmus so viel gemeinsam haben …

Schönes Wochenende!

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