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Outsourcing beim Weser-Kurier: Rückholaktion ins Stocken geraten

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Zur Überraschung der Regionalzeitungsbranche hatte der Vorstand der Bremer Tageszeitungen AG (BTAG) Ende Oktober angekündigt, fünf Außenredaktionen ins Weser-Kurier-Stammhaus zurückzuholen. Doch jetzt ist der Prozess ins Stocken geraten: Der BTAG-Aufsichtsrat hat auf seiner jüngsten Sitzung noch nicht die nötige Zustimmung erteilt, wie MEEDIA erfuhr. Offenbar gibt es Bedenken gegen die Vorstandspläne.

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Von 2006 bis 2013 hatte der Verlag nach und nach fünf von insgesamt acht Regionalredaktionen im Bremer Umland in die neu gegründete Konzerntochter Pressedienst Nord (PDN) ausgelagert. Dort werden die Journalistinnen und Journalisten seitdem um 20 bis 25 Prozent schlechter bezahlt als im Mutterhaus, wie der BTAG-Betriebsrat ausgerechnet hat.

Völlig überraschend und gegen den allgemeinen Branchentrend kündigte dann aber Vorstandsmitglied Jan Leßmann Ende Oktober an, das Outsourcing rückgängig zu machen. Man wolle alles „wieder aus einer Hand steuern“ und eine „Corporate Identity“ wiederherstellen, sagte er der FAZ. „Wunschtermin“ sei der 1. Januar 2015. Auch die ausgelagerte Online-Redaktion solle bei der Gelegenheit wieder ins Stammhaus eingegliedert werden.

Doch der Aufsichtsrat scheint von den Vorstandsplänen noch nicht überzeugt zu sein. Nach unbestätigten Informationen von MEEDIA möchte er genauer wissen, welche Konsequenzen die Rückholaktion hätte.

Dabei würden die Heimkehrer gar nicht nach Tarif entlohnt. Denn der Verlag hat mit dem Betriebsrat eine neue Vergütungsstruktur ausgehandelt, die sowohl für die zu übernehmenden PDN-Beschäftigten als auch für etwaige Neueinstellungen gilt. Laut Betriebsrat liegt die Entlohnung etwa 15 Prozent unter Tarif. Die vollen Tarifgehälter erhalten nur noch langjährig Beschäftigte aus jenen Zeiten, als sich die BTAG noch dem Branchentarifvertrag unterworfen hatte.

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Das Outsourcing war vor allem vom langjährigen Vorstandschef Ulrich Hackmack betrieben worden. Er wurde jedoch 2013 abberufen.

Allerdings sitzt er jetzt im Aufsichtsrat und gehört dort vermutlich zu den Kritikern der Rückholaktion. Aber dem Vernehmen nach fragen auch andere Aufsichtsratsmitglieder, warum der Verlag jetzt wieder mehr Geld für die Redakteure zahlen soll als bei dem PDN-Modell.

Damit bleibt unklar, welche Redaktionsstruktur den künftigen Weser-Kurier-Chefredakteur Moritz Döbler erwartet. Der vom Tagesspiegel kommende 49-Jährige soll voraussichtlich innerhalb des ersten Quartals 2015 von der Spree an die Weser wechseln und den kommissarischen Ko-Chefredakteur Peter Bauer ablösen. Der heute 62-jährige Bauer wurde Anfang 2014 der umstrittenen Chefredakteurin Silke Hellwig an die Seite gestellt. Sie arbeitet jetzt nur noch als Autorin (vermutlich bis zum Ablauf ihres Chefredakteurin-Vertrags), während Bauer bis zum Amtsantritt von Döbler das Tagesgeschäft leitet und als presserechtlich Verantwortlicher firmiert. Bauer gehörte jahrelang selber zu den Outgesourcten, bevor er ins Stammhaus zurückkehrte: Von 2006 bis Anfang 2014 war er Geschäftsführer des PDN.

Eckhard Stengel

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