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„Pogromstimmung“: Weselsky sieht sich als Opfer einer Medienkampagne

Hat Ermittler eingeschaltet: Claus Weselskys Privatsphäre wird  – auch wegen aggressiver Berichterstattung – bedroht
Hat Ermittler eingeschaltet: Claus Weselskys Privatsphäre wird – auch wegen aggressiver Berichterstattung – bedroht

Claus Weselsky nutzt derzeit jede Gelegenheit, um gegen die Berichterstattung gegen ihn zu protestieren: Im Interview mit der Zeit erklärt der GDL-Chef, Medien versuchten ihn "in die Knie" zu zwingen und Stimmung gegen ihn und die GDL zu machen. Im Express spricht er sogar von einer "Pogromstimmung". Der Gewerkschafter bezieht sich dabei auf Fehltritte einzelner Medien aus den vergangenen Tagen.

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Im Interview mit der Wochenzeitung Die Zeit (erscheint am morgigen Donnerstag) erklärt Weselsky, die Bahn habe „mediale Unterstützung“ gefunden, um ihn „in die Knie zu zwingen“ und legt eine gewisse Verzweiflung nahe. „Die Methoden mancher Journalisten zeigen doch nur eines: Rechtlich gesehen, ist gegen das, was die GDL tut, nichts zu machen.“ Deshalb werde „Hass“ geschürt, der Stimmung gegen ihn provozieren soll. „Wenn sie mich immer wieder als den meistgehassten Deutschen bezeichnen, dann kommt bei manchen Menschen irgendwann tatsächlich Hass auf“, so Weselsky. In der heutigen Ausgabe des Kölner Express spricht Weselsky von einer „Pogromstimmung“ gegen die GDL.

Ob solch drastischen Vergleiche und Formulierungen gerechtfertigt sind – darüber lässt sich streiten. Ganz unberechtigt ist die grundsätzliche Kritik an den Medien freilich nicht. Unter anderem haben sich Focus Online, die Dresdner Morgenpost sowie Bild in der Berichterstattung über Weselsky Fehltritte erlaubt. So rief etwa die Bild dazu auf, Weselskys Büronummer als Beschwerde-Hotline zu nutzen, die Morgenpost aus Dresden traf die Ex-Freundin des Gewerkschafters, die ihn als „Diktator“ bezeichnete. Reporter von Focus Online recherchierten sogar den privaten Wohnsitz des 55-Jährigen und veröffentlichten Details. „Seit jeder weiß, wo ich wohne, stellt sich für mich die Frage der Sicherheit“, so Weselsky zur Zeit. In der vergangenen Woche gab er in einem Interview bereits bekannt, die Polizei eingeschaltet zu haben.

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Alle Kommentare

  1. Ich würde zugeben, dass Herr Weselsky seine Worte mitunter nicht politisch korrekt genug wählt und der „Behinderten-Satz“ war ein absoluter Mißgriff (da muss er sich auch berechtigte Fragen stellen lassen!).

    Damit macht er sich unnötig angreifbar in der heutigen heuchlerischen Medien- und Politikerwelt.

    ABER: dass in letzter Zeit eine Art PogromSTIMMUNG herrschte (oder versucht werden sollte zu erzeugen), würde ich absolut unterschreiben.

    Er sprach von Stimmungen in der Öffentlichkeit und nicht von stattfindenden Pogromen, diesen Unterschied sehe ich schon.
    Der Begriff Pogrom wird in Deutschland vornehmlich mit der Judenverfolgung assoziiert, und das wird nun umgehend benutzt, um die gewohnte Nazikeule herauszuholen.

    Damit muss man sich auf Seiten der Beschuldigten natürlich nicht mit Argumenten auseinander setzen, geschweige denn gar mal selbstkritisch werden.

    Mit Streitkultur hat das nichts mehr zu tun, „Qualitätszeitungen“ hin oder her.

  2. Schon seltsam.

    Auf der einen Seite die Bahn, die sich nicht einen Jota bewegt und als Eintritt für Verhandlungen verlangt, dass die GDL eben nicht verhandeln darf…was völlig abstrus ist und auf der anderen Seite die GDL die daraufhin von ihrem Grundrecht Gebrauch macht

    Und wer ist Schuld?
    Die GDL…..

    Für jeden dessen Intelligenzquoient über seiner Schuhgröße liegt, ist das einfach nur unglaublich..man denkt sich…so doof können die Leute doch nicht sein, oder? Auf eine solche Hexenjagd ohne jeglichem argumentativen Inhalt und leicht zu durchschauenden Lügen fallen die doch nicht mehr rein, schließlich schreiben wir das Jahr 2014 und nicht 1414 ….doch die Realität sagt dann doch etwas anderes…..Bildungsrepublik Deutschland ..lol….oder doch eher BILDreplublik……

  3. Das ist ja nun mal der Sinn eines Streiks: Einschränkungen bei den Sachen die ohne Streik halt funktionieren. Wer das nicht will, sollte wie es in Diktaturen üblich ist, das Recht auf Streiks abschaffen.

  4. Allein die Wortwahl des GDL-Bosses zeigt doch deutlich, in welcher Welt dieser lebt. Egal, wie die genannten Medien an die Sache herangegangen sind, sie bleiben der Spiegel der Gesellschaft. Weselsky wurde bereits gehasst, bevor Bild oder Focus online das auf ihre Titelseiten / Startseiten brachten. Wer Millionen von Deutschen derart in ihrer Bewegungsfreiheit einschränkt, muss wissen, dass er nicht auf Gegenliebe stößt.

    1. Streik gehört zu den vom Grundgesetz garantierten Grundrechten. Streiks treffen in manchen Bereichen auch immer unbeteiligte Dritte, das liegt i9m Wesen von Streiks. Das schafft natürlich Ärger. Trotzdem gibt es Medien nicht das Recht Privates wie die Adresse von Herrn Weselsky zu veröffentlichen, um dadurch mehr Profit zu erzielen und um Emotionen weiter auf zu heizen. Vielleicht hat sich der GDL-Chef in seiner Wortwahl mit Pogrom vergriffen, trotzdem ist sein Ärger schon zu verstehen, denn viele Medien analysierten kaum, sondern agierten mit der medialen häufig einseitigen Berichterstattung. Insofern wünsche ich mir in solchen Fällen eine mehr sachliche Berichterstattung, die eher den Kopf als den gefühlten Ärger anspricht.

    2. die Massenmedien ein Spiegel der Gesellschaft? Da kann man nur in Anlehnung an Paul Sethe sagen: „Meinungsfreiheit ist die Freiheit von ein paar Reichen, ihre Meinung drucken zu lassen“, und damit die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Dass die grundsätzlich keine Sympathie für streikende Arbeiter haben, liegt auf der Hand. Dass die tumbe Masse sich von den Blättern gegen Arbeitnehmer aufhetzen lässt, die von ihren Grundrechten Gebrauch machen, statt es ihnen nachzutun oder sich zumindest solidarisch zeigen, beweist, dass diese paar Reichen erfolgreich darin sind, ihre Meinung zur öffentlichen Meinung zu machen.

    3. Die sog. Medien haben den Auftrag, zu informieren, nicht aber zu hetzen. Bisher wurden nur in Diktaturen, Gewerkschaften so Hasserfüllt angegangen und verboten. Aber in einer sog. Demokratie? Die sog. Medien, tragen eine Mitschuld, wegen ihrer einseitigen Hetze. Ich hätte die Medien wegen Volksverhetzung angezeigt.

    4. ‚N bißchen unlogisch, Ihr Kommentar. Wie kommen Sie auf das schmale Brett, dass Weselsky bereits gehasst wurde, bevor er „Deutschland in Geiselhaft“ nahm (so sagt man doch wohl, nicht wahr?). Welchen Grund hätte es dafür geben sollen? Ich wette, die meisten hätten mit dem Namen des Mannes, den sie zu diesem Zeitpunkt angeblich schon hassten, VOR dem Streik nichts anfangen können.
      Aber für EINEN Satz muss ich Sie direkt loben:
      „Egal, wie die genannten Medien an die Sache herangegangen sind, sie bleiben der Spiegel der Gesellschaft.“
      Wie wahr, wie wahr! Sie haben’s genau erfasst. Da kann man wirklich nur noch den Kopf schütteln, was aus dieser Gesellschaft geworden ist.

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