Mobile Nachrichten-Angebote: Ist das Wachstum schon zu Ende?

Smartphone-IVW.jpg

Fernsehen Konsumieren bald alle Nutzer Nachrichten nur noch auf dem Smartphone? Werden traditionelle für große Monitore gebaute Websites überflüssig? Eine MEEDIA-Analyse von IVW-Daten der 20 größten Nachrichten-Websites zeigt: So weit ist es noch lang nicht. In den vergangenen Monaten wuchsen die mobilen Visits kaum noch stärker als die der herkömmlichen Websites.

Werbeanzeige

Immer wenn Journalisten derzeit auf Konferenz-Panels zusammen sitzen, ist zu hören, dass die Zukunft mobil ist. Die herkömmlichen Websites werden verdrängt, die Nutzer wollen ihre News nur noch mobil konsumieren und darauf gilt es zu reagieren. Einher gehen diese Voraussagen mit einer gehörigen Portion Angst, denn die mobilen Visits können derzeit noch kaum refinanziert werden – zu schlecht läuft die Vermarktung des mobilen Traffics.

Doch wie ernst ist die Lage schon? Ist der mobile Traffic in Kürze schon größer als der auf den herkömmlichen Websites? MEEDIA analysierte für diese Fragestellung die IVW-Daten der 20 größten Nachrichten-Angebote – von Bild.de bis zum Münchner Merkur. [Die Liste der Top 20 finden Sie in unserer aktuellen IVW-Analyse.] Seit Juli 2013 werden die mobilen und stationären Zahlen von der IVW getrennt ausgewiesen – seit diesem Zeitpunkt ist eine solche Analyse also möglich.

In den ersten Monaten danach wuchsen die mobilen Visits enorm. Betrug der Anteil der mobilen Angebote an den Gesamt-Visits der Top-20-Angebote im Juli 2013 noch 23,2%, waren es im November schon 28% und im Dezember gar 31,2%. Bis Juni 2014 wuchs der Anteil dann Stück für Stück auf 35,2% – also schon über die Zwei-Drittel-Marke. Doch dann stagnierte der Anteil plötzlich. Im Juli waren es nur noch 34,6%, im August 35,1%, im September wieder nur 34,5% und im Oktober 35,5%. Seit fünf Monaten pendelt der mobile Anteil an den Gesamt-Visits also zwischen 34,5% und 35,5%. Ein übermäßiges Wachstum ist nicht mehr zu erkennen.

367,5 Mio. Visits erreichten die 20 größten Nachrichten-Angebote im Oktober mobil – 668,3 Mio. auf herkömmlichem Wege. Einschränkend muss aber auch dazu gesagt werden, dass die derzeitige Stagnation des mobilen Wachstums auch mit den Jahreszeiten zu tun haben könnte. Bei schönem Sommerwetter sind die Menschen öfter an der frischen Luft, nutzen ihr Smartphone, im Herbst und Winter bleiben sie drin, nutzen es möglicherweise weniger. Was an dieser Theorie dran ist, wird sich dann spätestes im kommenden Frühjahr zeigen.

Ein weiterer Grund für die Stagnation könnte auch eine Steuerung des Traffics durch die Anbieter sein. Da auf den stationären Websites weiterhin mehr Geld zu verdienen ist als mit den mobilen Sites und Apps, sind sie natürlich daran interessiert, den Traffic auf der normalen Seite hoch zu halten. Durch Weichen – was passiert also, wenn ich eine Website auf einem Smartphone oder einem Tablet aufrufe – lässt sich das in gewissen Maße steuern. Einige Anbieter lenken z.B. den Traffic aus sozialen Netzwerken grundsätzlich erst einmal auf die stationäre Website – auch wenn ich den entsprechenden Link auf einem Smartphone aufrufe.

Unabhängig davon sind die mobilen Anteile am Gesamt-Traffic bei den 20 Anbietern überaus unterschiedlich. So erreichen n-tv und N24 schon mehr Visits mit den mobilen Angeboten als mit der herkömmlichen Website: 42,4 Mio. zu 36,0 Mio. betrug das Verhältnis im Oktober bei n-tv, 10,3 Mio. zu 8,8 Mio. bei N24. 54% der Visits gehen bei beiden auf das mobile Konto. Ein paar andere erreichen hier mehr als 40%: Focus Online, der Express, die Huffington Post, die Hamburger Morgenpost und die tz. Wiederum andere schaffen aber nur etwas mehr als 20% mit den mobilen Angeboten: Süddeutsche.de, FAZ.net, Handelsblatt.com und tagesspiegel.de sind hier noch unterdurchschnittlich erfolgreich.

Ein Ende der stationären Websites ist damit jedenfalls noch lang nicht in Sicht, es gibt noch genügend Menschen, die ihre Nachrichten auf großen Bildschirmen konsumieren statt auf dem kleinen Smartphone.

Werbeanzeige

Mehr zum Thema

Alle Kommentare

  1. Meine Tageszeitung ist schon immer extremly mobile. Einfach einstecken, im Zug lesen und gut. Und ein Vermarktungsproblem gibt es auch nicht. Eine 2/1 von Audi funzt wie die Hölle und wirft sicher auch ein paar Euro netto für den Verlag ab. Und sharen kann man mit seinen Mitreisenden auch wunderbar. Wir haben uns heute Morgen herrlich über das Streiflicht in der SZ amüsiert. Das war absolut Social.

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werbeanzeige