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„Fat Cat Print“ – Dirk Kurbjuweits Spiegel Kolumne als Gesprächsangebot an die Onliner

Im aktuellen Spiegel schreibt Dirk Kurbjuweit in seiner Kolumne "Zur Lage der Welt" über das "Prinzip von Print". Der Text ist ein Plädoyer für "das Wunder der Buchstaben". Und eine Art Rechtfertigung bzw. Erklärung, implizit nicht nur von Kurbjuweit, sondern auch im Namen vieler Print-Redakteure des Spiegel. Die ja gerne – auch von Mediendiensten – zumindest unter den Verdacht gestellt werden, nur auf Besitzstandswahrung aus zu sein.

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Das Problem an der ganzen Spiegel-Kiste ist: eine eindeutige Wertung – der ist gut, der ist böse, der denkt nach vorn und der nach hinten, und der denkt gar nicht – gibt es nicht. Kann es nicht mehr geben. Konkret: Aus Sicht der Mehrheit der Print-Redakteure ist Wolfgang Büchner kein guter Chefredakteur. Mit dem Widerstand gegen dessen Führungsanspruch bleibt aber auch dessen Projekt „Spiegel 3.0“ stecken. Völlige Uneinigkeit besteht über der Frage, was ein Chefredakteur beim Spiegel gerade leisten muss und soll. Die einen wollen den intellektuellen Großmeister, die anderen den Transformations-Titan. Beide Wünsche werden nicht von einer Person erfüllt werden können.

Dazu kommen die Spiegel Online-Redakteure, die den Ruf des Spiegel in den vergangenen 20 Jahren unterm Strich, Boulevardisierung hin oder her, verbessert haben, die keine Stimme in dem Zwist zwischen Büchner und der Print-Redaktion haben, den Reformkurs aber befürworten. Auch sie sind sauer – auf die Print-Leute. Und so sehr es berechtigt sein sollte, Büchners Blattmacher-Qualitäten zu bemängeln – haben nicht auch die Onliner Recht, wenn sie den Kurs der Print-Leute als selbstzerstörerisch ansehen?

Wenn es nicht so traurig wäre, wie sich die Redaktionen selbst zerfleischen, dann wäre es komisch: Vertreter beider Seiten glauben, dass die jeweilige andere Seite „den Spiegel kaputt macht“. In der vergangenen Woche verschickten Print-Leute eine Anti-Büchner-Petition, die 91 Prozent der Redakteure unterschrieben haben, an die Gesellschafter. Die Reaktion darauf war auch und vor allem Kritik seitens der Onliner. Erneut galten die Print-Redakteure als veränderungsresistente Blockierer.

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Und damit zurück zu Dirk Kurbjuweit, dessen Name bereits vor vielen Wochen schon mal als möglicher Büchner-Nachfolger gehandelt worden war. Sind die Printler nur noch „fat cats“, die ihre Pfründe verteidigen wollen, fragt er im Spiegel. „Nennt mich meinetwegen eine fat cat, aber seid nicht so ignorant gegenüber Print“, schreibt der langjährige Chef des Hauptstadtbüros. Online und Print, das seien „zwei Welten, und jede hat ihre Stärken und ihre Schwächen. Beide werden gebraucht.“ Und: „Wir sind bereit für das digitale Zeitalter, wollen aber das Prinzip von Print mitnehmen.“ Und das Prinzip von Print ist: sich Zeit nehmen für einen guten Text.

Die fein säuberliche Trennung von Print und Online – auch sie mag eigentlich überholt sein, man kann zumindest darüber diskutieren. Kurbjuweits Kolumne aber darf man sicherlich als ein Angebot an die Online-Kollegen interpretieren. Man sollte es sogar.

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