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Icon-Macherin Griese: „Sind Journalisten und keine Abwurfstelle für Pressemitteilungen“

Icon-Chefredakteurin Inga Griese (li.) und die Icon-Anzeigenleiterin Carola Curio
Icon-Chefredakteurin Inga Griese (li.) und die Icon-Anzeigenleiterin Carola Curio

Stil, handfester Pragmatismus und klare Kante schließen sich nicht aus – zumindest bei Inga Griese. Im Interview mit MEEDIA erklärt die Chefredakteurin von Springers Icon, zusammen mit ihrer Anzeigenleiterin Carola Curio, warum die Welt gerade im Supplement-Rausch ist, warum sie keine Preise druckt, niemals eine Chanel-Jacke in einer Toilette fotografieren würde und warum Icon so wenige Kosmetik-Anzeigen hat: "Wir machen keine Deals mit den Marken".

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Die Welt scheint gerade im Supplement-Rausch zu sein. Mit Hilfe von Themen-Beilagen wie Bilanz für Wirtschaft und Icon für Stil- und Lifestyle soll die Zeitung noch attraktiver gestalten werden. Sie haben gerade die Erscheinungsweise auf zehn Mal pro Jahr erhöht. Wann kommt Icon wöchentlich?
Inga Griese:
Wir sind jetzt schon sehr präsent. Aber mehr als zehn Mal pro Jahr geht kaum. Unterschätzen Sie nicht, wie viel Arbeit in solch einem Magazin steckt. Wir haben ja unter anderem auch noch einen tollen Stil-Teil in der Welt. Zudem präsentieren wir stündlich Stil-Themen online.

Trotzdem. Icon lebt in der Tageszeitung, in der Sonntagszeitung, Online und als App. Das klingt so, als ob Wachstum ein Teil der Icon-DNA wäre.
Griese:
Icon ist ein echtes Springer-Gewächs. Vor sieben Jahren sind wir gestartet, weil wir das Gefühl hatten, dass wir zu wenig für Frauen in der Welt am Sonntag  machen würden. Also entwickelten wir Icon. Wir fingen mit vier Leuten an, jetzt sind es 14.
Carola Curio: Angefangen haben wir mit 44 Seiten, jetzt haben wir 116. Dieser gewachsene Umfang hängt vor allem der hervorragenden Anzeigen-Situation zusammen.

Icon

14 Leute sind nicht gerade viele Mitarbeiter.
Griese:
Sie dürfen nicht vergessen: Wir sind Zeitungsmenschen. Wir haben gelernt viel und schnell zu schreiben. Früher kam man um 9 Uhr in die Redaktion und musste am Nachmittag einen langen und guten Text abgeben. Fertig. Wenn es keine gute Qualität war, dann war das nicht akzeptabel. Wir sind es bei der Welt gewohnt, schnell und effektiv zu arbeiten.

Dieser Ansatz ist wunderbar pragmatisch. Meinen sie die Konkurrenten sehen das ähnlich?
Griese:
Wir haben keine echten Konkurrenten. So etwas wie Icon gibt es nicht noch einmal auf dem deutschen Markt. Ich will einfach schöne Hefte für den Leser machen. Ob ein ähnliches Thema schon einmal in einem anderen Heft stand, interessiert mich weniger. Wir arbeiten so nicht. Wir zeigen die schönsten Sachen, die wir finden.

Kaufen die Menschen extra wegen Icon die Welt am Sonntag oder freuen sie sich, wenn sie dabei ist?
Curio:
Ja, vor allem die Leserinnen und die jüngere Zielgruppe freuen sich auf das Magazin.

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Es gibt bei Icon keine Preise von Produkten.
Griese: Nicht aus Überheblichkeit, sondern weil wir ein bestimmtes Lebensgefühl abbilden wollen. Die Leute sollen sich wegträumen. Sie sollen sich nicht durch Preise und Realität beschränken. Es geht um das Gefühl.

Alle Tageszeitungen starten weitere Supplements. Sind diese thematischen Supplements die Zukunft des Magazin-Journalismus?
Griese:
Das kommt darauf an, was Sie unter „Supplement“ verstehen … Wir sind Journalisten und keine Abwurfstelle für Pressemitteilungen. Wir haben das Privileg, dass zu machen, was wir wollen. Möglichweise haben wir gerade, weil wir einer Zeitung „nur“ beigelegt werden, mehr Freiheiten, als viele andere Magazine. Nur weil beispielsweise alle gelbe Handtaschen zeigen, machen wir das noch lange nicht. Wir müssen ja auch keine Diät-Themen bieten. Natürlich machen wir im September Mode. Aber da beginnt ja auch das neue Mode-Jahr. Wir erzählen auf unsere Weise. Deshalb stört uns das viele Arbeiten auch nicht.

Liebe Frau Griese, liebe Frau Curio, danke für das Gespräch.
Griese:
Mir ist eine Sache noch wichtig: Wir bei Icon machen keine Deals mit den Marken, über die wir berichten. Das ist immer wieder ein Vorwurf, den sich Modejournalisten anhören müssen. Lifestyle-Journalismus ist nicht oberflächlich. Wir würden trotzdem niemals eine Chanel-Jacke in einer Damentoilette schmeißen und fotografieren, weil es wahnsinnig originell und ach so distanziert ist.
Curio: Bei uns werden Anzeigenpreise und Redaktion nicht im Paket verhandelt. Deshalb arbeiten wir auch mit einigen Anzeigenkunden nicht zusammen, die durchaus eine Bedeutung im Markt haben.

Haben sie deshalb kaum Kosmetik-Anzeigen?
Curio:
Ja.

Das muss man sich erst einmal leisten können.
Curio:
Wir können leider gar nicht alle Anzeigenkunden mitnehmen, die gerne buchen würden. Ganz einfach weil der Maximalumfang von Icon begrenzt ist.

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Alle Kommentare

  1. Meine lieben Damen, nun darf ich mich zukünftig 10 x im Jähr ärgern – und freuen. Freuen weil mir ICON immer besser gefällt und ärgern – weil sie schon wieder die besseren Themen haben. Und bei aller Bedeutung/Unbedeutung von Print: es ist schlichtweg schön … weiter so. Und ich arbeite daran auch solch ein schönes Magazin zu machen!

  2. Es ist ja nur meine ganz bescheidene Meinung: aber Supplements sind für mich der Inbegriff von oberflächlichem Lifestyle-Journalismus. Das ist auch O.K. so – wenns dem Leser gefällt…
    Warum Icon da anders sein soll, hab ich jetzt nicht richtig verstanden.

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