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Wie die FAZ sich ihre Schrulligkeit wegspart

Was ist das denn für eine seltsame Zusammenstellung?
Was ist das denn für eine seltsame Zusammenstellung?

Unser Wochenrückblick: Der stern widmet den Kohls erneut eine Titelstory, diesmal sogar ganz “privat”. Die Mauerspecht-Aktion des ZDF will nicht recht in die Gänge kommen. Die FAZ spart sich den Comic und will stattdessen Geld für alte Pressemitteilungen und die Krautreporter wandeln auf Heftig-Pfaden.

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Gruner + Jahr Chefin Julia Jäkel war diese Woche beim VDZ Kongress in Berlin knick-knack stolz auf den aktuellen stern-Titel “Die Kohls privat”. Ulrike Posche durfte in den berühmten Kanzler-Bungalow in LU-Oggersheim rein und mit dem Altkanzler und dessen zweiter Frau Maike über “ihr Leben, ihre Liebe und die Lügen der anderen” reden. Die Kohls auf dem stern-Titel – das kommt uns natürlich seltsam bekannt vor. Ein Blick ins fantastisch sortierte MEEDIA-Archiv und Bingo: stern-Titel vor fast genau einem Jahr war “Die Kohls” – noch ohne “privat”.

Bildschirmfoto 2014-11-07 um 16.07.34

Autorin war damals auch Ulrike Posche. Der Unterschied: Vor einem Jahr durfte die stern-Autorin noch nicht HINEIN in den Bungalow. Freuen wir uns also schon auf die Fortsetzung der Kohl-Saga im stern nächstes Jahr. Auch Kohl-Intimus Kai Diekmann applaudiert dem stern via Twitter:

Genau wie schon vor einem Jahr:

Schon gemerkt: Am 9. November jährt sich der Fall der Berliner Mauer zum 25. mal. Zu dem Jubiläum haben sich Medien Allerhand einfallen lassen. Beim ZDF hatten sie die Idee, dass ein Specht die Mauer virtuell noch einmal zum Einsturz bringen soll. Ein Mauerspecht. Ist das originell? Naja, geht so. Man soll Irgendwas über den Mauerfall oder die Einheit twittern, auf Facebook schreiben, bei Instagram posten oder über ein spezielles “Upload-Tool” beim ZDF hochladen, mit dem Hastag #Mauerspecht versehen und – schwupps – ist wieder ein Meter virtuelle Mauer weg. Beim ZDF trommeln sie seit Tagen ordentlich im TV und online für die Aktion. Twitter-Gott Claus Kleber räsonierte im “heute journal” darüber, wie gewaltig diese Aufgabe doch sei: “Aber es ist ja schonmal in der Realität gelungen, da ist es virtuell doch sicher ein Klacks.” Sobald ihm die richtige Idee kommt, wolle er seinen Meter auch wegtwittern. Das hat er dann auch an diesem Freitag pflichtschuldigst erledigt:

 

Blöd nur, dass scheinbar zu wenig Leute dem Beispiel Klebers und seiner ZDF-Kollegen folgen. An diesem Freitag waren relativ mickrige 17,5 Kilometer von insgesamt 160 Kilometer virtuelle Mauer weggetwittert. Und die Aktion läuft schon seit dem 27. Oktober. Da muss noch ordentlich was passieren, damit aus dem Mauerspecht kein Rohrkrepierer wird.

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Bei der FAZ könnte es runder laufen. Sparmaßnahmen, sinkende Auflage, Frank Schirrmacher gestorben. Neulich wurde bekannt, dass der Comic im Feuilleton aus Spargründen gestrichen wird. Das sorgte u.a. für solche Reaktionen:

 

Das ist schon ein bisschen peinlich, liebe FAZ. Jede Wette, dass Frank Schirrmacher nicht erlaubt hätte, dass der Comic gestrichen wird. Von solchen vermeintlich kleinen Schrulligkeiten lebt Eure Zeitung nämlich nicht unmaßgeblich. Ihr solltet an solchen Dingen festhalten. Und nicht etwa zwei Euro verlangen, wenn man angegammelte Pressemitteilungen online lesen will …

A propos Günther Nonnenmacher. Der hat gerade dem medium magazin ein langes Interview gegeben, in dem er sich auch zu den Vorwürfen von Ex-FAZ-Mann Udo Ulfkotte in dessen Buch “Gekaufte Journlisten” äußert:

 In der FAZ-Karriere von Udo Ulfkotte … (kurze Pause) … gab es einen Schnitt, als er schwer erkrankte – was er in seinem Buch selbst erwähnt – und vom 14. August 1989 bis 30. November 1990 außer Dienst war. Vorher war er ein unbeschwerter junger Journalist, manchmal etwas leichtfertig, so dass ich ihn auch ein paar Mal ermahnen musste. Danach hatte ich den Eindruck einer Art Persönlichkeitswechsel, er erzählte immer mehr absurde Geschichten und es gab eine Reihe von seltsamen Vorkommnissen und Behauptungen.

 Eingebettet ist das Nonnenmacher-Interview im medium magazin in ein großes Special “Ihr lügt doch Alle!” über die Glaubwürdigkeitskrise der Medien nicht nur aber auch in Sachen Ukraine-Berichterstattung. Ein wichtiges und relevantes Thema, toll aufbereitet von den Kollegen. Absoluter Lese- und Kauftipp für diese mm-Ausgabe (das sonst natürlich auch toll ist …)

 Nun zur Rubrik: Was machen eigentlich die Krautreporter? Die haben mich diese Woche erschreckt, als ihr E-Mail-Newsletter “Krautreporter Morgenpost” im Post-Eingangsfach landete. “Wieso ein Mann sein gesundes Bein amputiert” stand da im Betreff. Huch Gott! Und das vor dem ersten Kaffee! Es handelte sich aber nicht um den Hinweis auf ein megalanges, megaseriöses Krautreporter-Stück, sondern die Story war Bestandteil einer launigen News-Zusammenfassung des Kraut-Kollegen aus Übersee (New York). Die Hinweise auf neuen Kraut-Content gibt es in dem Letter meistens nur ganz unten als Link. “Mann amputiert gesundes Bein”. Krautreporter können offenbar auch Heftig-Style.

Heftiges Wochenende!

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Alle Kommentare

  1. Bin ich eigentlich der einzige, der es zum Kotzen findet, dass dieser Kohl wieder aus seinem Grab hervor kommt? Ich war so froh, dass er nach 16 Jahren endlich abtrat. Und hätte nix dagegen, wenn Kohl mitsamt seiner geltungsbedürftigen Betreuerin in seinem Oggersheimer Modellbahnkeller weiter vor sich hinmodern würde…

  2. Wenn die FAZ jetzt auch noch den Niggemeier einspart, bleibe ich Abonnent.
    Der soll sich doch in seinem eigenen Blog oder bei den Krautreportern verwirklichen.

    1. Sehe ich genau so. Oder noch besser bei der taz. Da passt er hin, aber nicht in eine seriöse Zeitung, die einen sehr gut informierten Medienredakteur hat.

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