LSR-Streit: Auch Axel Springer knickt ein und will wieder bei Google komplett gelistet werden

Springer-CEO Mathias Döpfner: Gegner Googler
Springer-CEO Mathias Döpfner: Gegner Googler

Publishing Kurzes Abenteuer: Als einziges Mitglied der Verwertungsgesellschaft (VG) Media hatte Axel Springer für vier Angebote (Welt.de, Computerbild.de, Autobild.de, Sportbild.de) Google eine Gratiseinwilligung zum Anzeigen von Snippets und Vorschaubildern verweigert. Google zeigte daraufhin diese Angebote nur noch mit Link und Überschriften an, ganz so, wie es das von Springer so herbeigesehnte Leistungsschutzrecht vorsieht. Ergebnis: Der Traffic der entsprechenden Seiten ist massiv eingebrochen. Darum bittet Springer Google nun über die VG Media darum, für die vier fehlenden Titel eine "Gratislizenz" zu beantragen.

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Dies kündigte Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner bei der Telefonkonferenz zu den aktuellen Quartalszahlen an, gleichzeitig verbeitete Springer die News via Twitter:

Das Leistungsschutzrecht sei „fundamental“, so Döpfner, es gehe um die Frage „ist das, was wir im Schweiße unseres Angesichts erarbeiten unser geistiges Eigentum oder kann damit jeder machen, was er will.“ Zur Erinnerung: Es geht um Mini-Textausschnitte (so genannte Snippets), die dafür sorgen, dass Nutzer Inhalte über Google besser finden und einordnen können. Für das Anzeigen dieser Snippets will Springer Geld von Google haben. Springer will also dafür bezahlt werden, dass Google den eigenen Seiten Leser zuführt. Springer habe sich, wie sich Döpfner ausdrückte entschlossen „als letztes gallisches Dorf“ dem „Missbrauch von Googles Marktmacht“ nicht zu beugen. Mit der Unbeugsamkeit ist nach zwei Wochen nun aber Schluss. Laut Springer ist der Traffic auf den Revoluzzer-Seiten um 40% eingebrochen, der Traffic von Google News sogar um 80%.

Den wirtschaftlichen Schaden, der entstehen würde, wenn Springer-Angebote weiter ohne Snippets bei Google ausgewiesen werden, bezifferte Döpfner auf einen siebenstelligen Betrag pro Angebot. Bei einigen Angeboten würde dies das Aus bedeuten. Würde Springer in Sachen LSR hart bleiben, „schießen wir uns aus dem Markt“, so Döpfner. Darum will Springer jetzt auch komplett auf die Ausübung des LSR bei Google verzichten.

Das Ziel, verlässliche Daten zu erhalten, was konkret geschieht, wenn Google seine Marktmacht angeblich missbraucht, sei erreicht worden. „Wir wissen jetzt, wie massiv die Folgen der Diskriminierung sind“, so Döpfner. Dies zu dokumentieren sei das Ziel gewesen. Nun sei es an Gerichten, Gutachtern und Wettbewerbshütern, die Schlüsse zu ziehen. Springer will offenbar die gewonnenen Erkenntnisse für kommende gerichtliche Auseinandersetzungen mit Google nutzen.

Und was macht Google? Google-Sprecher Kay Oberbeck gratulierte Axel Springer erst einmal zu den hervorragenden Geschäftszahlen.

Subtext: Ihr habt das unwürdige Gezerre um LSR-Lizenzen doch gar nicht nötig, liebe Verleger.

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Alle Kommentare

  1. Soso, Springer wollte demonstrieren welcher Schaden droht wenn Google seine Marktmacht missbraucht…
    Man könnte es auch so sehen, dass Springer demonstriert hat wie viel Kohle Google ihnen einbringt, indem sie, für Springer gratis, Leute auf ihre Seiten verweisen. Google macht kostenlose Werbung für Springer…

    1. So sieht es nämlich aus. Vielleicht sollte Google eher eine Beteiligung an den Einnahmen verlangen, die ohne die „im Schweiße ihres Angesichts erarbeiteten“ Zugriffe fehlen würden?
      Oder man läßt einfach alles, wie es früher war und sagt: „So, wir sind quitt.“

      1. Man hat es leider nicht so gelassen wie es war.
        Das Resultat ist jetzt ein Gesetz das folgendes verursacht:
        Google (sowieso schon Monopolist was Suchmaschinen angeht) kriegt alles wieder umsonst.
        Alle anderen, kleinen Anbieter müssen jetzt zahlen und haben damit noch weniger Chancen zu einer ernstzunehmenden und dringend nötigen Alternative zu Google zu werden.

      2. Google bekommt doch in vielen Fällen eine Beteiligung am Erfolg des Traffics, nämlich über das auf den Seiten eingebundene Google AdSense. Bei dem Traffic reden wir da im Laufe der Jahre über Hunderte Millionen, wenn nicht gar Milliarden €.

    2. Döpfner’s Originalziel war ja etwas Anderes. Indem man Google zum Monopol erklärte und mittels LSR für Snippets Geld verlangte, konnte man (wenn es denn geklappt hätte) Google über die Monopol-Feststellung nicht nur dazu zwingen die Snippets zu führen sondern auch dafür zu bezahlen.

      Das ist mehr oder weniger nichts Anderes als moderne räuberische Erpressung. Glüchlicherweise ist’s dann halt dank Kartellamt nicht so gekommen und jetzt fühlt Döpfner die Schmerzen eines Straßendiebes der sich halt das falsche Opfer ausgesucht hatte.

  2. Erinnert mich an die Münchner Medientage. Da hörte ich wieder einmal, dass sich die Privatfernsehsender darüber ärgern, dass die Kabelgesellschaften ihnen nichts für ihre werbefinanzierten Kanäle bezahlen.

  3. Quod erat demonstrandum.
    Jetzt ist es auch beim Rest der Beteiligten angekommen, dass Leistungsschutzrecht eine völlig unsinnige kleinkarierte Angelegenheit war (auch wenn Springer sich das nie öffentlicht zugeben wird). Dass da die Gesetzbegung überhaupt mitspielte, spricht nicht unbedingt für die Medienkompetenz der Legislativen in der Bundesrepublik. #Neuland, halt.

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