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MZ steht für „Münsterscher Zombie“: Was die Ausschlachtung der Münsterschen Zeitung bedeutet

Nicht drin, was drauf steht: Das Herz der Münsterschen Zeitung schlägt künftig nur noch dank der Westfälischen Nachrichten.
Nicht drin, was drauf steht: Das Herz der Münsterschen Zeitung schlägt künftig nur noch dank der Westfälischen Nachrichten.

Die Zukunft der Münsterschen Zeitung (MZ) ist gesichert - das vermeldete ihr neuer Besitzer, die Unternehmensgruppe Aschendorff, am Montag. Damit gemeint ist aber nur der Name des Blatts. Denn die Münsteraner schlachten die Zeitung aus. Nach der Übernahme vom Medienhaus Lensing wird Aschendorff nur die Hälfte der Mitarbeiter in die Westfälischen Nachrichten (WN) übernehmen und macht die MZ zur Zombie-Zeitung. MEEDIA beantwortet die dazu wichtigsten Fragen:

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Wo werden die übernommenen Mitarbeiter zukünftig arbeiten?

Aschendorff will rund die Hälfte der 72 Beschäftigten übernehmen. Welche Unternehmensbereiche das betrifft, wird verschwiegen. Offiziell heißt es, man prüfe derzeit verschiedene Möglichkeiten. All zu viele Redakteursjobs dürften allerdings nicht darunter fallen. Ebenfalls gehen muss rund ein Drittel der 240 Zeitungszusteller.

Was geschieht mit den gekündigten Mitarbeitern? 

Der Personalabbau soll nach Verlagsangaben „so sozialverträglich wie möglich“ gestaltet werden. Was genau Aschendorff damit meint, wird nicht erklärt. Einen Sozialplan gibt es zwar nicht, allerdings sei bereits über eine Transfergesellschaft nachgedacht worden. In diesem Fall würden die von der Arbeitslosigkeit bedrohten Mitarbeiter zwar befristet weiterbeschäftigt. Das Ziel ist aber der Übergang in ein neues Beschäftigungsverhältnis. Gespräche über einen Interessensausgleich mit den Mitarbeitern oder mit Gewerkschaften hat es auch noch nicht gegeben.

Wird die Münstersche Zeitung noch Mitarbeiter beschäftigen?

De facto nicht. Die Münstersche Zeitung wird komplett ausgenommen und zukünftig nicht mehr von eigenen Redakteuren produziert. Ab dem 17. November bekommen MZ-Abonnenten im Lokalen die Inhalte der eher konservativen Westfälischen Nachrichten zu lesen. Der Mantelteil wurde bereits in Vergangenheit vom alten Mutter- und Lensing-Blatt Ruhr Nachrichten geliefert. Dies wird auch in weiterhin der Fall sein. MZ steht in Zukunft also für „Münsterscher Zombie„, wie bereits Blogger Thomas Knüwer kritisierte. In der Online-Ausgabe sind die Änderungen in der Nacht auf Dienstag bereits erkennbar geworden. Die Seite ist von Aschendorff relaunched worden.

Weshalb wird die MZ nicht eingestampft?

Gerüchte, dass die Münstersche Zeitung vom Markt genommen wird, dementiert Aschendorff entschieden. Es wäre auch unklug – zumindest jetzt. Aschendorff hat die Zeitung gerade erst von Lensing übernommen. Einstampfen wollte auch er. Dann aber wäre ein Großteil der 20.000 Abonennten mit großer Wahrscheinlichkeit weg gewesen. Für die Westfälischen Nachrichten sind diese aber attraktiv. Durch die Übernahme der MZ-Hülle bleiben diese erst einmal erhalten, gleichzeitig fallen die Personalkosten weg und Aschendorff hat ein weiteres Blatt für die Vermarktung.

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Was bedeutet dies für den münsterländischen Zeitungsmarkt?

Zum Einen hat das Kartellamt mit der Übernahme durch Aschendorff eine Monopolstellung im münsterländischen Zeitungsmarkt genehmigt. Denn außer Aschendorff war nennenswert eigentlich nur noch Lensing mit der Münsterschen Zeitung aktiv. Das Bundeskartellamt hatte der Übernahme stattgegeben, weil Lensing mit dem Aus der Zeitung drohte.

Dass Aschendorff aus der MZ einen Zombie macht, ist offenbar das kleinere Übel. Für den nordrhein-westfälischen Zeitungsmarkt ist das allerdings eine Tragödie. Im vergangenen Jahr ereilte die Westfälische Rundschau (WR) ein ähnliches Schicksal. Die Funke Mediengruppe entschied sich ebenfalls dazu, die Redaktion auszuschlachten und sich die Inhalte an anderen Stellen zu holen. Im September dieses Jahres schickten die Essener die WR in die Insolvenz. In diesem Fall, weil das Kartellamt eine Übernahme einiger Lokalausgaben durch das Medienhaus Lensing untersagt hatte.

 

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Alle Kommentare

  1. Als Münsteraner könnte man das jetzt wohl als „Bad News“ verbuchen. Es gibt keine Redaktion in und um Münster die „NICHT“ irgendwie mit dem Hause Aschendorf verwoben wären (Selbst Kleinanzeigenblättchen wie die NADANN, sind dort angesiedelt). In der Nähe gäbe es noch aus dem Kreis Warendorf „Die Glocke“ aber diese Zeitung ist wohl noch mehr im lokalem Parteinensumpf verankert.

    Aber was soll ich draufhauen. Ich habe schließlich selbst auch kein Printabo, mit der Ausnahme der C’T. Und muss mir jetzt selbst meine Meinung und Informationen holen. Mal schauen wie sich die WDR Lokalzeit Münster so macht…

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