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Spiegel Online-Party: Feiern am Rande des Nervenzusammenbruchs

Spiegel Geschäftsführer Ove Saffe (l.), Chefredakteur Wolfgang Büchner
Spiegel Geschäftsführer Ove Saffe (l.), Chefredakteur Wolfgang Büchner

Spiegel Online feiert an diesem Montag den 20. Geburtstag mit einem rauschenden Fest. Im Foyer des Verlagsgebäudes begrüßt eine überdimensionale Disco-Kugel die Gäste. Erwartet werden u.a. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz. Die Fantastischen Vier sind für ein Konzert gebucht. Während vordergründig gute Laune befohlen ist, brodelt es hinter den Kulissen. Im Verlag wird befürchtet, dass es auf der Feier zum Eklat kommen könnte.

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Gerne hätten die Gesellschafter die Führungskrise beim Spiegel noch vor der großen Spiegel Online-Party an diesem Montag gelöst. Fast die gesamte Print-Redaktion hat sich gegen Chefredakteur Wolfgang Büchner und dessen Reformkurs gestellt. Der Graben zwischen Print und Online ist tief wie eh und je. Auch Geschäftsführer Ove Saffe wackelt mittlerweile. Nicht die besten Voraussetzungen für ein harmonisches Betriebsfest XXL.

Im Verlag heißt es, Print-Redakteure hätten sich verabredet, den offiziellen Teil der Spiegel Online Jubiläumsfeier zu stören – etwa bei der Rede des ungeliebten Chefredakteurs Wolfgang Büchner. Die Rede ist von geplanten Buh-Rufen oder einem Trillerpfeifen-Konzert. Ob tatsächlich auf offener Bühne revoltiert wird, bleibt abzuwarten. Es wäre nicht das erste Mal, dass Ankündigungen einer Revolution keine Taten folgen. Die Stimmung im Vorfeld ist jedenfalls gespannt bis gereizt.

Die Partygänger heute abend erwartet jedenfalls eine bizarre Situation. Nach MEEDIA-Infos hat die Mitarbeiter KG als Mehrheitsgesellschafter des Spiegel Verlags Mitte vergangener Woche den Beschluss gefasst, Wolfgang Büchner als Chefredakteur abzuberufen. Geschäftsführer Saffe soll sich aber (noch) dagegen sperren. Sollte Saffe weiter hinter Büchner stehen, könnte das auch ihn den Kopf kosten. Da stehen dann also ein Chefredakteur und ein Geschäftsführer auf Abruf vor versammelter Mannschaft, begrüßen den Bundesfinanziminister und halten Lobreden auf den Erfolg von Spiegel Online und die Marke Spiegel. Obwohl sie vielleicht bald damit gar nichts mehr am Hut haben.

Und eine echte Antwort, wer auf das Tandem Büchner/Saffe folgen könnte, ist weit und breit nicht zu sehen. Giovanni di Lorenzo, Zeit-Chefredakteur, und Lieblingskandidat des Spiegel-Gesellschafters Gruner + Jahr für den Posten des Chefredakteurs, gab dem Nachrichtenmagazin einen Korb. Angeblich nach einem Gespräch mit Spiegel-Erbe Jakob Augstein. Dass es mit Giovanni nicht klappt, schieben die Mitarbeiter KG und G+J nun Augstein in die Schuhe – eine etwas schräge Lesart der Ereignisse. Aber die Nerven liegen nun mal blank.

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Als “Notlösung” stünde, wie vielfach außer- und innerhalb des Spiegel kolportiert wird, der aktuelle Vize Klaus Brinkbäumer bereit, vielleicht auch erst einmal “interimistisch”. Vergangene Woche gab es eine Besprechung zur Umstellung des Spiegel Erstverkaufstags von Montag auf Samstag, die schon von Brinkbäumer geleitet worden sein soll. Büchner hatte zwar eingeladen, saß laut mehreren Teilnehmern aber nur dabei. Die ebenfalls vielfach kolportierte Idee, dass Büchner als “Change Manager” fürs Digitale an Bord bleiben könnte, wirkt auch auf den zweiten Blick hirnrissig – aber mittlerweile weiß man ja nie … Ist der ungeliebte Chef erst einmal in die Wüste geschickt, droht die große Leere. Davor haben alle Angst, darum zieht sich der Prozess wohl auch so endlos quälend hin.

Und so umweht die Spiegel Online-Party heute Abend mehr als nur ein Hauch Titanic-Stimmung. Das Schiff droht zu sinken, an und unter Deck sind alle heillos zerstritten. Geradezu prophetisch, dass Wolfgang Büchner sein erstes Reform-Konzept für den Spiegel “Projekt Eisberg” getauft hatte. Die Kapelle, die heute Abend den Soundtrack zur Untergangsstimmung liefert, ist die in die Jahre gekommene Deutsch-Rap-Kombo Die Fantastischen Vier. Vielleicht haben die ja eine leicht modifizierte Version eines ihrer alten Hits im Repertoire: “Jetzt ist er weg!”

(swi, cm, ga)

Korrektur: In einer ersten Version des Textes hieß es, dass auch Spiegel-Geschäftsführer Ove Saffe auf der Feier eine Rede halten würde. Dies ist falsch. Neben Wolfgang Büchner reden die Spiegel Online Geschäftsführer Matthias Schmolz und Katharina Borchert. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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Alle Kommentare

  1. Ich frage mich, warum meedia Gerüchte um Trillerpfeifen etc. weitergeben musste, die offensichtlich nur dazu geschaffen wurden, Büchner vor seiner Rede noch mal richtig nervös zu machen. Die Mitarbeiter KG hat außerdem schon vor Wochen beschlossen, Büchner abzulösen, ist aber an G + J gescheitert.
    Warum nicht mal über die Büchner-Unterstützer schreiben, die es nicht nur bei SPON gibt, die aber gerade einen extrem schweren Stand haben? Täte auch mal gut

  2. Es heißt entweder „Spiegel Online“-Party oder Spiegel-Online-Party. Aber nicht Spiegel Online-Party. Danke. Weitermachen.

  3. Also diese Redakteure sind schon ziemlich peinlich. Ich komme zum klatschen, wenn denen aus eigener Dummheit aus betrieblichen Gruenden gekuendigt werden muss…

  4. Kindergarten.

    Wie reagieren eigentlich heute Interview-Partner gegenüber den Spiegel-Journalisten?

  5. Das wäre doch mal was: Eine Schlägerei zwischen den Redakteuren auf der Jubiläumsfeier. Die Medien hätten was zu lachen, aber im SPIEGEL würde kein Wort darüber verloren werden.

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