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Der Erfolgsroman über Hitlers Hund und sein Autor: Warum aus Christian Kämmerling Jonathan Crown wird

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Er ist der "Sirius"-Autor Jonathan Crown: Christian Kämmerling (Foto: Glenn Glasser)

"Der Sensationshund des Literaturherbstes", befand der KulturSpiegel, "ein großer Wurf", urteilte Bild – für den Roman "Sirius" fanden viele Kritiker bisher viele lobende Worte. Der Autor des Romans über Hitlers Foxterrier blieb unbekannt. Jonathan Crown, der Name auf dem Buchcover, ist in der Branche unbekannt. Die Süddeutsche Zeitung schließlich enthüllte in der vergangenen Woche Crowns bürgerlichen Namen: Christian Kämmerling. Der bekannte Journalist (u.a. SZ-Magazin) will sich mit "Sirius" neu erfinden.

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Gleich eine ganze SZ-Seite war am Donnerstag vergangener Woche dem Roman „Sirius“ und seinem Autoren gewidmet. Dessen Foto mehr als ein Drittel der Seite füllte, die Mundpartie verdeckt von einem Dackel, der auf dem Schoß des Autoren sitzt. Das Gesicht von Crown war auch mit dem Camouflage-Dackel unverkennbar dem bekannten Journalisten Christian Kämmerling zuzuordnen. SZ-Autor Hilmar Klute hatte Kämmerling in Berlin besucht und in dem Text auf halber Strecke verraten, dass Kämmerling Crown ist. Oder umgekehrt.

Wer ist Kämmerling? Der 61-Jährige war bis zum Jahr 2000 Co-Chefredakteur des SZ-Magazins. Die Redaktion produzierte ein streckenweise fantastisches Blatt, doch dann stellte sich heraus, dass der Autor Tom Kummer Interviews mit Hollywood-Stars frei erfunden hatte. Kämmerling ging und entwickelte verschiedene Magazine, u.a. für die Verlagsgruppe Handelsblatt, die FAZ und für den Red Bull-Konzern.

Es ist also nicht untertrieben, wenn man schreibt: Kämmerling kennt den Print-Journalismus. Sehr gut. In den vergangenen Jahren hatte er sich allerdings rar gemacht. Selbst enge Freunde, sagt er nach der Veröffentlichung in der SZ, hätten nicht gewusst, dass er an einem Roman schreibt. Das Buch, dass Kiepenheuer & Witsch verlegt hat, verkauft sich gut, erscheint demnächst auch auf Englisch. Der Terrier Sirius, der eigentlich Levy heißt, wächst in einer jüdischen Familie auf, flüchtet mit ihr in die USA, wird dort ein gefeierter Filmhund und landet schließlich über Umwege im Zirkus Barnum im Schoß von Adolf Hitler.

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Ein Spiel mit realer Geschichte und erfundenem Plot. Ein „Feuerwerk der Phantasie“, schrieb Blurb-gerecht ein Kritiker. Sehr heiter, sehr ernst zugleich. Aber warum dann das Pseudonym, Herr Kämmerling? Seinem offiziellen Enthüller Hilmar Klute vetraute Kämmerling an, Jonathan Crown sei kein Pseudonym: „Ich werde das. Ich werde Jonathan Crown, der Name Kämmerling wird zurückweichen. Ich fühle mich als Crown.“

Drei Jahre hat Kämmerling in New York gelebt, die Lust kreativer Amerikaner, sich selbst neu zu erfinden, sei ihm sehr nahe, sagt er am Telefon. Darum wird es den Journalisten Kämmerling wohl auch nicht mehr geben. Über die Medienbranche lese er manchmal noch, ein Interview über den Medienbetrieb dagegen fände er zumindest jetzt nicht passend. Er würde es schließlich als Kämmerling, der Journalist, geben. Und nicht als Crown, der Buchautor. Man darf spekulieren, dass Kämmerling, der Journalist, nicht nur heitere Anekdoten über die Medienbranche zu erzählen hätte. Aber jetzt ist Kämmerling ja Crown.

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