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Samsung bricht ein: Gewinne mehr als halbiert

Samsung CEO Lee Kun Hee verkauft Unternehmensanteile, um liquide Mittel locker zu machen
Samsung CEO Lee Kun Hee verkauft Unternehmensanteile, um liquide Mittel locker zu machen

Harte Landung in der neuen Wirklichkeit: Im abgelaufenen dritten Quartal, in dem Apples neue iPhones in den Handel kamen, kollabierten die Geschäfte des weltgrößten Smartphone-Herstellers komplett. Die Profite von Samsungs Mobilsparte erodierten um unfassbare 73 Prozent, während sich die Gesamtgewinne dank des anziehenden Speicherchip-Geschäfts "nur" halbierten.

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Es war abzusehen: Seit knapp einem Jahr läuft es nicht mehr so rund bei Samsung – der Techpionier berief seine Führungskräfte selbst kurz vor dem Jahreswechsel zu einem Krisengipfel. Doch was dann über den wertvollsten Konzerns Koreas in den kommenden zehn Monaten hereinbrechen sollte, kann man getrost als ein Worstcase-Szenario bezeichnen.

Konzernpatriach Lee Kun-hee erlitt im Mai einen schweren Herzinfarkt und lag zwei Wochen im Koma – die Genesung erfolgt nur mühsam, Anfang Oktober war Kun-hee immer noch im Krankenhaus. Ohne den Konzernlenker wirkt der 76 Jahre Techpionier richtungslos: Dabei befindet sich Smartphone-Weltmarktführer Samsung seit Jahresbeginn doppelt unter Druck.

Xiaomi und iPhone 6-Einführung belasten Samsung

Auf der einen Seite attackiert der wiedererstarkte US-Rivale mit seinen hochpreisigen iPhones, auf der anderen Seite kann Samsung auf den Heimatmarkt in Fernost nicht mit den weitaus kostgünstigeren Rivalen Xiaomi und Huawei mithalten. Die Folge: Im zweiten Quartal verlor Samsung nach Jahren wieder die Führung in China an den Emporkömmling Xiaomi, der seine Position auch im dritten Quartal bestätigte.

Die nun vorgelegte Geschäftsentwicklung im Dreimonatszeitraum vor den iPhone 6-Einführung wurde für Samsung nach den schwachen Vorquartalen indes zum totalen Fiasko. Nachdem der Smartphone-Champions schon im Juni-Quartal einen Gewinneinbruch von 20 Prozent zu beklagen hatte, kam es jetzt noch dicker – zwischen Juli und September halbierte sich das Konzernergebnis von 8,2 auf 4,2 Billionen Won (4 Milliarden Dollar).

102 Millionen verkaufte Handys bringen nur 1,7 Milliarden Dollar
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Die Smartphone-Sparte, die in der Vergangenheit mehr als zwei Drittel zu den Konzerngewinnen beigesteuert hatte, erlebte einen erdrutschartigen Gewinneinbruch von 73 Prozent von 6,7 Billionen Won auf nur noch 1,75 Billionen Won (1,7  Milliarden Dollar). Gestützt wurde das Konzernergebnis lediglich durch die Gewinnzuwächse in der Speicherchip-Sparte, die 10 Prozent mehr verdiente.

Atemberaubend ist der Aderlass in der einst wichtigsten Konzern-Unit vor allem vor dem Hintergrund, dass Samsung erstmals in einem Quartal mehr als 100 Millionen Smartphones verkaufte. In anderen Worten: Obwohl Samsung nach Marktanteilen wächst, kollabieren die Gewinne so dramatisch, weil sich Käufer immer öfter für Billig-Modelle und nicht für die hochpreisige Galaxy-Serie entscheiden.

Apple erzielt die vierfachen Smartphone-Gewinne von Samsung mit 38 Prozent der verkauften Geräte

Zum Vergleich: Erzrivale Apple hatte vor einer Woche mit einem Nettogewinn von 8,5 Milliarden Dollar die besten Geschäftsergebnisse in einem September-Quartal bekannt gegeben. Treiber der Rekordbilanz: Das iPhone, das sich 39,2 Millionen Mal verkaufte – und das, obwohl Apple seine neuste Modell-Generation iPhone 6 gerade erst acht Tage im Handel hatte.

Noch frappierender: Mit einem geschätzten Anteil von 65 bis 70 Prozent des iPhones am Gesamtgewinn fuhr Apple mit seinem Kultsmartphones etwa den vierfachen Gewinn ein, obwohl der Techpionier aus Cupertino zweieinhalb Mal weniger Smartphones verkauft als Samsung! Wenn ein Zahlenvergleich nötig war, wie sehr sich Apple und Samsung im Smartphone-Markt in entgegengesetzte Richtungen bewegen – die jüngsten Quartalsbilanzen haben ihn geliefert.

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Alle Kommentare

  1. Apple erzielt die vierfachen… das zeigt mal wieder deutlich, wie sehr die Apple-Kunden über den Tisch gezogen werden. Billig in China produzieren, teuer im Westen verkaufen. Das ist weder gut noch seriös, sondern einfach nur Sekte…

    1. Wenn ein Unternehmen Geräte baut und dazu Software schreibt, die alle Bedürfnisse der Kunden nach Benutzerfreundlichkeit und intuitiver Bedienung erfüllen, dann kann man dem Unternehmen nur Respekt zollen. Jeder, der das Geld auf den Tisch legt, um ein solches Gerät aus freiem Willen heraus zu erwerben, weiß genau warum er das tut.

      Jeder Spielzeughersteller kauft in China ein oder lässt dort zu vergleichbaren Gewinnspannen produzieren. Willkommen in der Welt der freien Märkte und des Kapitalismus. Es wird niemand gezwungen ein Apple Gerät zu kaufen. Wir freuen uns aber alle darüber, ein neues auszupacken und benutzen zu können!

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