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„Die Selbstmörder von G+J“ und die „neue Brigitte-Diät“: Stimmen zum Stellenabbau bei Brigitte und Geo

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Mit einer Mischung aus Wut und Empörung kommentieren die meisten Medien die Entlassungen bei Brigitte und Geo. Während via Twitter noch über die "neue Brigitte-Diät" gewitzelt wird, spricht Michael Spreng von den "Selbstmördern von G+J". Für die taz sind die Stellenstreichungen von "allen Sparplänen, die in den letzten Wochen vom Baumwall durchsickerten, der drastischste". Mit viel Sarkasmus twittert Guiseppe Rondinella dagegen: "Chuck Norris ist Textredakteur bei Brigitte".

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In seinem Blog Sprengsatz schreibt Michael Spreng: „Erst kannibalisierten die Verleger ihre Blätter, indem sie die Leser an eine Kostenloskultur im Internet gewöhnten und jetzt fressen sie ihre eigenen Redakteure. Da sind diejenigen, die ’nur‘ in Billig-GmbHs ausgelagert wurden, fast noch gut dran.“ Seiner Einschätzung nach ist es ein „verhängnisvoller Kreislauf“, der da in Gang gesetzt wurde. „Am Ende steht die Abschaffung oder Fast-Abschaffung des einzigen Mehrwerts, den Zeitungen und Zeitschriften noch bieten können – guten Journalismus, geschrieben von Redakteuren und Reportern, die noch Zeit zur Recherche und Formulierung haben“.

In der taz kommentiert Anne Fromm: „Ein ‚House of content‘ möchte Gruner + Jahr sein. Wie wichtig der Verlagsspitze die Leute sind, die diesen ‚Content‘ produzieren, beweist die neueste Nachricht aus dem Haus“. Weiter schreibt sie: „Die Kündigung der TextredakteurInnen wird aus dem ehemals wichtigsten Frauenmagazin weiter ein Werbeblättchen machen“.

Auch die Süddeutsche Zeitung kommentiert in eine ähnliche Richtung: „Der Verlag Gruner + Jahr, der sich in seinem Leitbild ‚Haus der Inhalte‘ nennt, spart am hauseigenen Inhalt“.

Der Journalistinnen-Verband ProQuote ist mächtig auf Zinne: „Wenn das Modell des ‘Von-unten-wegsparen’ Schule macht, werden die Medien noch viel einseitig-männlicher auf die Welt gucken als bisher – ganz davon abgesehen, wer künftig noch gute und tief recherchierte Geschichten schreibt“, kommentiert das Vorstandsmitglied Dorothea Heintze.

DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken wirft dem Management von Gruner + Jahr „soziale Verantwortungslosigkeit in Reinform“ vor: „Mit der Neustrukturierung vernichtet G+J ein weiteres Mal qualifizierte Redaktionsarbeitsplätze. Das steht in krassem Widerspruch zum offiziellen Ziel der Verlagsspitze, Gruner + Jahr zum Haus der Inhalte auszubauen.“

Bei NDR.de erinnert sich Steffen Grimberg an eine alte Titelgeschichte der Frauenzeitung: „‚Entlassungen: Kündigt allen, nur nicht mir!‘ – titelte die Brigitte vor ein paar Jahren. Damals ging es um die Sorgen der Sandwich-Generation zwischen 35 und 50, die sich gerade erst die eigene Existenz aufgebaut hatte und das Eigenheim noch abbezahlen musste. Jetzt könnte Deutschlands bekannteste Frauenzeitschrift den Beitrag noch einmal bringen“.

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