„Der Untergang der deutschen Zeitschriftenkultur“ – Thomas Koch über die Entlassungen bei G+J

Thomas Koch (Foto) geißelte im MEEDIA-Interview den Sparkurs bei Brigitte als „Untergang der Zeitschriftenkultur“ – Autor Christopher Lesko hält Kochs Ansichten für wenig differenziert
Thomas Koch (Foto) geißelte im MEEDIA-Interview den Sparkurs bei Brigitte als "Untergang der Zeitschriftenkultur" – Autor Christopher Lesko hält Kochs Ansichten für wenig differenziert

Publishing Gruner + Jahr schafft bei der traditionsreichen Frauenzeitschrift Brigitte alle Textredakteure ab. Bei Geo fallen ebenfalls Stellen weg. Das angekündigte Sparprogramm wird derzeit umgesetzt. Der Mediaplaner Thomas Koch kommentierte die Entlassungen bei Brigitte und die Art und Weise, wie diese kommuniziert wurden, besonders drastisch als das "Ende der deutschen Zeitschriftenkultur". MEEDIA sprach mit einem darüber zornigen Thomas Koch.

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Herr Koch, Sie schreiben im Zusammenhang mit Entlassungen bei Brigitte in einem Tweet vom „Untergang der Zeitschriftenkultur“ – ist das nicht ein wenig hoch gegriffen, könnten Sie das näher erläutern?

Thomas Koch: Als Brigitte vor 60 Jahren gegründet wurde, hatten Menschen eine Vision. Sie gründeten Brigitte als Marke für die Ewigkeit. Bis zur Jahrtausendwende verstand G+J seine Produkte auch noch als Marken. Davon ist heute nicht mehr viel zu sehen. In Gütersloh regieren Controller mit Rotstiften. Das macht nun auch vor G+J nicht halt. Inzwischen sehen die G+J-Manager ihre Objekte eher unter betriebswirtschaftlichen Rendite-Aspekten. So führt man keine Zeitschriften. Jedenfalls nicht mehr in die Ewigkeit. Sondern eher in den Abgrund.

Was sollte eine Zeitschriftenkultur idealerweise ausmachen?

Zeitschriften sind Emotion pur. Man macht Zeitschriften mit Leidenschaft und Herzblut. Als Herausgeber von Clap weiß ich, wovon ich rede. Die Kultur einer Zeitschrift – das was sie von allen anderen unterscheidet – macht die Redaktion. Das können nur engagierte, langjährig angestellte Journalisten, die tagein nachtaus für „ihre“ Brigitte leben. Das können externe, freie Schreiber, die am nächsten Tag für die Für Sie schreiben, definitiv nicht. Traurig genug, dass man den Verlagen das heutzutage wie einem Kleinkind erklären muss.

 Was ist von der Digitalstrategie hiesiger Verlage zu halten?

Hiesige Verlage haben eine Digitalstrategie? Das wäre mir neu. Die meisten versuchen ihr Printprodukt einfach ins Digitale zu übertragen. Das erweist sich als falsch, weil nicht monetarisierbar. Sie müssen digital neue Produkte entwerfen. Auf dem Rücken ihrer starken Marken. Aber schnell, solange sie noch stark sind …

 Was sollen die Verlage denn machen – sie müssen doch angesichts sinkender Auflagen und Anzeigen-Umsätzen sparen, oder?

Nein. Sparen ist die völlig falsche Antwort. Sie müssen investieren und riskieren. Wie das Unternehmer halt so machen. Dass sie es nicht tun, beweist höchstens, dass sie keine Unternehmer sind. Dann haben sie es auch nicht verdient zu überleben. Sie werden von den Kleinen, Mutigen und Schnellen überholt. Die Zukunft gehört so den Bloggern.

Bei Print sinken die Erlöse, Online werden nur die berühmten Lousy Pennies verdient, kann man da verstehen, dass Verlage panisch werden?

Panik war schon immer ein schlechter Ratgeber. Sie verstellt den Blick für neue Visionen. Genau das ist es aber, was G+J und anderen fehlt: Visionen. Es fehlt aber auch das Verständnis, wofür man als Printmedium steht. Für das, was Print im Kommunikations-Mix unentbehrlich macht. Die Verlage haben nun zehn Jahre lang versäumt, ihren Anzeigenkunden das zu vermitteln. Nur deshalb hat die neue Generation von Mediaentscheidern Print abgeschrieben. Weil man mit ihnen nur noch über Konditionen sprach, aber nicht mehr über die einmalige Kraft des Mediums.

Wie beurteilen Sie die Art und Weise, wie diese Sparmaßnahmen  – aktuell im Fall Gruner + Jahr – kommuniziert werden?

Oftmals sind es ja gar nicht die Sparmaßnahmen selbst, sondern die Art und Weise, wie sie kommuniziert werden. Aus der Verlagssprache höre ich eine neuartige, ungeahnte Härte und Kälte. „Mehr Vielfalt und Potential von außen“ ist eine schallende Ohrfeige für die Menschen, die mit Brigitte eine unglaublich erfolgreiche Marke geschaffen haben, der Millionen Frauen vertrauten. Diese Sprache past nicht zu Unternehmen, die emotionale Medien machen. Schon gar nicht zu G+J. Ich meine G+J, wie ich den Verlag noch kannte …

Fallen Ihnen Beispiele von Printmedien ein, die den digitalen Wandel gut meistern?

Springer ist wohl der einzige Großverlag, der derzeit richtig Geld in die Hand nimmt, digital experimentiert und auch bereit ist, Risiken einzugehen. Aber auch WirtschaftsWoche (hier beobachte ich als Kolumnist etwas intimer): Die Erfolge, die sich Roland Tichy ans Revers heften kann, können sich sehen lassen.

 War früher alles besser?

Ja. Und heute ist alles aufregender. Ich hätte gern eine Mischung aus Beidem. Best of both worlds.

Die Fragen an Thomas Koch wurden via E-Mail gestellt.

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Alle Kommentare

  1. Thomas Koch hat schon recht, es ist ein Trauerspiel was aus dem einst so stolzen Verlag G+J geworden ist. Aber es gibt auch einen Großverlag der nicht jammert, kräftig investiert und mit Print weiter gute Geschäfte macht. Der Bauer Verlag. Inzwischen größter Zeitschriften Verlag in Europa, größter Zeitschriften Verlag im Einzelverkauf (!) in den USA, größter Verlag in Australien und Neuseeland, erfolgreichster Verlag in UK etc. Warum? Weil er sich um seine Produkte kümmert und eine Familie das Sagen hat und damit schnell und entschlossen entscheiden kann.

    1. Ist der Bauer-Verlag nicht der, der ständig wegen drastisch überhöhter Arbeitszeit Ärger von den Behörden bekommt? Der extrem mies zahlt und die Redakteure nach ein paar Jahren unabhängig von Leistung durch eine jüngere Rutsche ersetzt? Stimmt, klingt verlockend.

      1. Stimmt! In einer (!)von über 40 Redaktionen gab es diese Probleme. Die Verantwortlichen haben seit Jahren den Verlag verlassen. In 33 Jahren habe ich stets ein ordentliches Gehalt bekommen. Auch meine Tochter – Online Redakteurin – bekommt mit 33 Jahren ein sehr gutes Gehalt.
        Es ging mir aber darum, dass mit ordentlichen Printprodukten immer noch verdammt gutes Geld verdient wird. Offensichtlich pflegt Bauer seine Magazine viel besser als G&J und die Mitarbeiter sind, wie immer, die Dummen.

    2. Ja, lieber Herr Ahrweiler, da bin ich voll auf Ihrer Seite. Und was Thomas Koch sagt, ist voll berechtigt. Herz und Engagement – das ist es was zählt und was beim Leser ankommen muss. Nicht das, was die Rotstift-Controller als guten Rat verkaufen…

  2. „Was sollen die Verlage denn machen – sie müssen doch angesichts sinkender Auflagen und Anzeigen-Umsätzen sparen, oder?“

    Lieber Herr Winterbauer,
    fangen zumindest Sie nicht auch noch an diesen verlogenen Mist unreflektiert zu wiederholen.

    Verlage erzielen zweistellige Renditen!!!
    Es gibt keine andere legale Branche weltweit, die so hohe Renditen erwirtschaftet.

    Den Verlagen geht es also nach wie vor hervorragend.
    Es sind dann eben vielleicht keine 25% Rendite mehr, sondern „nur“ noch 15 – 20%. Na und? Dann muss das Haus auf Sylt oder die Yacht auf Sardinien für den Verleger zukünftig eben etwas kleiner ausfallen.

    Dieses ständige Gejammer und Geheule der Verlage, „wir verdienen kein Geld mehr“ ist heuchlerisch und beschämend.

    Oder kennen Sie vielleicht einen armen Verleger, Herr Winterbauer?
    Ich nicht.
    Außer vielleicht die, die das Geld mit vollen Händen zum Fenster rausgeworfen haben – für verlegerische Hobbys oder einen pompösen Lebensstil.

    1. Da gebe ich Dir absolut recht. Finde es spannend, dass sich hier Freiberufler und Angestellte über die jeweilige bessere Schreibqualität unterhalten, das ist doch völlig egal (bin selbst Freiberufler).
      Man kann die Magazine wirtschaftlicher gestalten und eine Zeitschrift wie die Brigitte, die eine Auflage von ca. verkauften 500.000 Stück hat (auch wenn es vll. 100.000 weniger wären, andere Magazine würden sich über solch eine Auflage freuen), den Mitarbeitern zu kündigen, finde ich nicht gerechtfertigt.
      Wenn Magazine wirtschaftlich keinen Sinn machen, verstehe ich das. Aber auch da muss man sagen, dass die Verlage oft keine Geduld mehr haben, um neue Produkte (digital und print) zu testen.
      Ich habe schon einige Zeitschriften/Magazine kaputt gehen sehen, auch aus verschiedenen Gründen.

      Abschließend möchte ich sagen, bitte ich den Vorstand von GuJ einfach nur ein bisschen Ars… in der Hose und den Leuten nicht erst etwas von „Inhalten“ zu fasseln, eine „neue“ Unternehmensstrategie anzukündigen und dann erst Monate später (zu diesem Zeitpunkt wurde der Standort München zum umziehen bereit gemacht) zu sagen wir müssen Leute entlassen. Das Ganze ist ein hinhalten und man spricht nicht klar darüber was mit dem Unternehmen passieren wird. Natürlich möchte man auch keine Panik aufkommen lassen, aber es kommt nur noch blabla von den Menschen.
      Das ist nicht nur bei GuJ so, sondern mitlerweile überall (also nicht nur Verlage) und nicht nur in der Führungsebene.
      Aber eine Führungebene ist dafür da zu Führen und Verantwortung zu tragen, auch wenn Entscheidung mal nicht so positiv sind.
      Dafür werden sie doch auch angemessen bezahlt oder nicht?

      Mir ist schon klar, das ich selbst nicht in so einer Situation stecke und diese sicherlich kompliziert und schwierig ist. Aber dennoch bitte sagt doch Euren Mitarbeitern wo es wirklich hingehen soll und macht Ihnen nichts vor.

    2. Zweistellige Renditen – ja, das tun sie heute noch. Darin enthalten: zwei wichtige Wörter! Nämlich „heute“ und „noch“. Vereinzelte Titel (noch zwei wichtige Wörter) erwirtschaften heute tatsächlich noch zweistellige Renditen. Geht man aber von einer gleichbleibenden Entwicklung im Anzeigen- und Vertriebsmarkt aus, werden die Renditen innerhalb der kommenden 3 Jahre ins Negative umschlagen! Und was dann? Titel einstellen und alle Mitarbeiter rausschmeißen? Nennen Sie das verantwortliches Handeln des Managements?

      Und schauen Sie sich mal die Renditen eines gesamten Verlagshauses an! Dann sind Sie weit weg von zweistelligen Renditen? Warum? Ja, weil die Verlage investieren! Sie investieren in digitale Produkte, die leider heute noch lange nicht so profitabel sind wie man es gern hätte. und wo kommt das Geld her, welches für die Investitionen verwendet wird? Richtig, aus den Printtiteln! Und was passiert wenn diese auch keinen Profit mehr abwerfen? Dann wird man auch keine weiteren Investitionen tätigen können – daher ist es nun einmal unabdingbar, diese Printtitel nicht nur am Leben zu erhalten sondern auch ihre Profitabilität zu stärken!

      Ach übrigens, lieber Herr Koch: Wie viele fest angestellte Mitarbeiter/ Redakteure hat nochmal ihre Firma? Ach, richtig. Null waren es laut letztem veröffentlichen Abschluss im Bundesanzeiger.

  3. Klar, dass ein Mediaplaner davon träumt, dass die Verlage mehr investieren. Sehr überraschend – fragen Sie doch mal Porsche-Chef, ob die Leute beim Autokauf nicht lieber ein bisschen sparen sollten. Teure Leute für eigene Geschichten braucht aber kaum noch jemad; selbst Meedia geht ja immer mehr dazu über, lieber irgendwelches Twitter-Gestammel abzuschreiben

  4. Herrn Koch kann ich nur Recht geben.
    Was sich manche Verlage unter einem „E-Magazin“ vorstellen, ist geradezu grotesk. Es reicht eben nicht, eine schlechte PDF-Ausgabe des Print-Produkts zum Download anzubieten und damit auf Käufer zum gleichen Preis zu hoffen. Von crossmedialen Inhalten scheinen manche nichts gehört zu haben.
    Ich selbst habe Papier schon lange abgeschafft und beziehe noch einige wenige der vormals als Print gelesenen Produkte als Online-Abo. Was man hier allerdings geboten bekommt, ist absolut unbefriedegend.
    Kein Wunder also, dass Verlage fürchten müssen, von anderen überholt zu werden…

  5. Tut mir leid Herr Koch, aber das was Sie hier schreiben, sind reine Binsen und Geplapper! Natürlich haben Verlage noch keinen Weg gefunden, Digital erfolgreich zu sein. Aber haben Sie eine Lösung? Anscheinend nicht, denn sonst würden Sie nicht hier bzw. in der WiWo schreiben, sondern Ihre Lösungen präsentieren. Wenn man keine eigene Lösung hat, ist es natürlich einfach zu posaunen „Verlage müssen digitaler werden, und zwar schnell“ und „früher war alles besser“. Wenn ich sowas von Ihnen lese, zeugt das nicht gerade für ihren Weitblick und ihre zukunftsorientiere Denkweise.

    Was das Thema Redaktion betrifft: ein Tiefschlag ist das in jedem Fall. Keine Frage. Aber das bereits jetzt schon mit einem sehr großen externen Autorennetzwerk gearbeitet wird (nicht nur bei Brigitte), verschweigen alle. Sind Texte von Externen besser als von Internen? Ich bin mir nicht sicher. Können sich freie Autoren nicht die Brigitte DNA „aneignen“ und danach vlt. sogar für ein anderes Magazin einen ebenso guten Text mit anderer DNA verfassen? Die Kreativität und Flexibilität sollte doch ein Journalist heutzutage an den Tag legen zu können.

    Und das Magazine auf „betriebswirtschaftlichen Rendite-Aspekten“ hin geprüft werden, ist in heutiger Zeit essentiell! Oder meinen Sie, von reinem „ach ist das eine schöne Marke, komm lass Sie uns hegen und pflegen“ wird langfristig ein Erfolg garantiert? Auch hier: ich glaube kaum.

    Der Spruch passt hier ganz gut: Wer nicht mit der Zeit geht, muss mit der Zeit gehen. Ob G+J hier den richtigen Weg einschlägt sei dahin gestellt.

  6. Es genügt eben nicht, wenn Verlagsvorstände auf hippen Digital-Konferenzen wie der DLD digitale Agenden beschwören und Inhalte-Häuser gründen, während auf den operativen Ebenen es noch sehr viel Skepsis, wenn nicht gar Angst gegenüber digitalen Veränderungen gibt. Wie die jüngsten Entlassungen zeigen, nicht ganz zu unrecht. Das Online-Bewusstsein muss sich im gesamten Unternehmen festsetzen, den Menschen müssen Perspektiven gezeigt und Chancen geboten werden. Wenn jedoch immer gleich die Entlassungskeule geschwungen wird, steigt die Angst vor den – vermeintlich – neuen Medien immer weiter.

    Es gibt mit Krautreporter, Laterpay oder Hostwriter schon einige vielversprechende Ansätze, mit Online Journalismus Geld zu verdienen. Natürlich erstmal im ganz kleinen Rahmen, doch auch eine Brigitte wurde sicher nicht über Nacht zum Topseller, sondern musste in mühevoller Arbeit aufgebaut werden.

    Je später die Verlage es schaffen, digitale Produkte zu entwickeln, desto länger dauert es, bis sie online auch endlich Geld verdienen. Und bis dahin werden leider weiterhin Printredaktionen entlassen werden.

  7. Thomas Koch hat Recht und Unrecht zugleich. Na klar sind viele Redaktionen zu teuer, weil sie auch jahrelang overstaffed waren, die teuren Hamburger Edelfedern waren ja berüchtigt. Da zu sparen, warum denn nicht? Nur übertreiben sollten es die Controller nicht. Aber gleichzeitig muss man klar und deutlich sagen, dass im Internet praktisch fast kein Geld verdient wird. Ich kenne – außer dem guten alten Versand- und Adresshandel – kein einziges Feld, in dem übers Internet wirklich nennenswert Geld verdient wird. Daher sind diese Ratschläge zur Digitalisierung im Medienbereich meist ziemlich wohlfeil und verlogen.

  8. Sicher, manche Argumente sind nicht überzeugend. Das mit der notwendigen DNA einer Textredaktion halte ich in diesem Genre für obsolet. Es entscheiden auch nicht völlig dämliche Leute über die Zukunft dieser Verlagsprodukte. Welche Gründe und strategische Überlegungen dazu geführt haben, kann man als Aussenstehender nicht beurteilen. Doch was durchaus berechtigt ist, ist die Kritik und Empörung über die unsägliche Form der Veröffentlichung dieser Entscheidung. Das kann nun jeder Externe beurteilen. Und das ist für ein solches Verlagshaus unwürdig und wirklich bedenklich.

  9. Es ist einfach tragisch. Es geht nur noch um „Effizienz“. Effizienz bedeutet, dass alle Tribute wie Charme, Hingabe, Witz, Intelligenz, Überraschung aber auch Wiederholung, Beständigkeit und Geborgenheit subtrahiert werden. Attribute, die (Marken-)Persönlichkeiten formen, als emotionales Bindemittel dienen und so lange den Erfolg von Produkten, Firmen, Tarifbündnissen etc. gedient haben.
    Porig bleibt das kalte Gerüst der Effizienz.
    Soll daraus Begehrlichkeit – oder im Falle von Gruner und Jahr – eine Leser-Blattbindung entstehen?

  10. Wer ist jetzt Thomas Koch? „Mediaplaner“? Ich glaube, so heißt das kleine Pappding, wo ich meine Termine eintrage. Mal im Ernst, wer ist der Mann?

  11. Es gibt jetzt gerade ein Angebot, wo man jede Menge solcher Zeitschriften für 9,90 Euro im Monat alle digital lesen kann. Wohlgemerkt alle, nicht nur eine. Das ist der reale Weg. So wird zukünftig Geld verdient. Hinzu kommt, daß auch in Arztpraxen und woanders ein Fernseher im Wartezimmer steht, wo der Arzt seine Nebenprodukte zeigt und ntv oder n24 läuft. Dazwischen sind Magazine von Arzneimittelherstellern. Bei massenhaft Angeboten kann man auch nur noch massenhaft günstige Preise machen. Und Journalist kann fast jeder. Sorry welcher der Journalisten heute macht denn noch echte Recherche. Ich meine nicht google sondern hinfahren und fragen etc. Das macht nur noch der Recherchepool. Die anderen schreiben ihre Selfies und drucken Pressemitteilungen ab. Die schiere Masse an Angeboten. Die Zeit wird doch nur gekauft, weil so viele noch Geld dafür haben und sie als Status gilt. Wer liest denn diese gedanklichen Strohballen wirklich? Spiegel.de ist gerade auf dem Weg, nicht mehr neugierig zu machen, t-online.de kann sich vor Kommentaren kaum retten, lebt also echt, und drumherum sind doch immer mehr nur noch Advertorials und subjektive Meinungen. Wie lebt eigentlich ein Blog wie z.B. kwerfeldein.de bei dem laut Herausgeber alles umsonst ist? Da scheint es doch schon Modelle jenseits des Geldes zu geben, die funktionieren. Oder jetzt sehe ich täglich blogwatch.de als Werbung im Fernsehen. Wenn ich da draufgehe fasziniert mich, was da zu sehen ist. Damit verdient man Geld? Dann liegt das Geld doch auf der Strasse.

  12. Wie lange werden Artikel elektronisch gespeichret? Können sie unbeabsichtigt gelöscht werden? Die Artikel wie sie z.B. für GEO geschrieben bzw. gemacht werden (einschließlich Fotos) werden zur „Nachlese“ meist aufgehoben. Sie sind also jederzeit greifbar. Besonders Heute gibt es vielfältige Informationen aus neuen Erkenntnissen der Wissenschaft – wo sind sie schnell und bleibend greifbar? Die elektronische Sammlung ist zwar riesig, aber wie kann man sie wieder herstellen, wenn die Elektronik versagt? Ich halte die Printmedien in der form wie sie jetztnoch vorhanden sind als unumgänglich und erhaltungswürdig!

    1. Das dachte ich auch lange. Aber real habe ich in die alten geos von vor zwei Jahren nie mehr reingeguckt. Das ist so wie in Geschichtsbücher. Bis auf zwei oder drei war es nicht mehr nötig. Es gibt heute ebeb auch immer wieder neues. Beispiel Kameras. Die digicam vom letzten Jahr ist noch zehn Jahre gut aber die neue Kamera ist eben neuer. Die Neuheit ist der neue Zeitgeist. Man braucht heute auch vielfach anderes Wissen, weil die Menschen rein gegenwartsorientierte Infos gerne lesen. Musste ich auch erst begreifen.

      1. So neu ist dieser Zeitgeist auch nicht mehr! Das ist doch schon seit mehreren Jahrzehnten so, dass die Leute nach Neuem gieren. Es wird allerdings immer extremer und der Prozess des „Veraltens“ geht immer schneller vonstatten …

  13. Es ist gut, dass G+J die Textredakteure entlässt, denn dann sind freie Journalisten noch stärker gefragt, die im Allgemeinen sowieso besser schreiben und recherchieren können. Insofern ist das auch eine Art „Digital-Strategie“, denn im Netz ist Qualität entgegen der Ansicht der Holzmedien-Manager eher wichtiger als bei Print.

    Die Print-Abos werden doch nur noch aus alter Gewohnheit hauptsächlich von älteren Semestern gekauft, wer dagegen mal die Meinungsvielfalt im Internet geschnuppert hat, bestellt seine gedruckte Zeitung oder Zeitschrift ab. Dagegen wirken eben die traditionellen Mainstream-Medien „gleich geschaltet“, wie schon Günter Grass richtig erkannt hat. Bei den Printmedien bestätigen sich doch nur Redakteure gegenseitig die „richtige“, „politisch korrekte“ Meinung zu haben, auch wenn die Mehrheit ihrer Leser das anders sieht.

    Im Gegensatz zum Internet lassen sich in gedruckten Medien die abweichenden Lesermeinungen auch problemlos ignorieren, man kann schön einfach ausschließlich für seine Kollegen schreiben. Teilweise wird bei Print-Zeitungen der „ungebildeten“ Leserschaft offen Verachtung entgegengebracht (so nach dem Motto: Noch nicht mal das Binnen-I mit Unterstrich wollen diese Hinterwäldler_Innen in der Zeitung akzeptieren). Eher ruft man nach staatlichen Subventionen, wenn Abos abbestellt werden, als dass man den ideologischen Kurs ändert und Medien macht, welche die Leute auch lesen wollen und die der Lebenswirklichkeit entsprechen.

    Das alles liegt auch an der Einstellungspolitik für Festangestellte. Redakteursstellen kriegen doch nur die, die besonders viel Vitamin B haben, nicht die, die am kompetentesten sind. Bei einer Bewerbung als Redakteur zählt ja alles Mögliche, aber nicht die Kompetenz.

    Wenn ich das schon lese in den Stellenanzeigen: „Ihr Profil: gutes Auftreten, gepflegte Erscheinung, Teamfähigkeit“. Übersetzung: Aussehen wie ein aaglattes Model/Kleiderständer, angepasst sein ohne eigene Meinung, ausgeprägter Herdentrieb. Da bleibe ich lieber freier Journalist, obwohl ich sicher auch mit meiner Qualifkation als Diplom-Journalist (Uni Leipzig) irgendwo eine Festanstellung bekommen würde.

    1. Klar, dass es Ihnen als freier Journalist zusagt, dass die Festangestellten entlassen werden. Dass Freie besser schreiben und recherchieren können, ist definitiv nicht wahr. Und ein Diplom macht noch lange keinen guten Journalisten.

    2. Hallo Herr Müller,
      Ich finde es sehr anmaßend zu sagen Freiberufler wären im allgemeinen besser als Angestellte. Das kann man wohl nicht verallgemeinern. Ist gibt Leute, die Ihren Beruf ernst nehmen und gut machen und andere weniger.

      Qualität ist im überigen im Netz und im Print wichtig.
      Ich gebe Ihnen aber recht, wenn Sie sagen, dass das digitale in der Zukunft mehr gewinnt, aber auch print wird es sicherlich weitergeben und hat seine Berechtigung.

      Wenn man schreibt, dass es gut ist, wenn ein Unternehmen Leute entlässt, finde ich das etwas zu salopp formuliert.
      Bei den Redakteuren, die freigestellt worden sind, gibt bestimmt viele die Familiäre Verantwortung haben. Ich weiß nicht, ob Sie Kinder haben, selbst wenn, ist das Ihre Entscheidung als Freiberufler zu arbeiten.
      Sie können allerdings nicht verlangen, dass sich jeder so entscheidet.

      Davon mal abgesehen, verdienen freiberufliche Journalisten auch immer weniger. Die Preise werden gedrückt und dann ist es doch logisch, dass darunter auch die Qualität leidet.
      Ich selbst habe genügend Texte von Freiberuflern gelesen, die wenig bis hin zu gar nicht recherchiert waren. Damit möchte nur noch einmal aufzeigen, dass es nichts damit zu tun hat, ob man angestellt ist oder als Freiberufler tätig ist.

      Ich bin selber Freiberufler seit vielen Jahren und möchte es auch nicht missen.

  14. Sicher ist es bedauerlich, dass die guten alten Zeiten vorbei sind, in denen Verlage Stellen schafften, statt sie abzubauen. Die Zeiten, als die Hororare noch fett waren. Aber die Zeiten ändern sich. Es gibt auch längst keine Drucker mehr.
    Das Gejammere der alten Männer und Frauen, die diesen Zeiten hinterher trauern, ist lästig.

    Und diese Sätze sind eine Frechheit allen Freien gegenüber:

    „Die Kultur einer Zeitschrift – das was sie von allen anderen unterscheidet – macht die Redaktion. Das können nur engagierte, langjährig angestellte Journalisten, die tagein nachtaus für “ihre” Brigitte leben. Das können externe, freie Schreiber, die am nächsten Tag für die Für Sie schreiben, definitiv nicht.“

    Die Redaktion der Brigitte war bisher außerordentlich gut besetzt. So gut, dass die Mitarbeiter/innen sicher nicht „tagein nachtaus“ schuften mussten. Das werden auch die Verbliebenen nicht tun müssen, wenn sie die Arbeit zielgerichtet organisieren, und zwar mit freien Mitarbeiter/innen, die durchaus in der Lage sind, engagiert den Stil und die „Kultur“ der Brigitte zu assimilieren. So schwer ist das nämlich nicht.
    Und sowieso muss man dafür nicht angestellt sein, schon gar nicht langjährig.

  15. Meine Meinung! Kleine Anmerkung: Auch engagierte, freie Textredakteure können sich sehr wohl mit einem Auftraggeber identifizieren, viel Herzblut für das Blatt empfinden und tolle Texte schreiben. Nur müssten die Konditionen stimmen…..aber leider wird die redaktionelle Arbeit im Allgemeinen wohl nicht mehr wertgeschätzt….

  16. Ich denke, hier wird viel über eine Produkt geredet und geschrieben, das die Beiträger nicht wirklich kennen. Als Mann bin ich seit über 20 Jahren Zweitleser der Brigitte und stelle den Untergang der Zeitschriftenkultur schon länger fest. Die Fantasielosigkeit ist da schon zum Programm geworden und die Annäherung an vergleichbare Produkte im minderen Niveau vollzogen. Unternehmerisch hätte man da längst die Reißleine ziehen müssen. Ich weiß zwar nicht, was mich jetzt erwartet, aber schlechter kann wohl es kaum werden. Die Brigitte hat noch den Vorteil, dass das typische Publikum nicht digital lesen will, sondern das Heft in der linken Hand ebenso braucht wie die analoge Kaffeetasse in der rechten.

  17. Die Befindlichkeit der Leute, die in der Brigitte und ähnlichen bunten Blättern den freien Platz zwischen den Anzeigen vollschrieben, sind mir sowas von egal. Vielleicht merken sie jetzt, wie das ist, mal richtig arbeiten zu müssen, den Arsch hochkriegen zu müssen, oder sich gar regelmäßig im Arbeitsamt melden zu müssen. Vielleicht erkennen sie jetzt die nicht ganz so bunte Realität. Noch schöner & gerechter wäre es, wenn das auch Leuten wie Bittner, Joffe, Kornelius, Nonnenmacher, Frankenberger etc. passieren würde. Leider wird DAS wohl nie eintreten.

  18. Der Untergang fängt da an, wo die reine Profitgier regiert. Das geht bis zu dem Punkt, an dem nicht mehr in Qualität investiert wird. Dann ist das „vor die Wand fahren“ vorprogrammiert. Und das passiert bei G+J jetzt seit einigen Jahren – seit die Controller bestimmen, was eine richtige Strategie ist. Das hat dann mit Markenführung wirklich rein gar nichts mehr zu tun. Ich gebe Thomas Koch vollkommen recht, hier wird der Marke Brigitte, die Luft abgeschnürt. Mag sein, dass es auch mit einigen weniger Redakteuren geht, aber bestimmt nicht mit der Maßgabe, dass man eine Zeitschriftenmarke / DNA „günstig einkaufen“ kann. Allen Digitalisten hier sei aber auch noch mit auf den Weg gegeben, dass es nicht nur die Älteren sind, die noch Gedrucktes lesen wollen – wenn es denn gut gemacht ist. Die Fakten sprechen für sich: Print erzielt mit 98% regelmäßigen Lesern Vollreichweite in der Bevölkerung, 100 Mill verkaufte gedruckte Exemplare (allein aus den IVW-gelisteten Titeln) sagen deutlich, die Deutschen wollen regelmäßig Gedrucktes kaufen und lesen. Die e-Magazine machen bislang immer noch nicht mehr als 2% dieser Auflage aus. Bitte ignoriert nicht weiter die Realitäten der Mediennutzung in Deutschland. Selbst Online-Nutzer lesen durchschnittlich 7 verschiedene Printtitel – ja, gedruckt!

  19. Lieber Herr Koch,

    den Untergang der deutschen Zeitschriftenkultur konnten aufmerksame Beobachter schon seit Ende der 90er erleben.
    Die Tatsache, das Ihnen das erst auffällt, wenn einige Verlage (11!) Redakteure entlassen, zeigt doch eigentlich nur wie hoch der Tellerrand war, über den Sie bisher nicht schauen konnten.
    Und wundert es sie wirklich, das Entlassungen mit Kälte und Härte kommuniziert werden? Haben Sie schon mal jemanden mit ‚Wärme und Liebe‘ gekündigt??

    Sie als Mediaplaner sollten sich aber auch fragen, warum Ihre Branche die zaghaften Versuche der Verlage mit digitalen Produkten Fuss zu fassen, so nachhaltig blockiert hat und z.B. noch immer PI’s als allein selig machende Währung im digitalen Anzeigenumfeld versteht. Insofern sind Sie persönlich vielleicht nicht ganz unschuldig am ‚Untergang‘ Ihrer ach so geliebten Zeitschriftenkultur. Durch diese Brille betrachtet, bekommen ihr Tweet und das Interview geradezu zynische Züge.

    mit freundlichen Grüßen

    Ihre New Economy

  20. Ich würde eine weniger dramatische Wortwahl bevorzugen – aber in der Sache hat Herr Koch recht. Sicher gibt es am Baumwall auch Wildwuchs und einige Leute, die zu besseren Zeiten zu überzogenen Konditionen eingestellt wurden.

    Textredakteure gehören in der Regel aber nicht dazu. Und daß schreibende Redakteure Leser ans Blatt binden, weiß man in Gütersloh wohl auch nicht.

    Diese Unfähigkeit, den Wert der Mitarbeiter und der von ihnen geprägten Marken zu erkennen, kann man bei der Stuttgarter Gruner-Tochter, der Motorpresse, schon seit bald 20 Jahren beobachten. Jetzt kommen die Einschläge halt näher…

    In einem Punkt muß ich Herrn Koch allerdings vehement widersprechen: Springer ist sicher kein Beispiel für eine gelungene Digitalstrategie – der Verkauf fast aller Titel gleicht wohl doch eher dem Selbstmord aus Angst vor dem Tod. Döpfner hat keine „Digitalstrategie“ – er hat die Kernkompetenzen des Hauses verscherbelt und versucht’s jetzt mit Pommesbuden.

    Und das maßgeblich von diesem Hause ausgehende, unsägliche Geeiere ums Leistungsschutzrecht ist nur peinlich.

  21. Ihr Kommentar, Herr Koch, entspricht einer ersten schnellen Reaktion. Jeder denkt: Mein Gott, Zeitschriften ohne schreibende Redakteure, nur noch „Kuratoren“ … was für ein Wahnsinn.
    Auf den zweiten Blick meldet sich aber die Frage: Moment, was ist da die Strategie? So viel billiger scheint es gar nicht zu sein, wenn man auf festangestellte Schreiber verzichtet. Netto werden 6 Positionen gespart, aber 12 Positionen verloren, die auch „Content“ produziert haben. Ob das überhaupt eine große Ersparnis bringt? Es bringt aber sicherlich, was in der Ankündigung so modisch ausgedrückt wird: Flexibilität.
    Ich würde es eher Variabilität nennen. Es ist ja durchaus denkbar, dass Zeitschriften sich zu „Publishern“ analog zu Buchverlagen entwickeln. Und welcher Buchverlag hat festangestellte Romanschreiber?! Das Produktionsmodell ist dann ein ganz anderes und es ist durchaus denkbar, dass Zeitschriften so spannender und abwechslungsreicher werden, wenn sie ihr Kerngeschäft darin sehen, die jeweils besten Arbeiten Freier Jornalisten zu publizieren. Bedeutet das nicht auch: Weniger Erstarren in Routine?
    Sie schreiben: „Genau das ist es aber, was G+J und anderen fehlt: Visionen.“ Vielleicht sind Sie nur zu sehr im Gestern befangen, um die Vision erkennen zu können?
    Ich könnte mir vorstellen, dass das neue Porduktionsmodell bessere Ergebnisse bringt als das Alte – aber es kommt natürlich darauf an, was das „Kompetenzteam“ daraus macht. Insfoern haben Sie Recht: Herzblut muss strömen in den Adern, sonst sterben die G+J Titel. Nicht wegen des Internets, sondern an Langeweile.

  22. Ich dachte, da schreiben nur noch Praktikanten.
    Die Macher werden ihr Publikum schon kennen und wissen, welche Qualität sie ihnen zumuten können, müssen oder dürfen.
    Mahlzeit

  23. Seid froh, dass die Mitarbeiter solange bleiben durften! Hätte der vorherige Vorstand nicht so ein Missmanagement betrieben, hätte man die Redaktionen schon vor Jahren auf eine zeitgemäße Größe angepasst! Bis heute (auch nach den verkündeten Maßnahmen) ist die Brigitte die größte Frauenzeitschriftsredaktion der Republik!

    Und zu der Kommunikation: Es wurde offen und ehrlich angekündigt, dass 400 Leute gehen werden müssen! Jetzt ist das Geheule groß, wenn es die ersten Mitarbeiter trifft. Man hätte seine Mitarbeiter „veräppelt“… Nein, man hat es doch angekündigt. Und nun müssen eben viele Redakteure, die seit Jahren schon keine Artikel mehr veröffentlicht, aber weiterhin schön ihr Festgehalt abkassiert haben, gehen. Vielleicht ist das auch DIE Chance, endlich mal wieder zurück zur Arbeit zu finden – als freier Mitarbeiter! Viel Erfolg!

  24. P. S: Was die wenigsten wissen oder verschweigen (auch die Medienberichterstattung): G + J rekrutiert gerade massiv an der digitalen Front, da werden Profis aus Agenturen und Start-Ups geholt.

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