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„In der Existenz bedroht“ – Spiegel-Betriebsrat schießt massiv gegen Saffe und Büchner

Spiegel Geschäftsführer Ove Saffe (l.) und Chefredakteur Wolfgang Büchner
Spiegel Geschäftsführer Ove Saffe (l.) und Chefredakteur Wolfgang Büchner

Es gibt mal wieder einen Brandbrief aus dem Spiegel-Verlag. Der Betriebsrat des Verlags fordert die Gesellschafter in dem Schreiben dazu auf, die "unhaltbare Situation im Spiegel endlich zu klären". Der Betriebsrat zeichnet ein düsteres Bild und schreibt von massiven Zweifeln am Konzept Spiegel 3.0, das Geschäftsführer Ove Saffe und Chefredakteur Wolfgang Büchner gegen den Willen der Belegschaft durchdrücken wollten. "Der Betriebsrat fürchtet, dass die Dimension des Vorhabens das Potential hat, den Spiegel in seiner Existenz zu bedrohen". Das Schreiben datiert allerdings schon vom 17. Oktober.

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Vor rund zwei Monaten präsentierten Chefredakteur Wolfgang Büchner und Chefredakteur Ove Saffe ihr Konzept Spiegel 3.0, das u.a. eine weitgehende Zusammenlegung der Führung von Spiegel und Spiegel Online vorsieht. Das bedeutet, dass alle Spiegel Ressortleiter ihren Posten zunächst verlieren würden und sich auf die gemeinsamen Print/Online-Ressortleiterposten neu bewerben müssten. Das Vorhaben löste einen Eklat und eine Führungskrise beim Spiegel aus. Zahlreiche Print-Redakteure und alle Print-Ressortleiter sprachen Wolfgang Büchner ihr Misstrauen aus. Briefe wurden hin- und hergeschickt, Gesellschafter tagten, Namen für Nachfolger Büchners als Chefredakteur wurden gehandelt. Zuletzt versuchte Büchner, zwei seiner schärfsten Kritiker aus den Ressortleiter-Reihen, Lothar Gorris und Armin Mahler, über Abfindungen loszuwerden, was die Gemüter der Print-Redaktion noch mehr in Wallung brachte.

Seitdem herrscht effektiv Stillstand im Spiegel-Streit. Nun veröffentlicht die Website zum Springer-Wirtschaftsmagazin Bilanz (das von den beiden früheren Spiegel-Verlag-Journalisten Arno Balzer und Klaus Boldt geleitet wird) einen Brandbrief, diesmal vom Betriebsrat. Das Schreiben stammt bereits vom 17. Oktober und war ein Newsletter, der vom Betriebsrat des Spiegel-Verlags verschickt wurde. Der Betriebsrat kritisiert darin, dass Geschäftsführung und Chefredaktion gegen den Widerstand der Print-Redaktion mit der Umsetzung des umstrittenen Spiegel 3.0 Konzept beginnen, ohne dafür grünes Licht von den Gesellschaftern zu haben: „Viele Mitarbeiter müssen sich bereits mit 3.0 befassen, Arbeitszeit wird gebunden und teures Personal wurde bereits eingekauft für ein Vorhaben, dessen Umsetzung fraglich erscheint. (Eine inhaltliche Planung für die Umstellung des Verkaufstags auf Samstag blieb dagegen aus.)“

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Auch die derzeit laufende Etatplanung des Spiegel beruhe einzig auf dem Spiegel 3.0. Konzept Eine Alternativplanung, die den Vorschlag der Print-Ressortleiter berücksichtigt, die Print- und Online-Redaktion behutsam näher zueinander zu führen, sei nicht vorgesehen. Der Betriebsrat moniert weiter, dass ein Fragenkatalog zu Spiegel 3.0 von der Geschäftsführung nur oberflächlich und lückenhaft beantwortet worden sei. Auch hätten sich arbeitsrechtliche Bedenken bestätigt: „Unser Anwalt hat in einem Gutachten festgestellt, dass die Befristungsklausel in den Ressortleiterverträgen unwirksam ist. Der Plan der Geschäftsführung, die Ressortleiterstellen einfach neu auszuschreiben, ist deshalb nicht nur unanständig gegenüber den bisherigen Stelleninhabern. Er kann auch aus rechtlichen Gründen nicht, oder jedenfalls nur mit immensen Kosten, umgesetzt werden. Dass Herr Büchner sein Konzept inzwischen so weit überarbeitet hat, dass die Zahl der künftigen Ressortleiterstellen einfach aufgebläht werden soll, kann aus unserer Sicht keine Lösung im Sinne des Spiegel sein.“

Laut dem Brief vermutet die Geschäftsführung, dass für die Umsetzung von Spiegel 3.0 drei bis zehn Mio. Euro investiert werden müssten. Überprüfbar sei dies aber nicht. Da dem Betriebsrat wichtige Informationen fehlten, sei auch noch nicht zu einer Betriebsversammlung geladen worden. Man hoffe, dass dies im November klappt.

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