Geo auf dem Weg zur „Netzwerk-Redaktion“: Kündigung für 14 Mitarbeiter

Geo-Verantwortliche: Publisher Alexander Schwerin, Geo-Chefredakteur Christoph Kucklick, Geo Saison / Special-Chefredakteur Lars Nielsen (v.li.): von der Voll- zur Netzwerkredaktion
Geo-Verantwortliche: Publisher Alexander Schwerin, Geo-Chefredakteur Christoph Kucklick, Geo Saison / Special-Chefredakteur Lars Nielsen (v.li.): von der Voll- zur Netzwerkredaktion

Publishing Schrumpf-Kur bei Gruners grüner Gruppe: Im Rahmen des konzernweiten „Effizienz-Programms“ werden Geo, Geo Saison und Geo Special Anfang kommenden Jahres insgesamt 14 Mitarbeitern kündigen. Dies teilten die Verantwortlichen den Betroffenen am Mittwoch mit. Der Stellenabbau beim Mutterblatt Geo geht einher mit einer Neustrukturierung der Arbeitsabläufe: An die Stelle der bisherigen Vollredaktion soll eine „Netzwerkredaktion“ treten, die eine flexiblere Gestaltung der Titel ermöglichen soll.

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Vor zwei Monaten hatte der G+J-Vorstand angekündigt, dass innerhalb von drei Jahren im Gesamtunternehmen 400 Arbeitsplätze gestrichen werden, um die Zukunftsfähigkeit des Hauses zu sichern. Die Maßnahmen bei Geo kommen vor diesem Hintergrund nicht überraschend. Wie es heißt, fallen beim Hauptheft insgesamt sechs Stellen weg, bei Geo Special sowie Geo Saison weitere acht. Die Redaktionen der beiden Reisetitel sollen zu einer zentralen Einheit verschmolzen werden. Bei den anderen Magazinen der Gruppe (Geo Epoche / Wissen) sowie beim Kinderheft Geolino wird es dagegen keinen Stellenabbau geben.

Aus dem Umfeld der Verlagsleitung um Publisher Alexander Schwerin wird darauf verwiesen, dass die Kürzungen nicht nach dem „Rasenmäher-Prinzip“ erfolgten, sondern Teil von Optimierungsprozessen seien, die in enger Abstimmung mit den jeweiligen Chefredakteuren entwickelt worden wären. Ziel sei es, die Arbeitsweisen den künftigen Erfordernissen anzupassen. Die Maßnahmenpakete seien daher auch unterschiedlich und auf die besonderen Bedingungen der einzelnen Marken abgestimmt; dass sie zeitgleich erfolgen, heiße nicht, dass sie nach einem Muster gestrickt seien.

Beim „grünen GEO“, wie der 1976 erstmals unter Gründungs-Chefredakteur Rolf Gillhausen erschienene Ursprungstitel verlagsintern genannt wird, werden die Bereiche Bildtechnik, Titelgrafik, Infografik und Kartografie komplett geschlossen und ab 2015 von freien Anbietern versorgt. Damit passt sich GEO der Struktur an, die bei GEO Wissen sowie GEO Epoche bereits Standard ist. In der Textredaktion wird zudem zwei Mitarbeitern gekündigt. Die Umstrukturierung trägt hier die Handschrift des neuen Chefredakteurs Christoph Kucklick, der am 1. Juli 2014 auf den 20 Jahre amtierenden Peter-Matthias Gaede gefolgt war.

Bei Geo Saison und Geo Special – neuer gemeinsamer Chefredakteur hier: Lars Nielsen – geht der Verlag einen anderen Weg, in dem die Redaktionen fusionieren und Synergien realisieren sollen. Deshalb sind dort alle Bereiche von Streichungen betroffen: In der Art Direktion fällt über beide Titel eine Stelle weg, ebenso in der Schlussredaktion / -grafik, die Dokumentation muss mit zwei Mitarbeitern weniger auskommen, das Gleiche gilt für Textredaktion und Bildredaktion. Durch die Planung beider Hefte aus einer Hand soll vermieden werden, dass sich die Titel aneinander vorbei publizieren oder sich beim Verhandeln mit Externen gar gegenseitig Konkurrenz machen.

Hintergrund der Spar-Pakete: Geo Saison hält sich in den vergangenen Jahren zwar relativ stabil, ist von den Hochzeiten im Verkauf allerdings deutlich entfernt. Bis vor zehn Jahren lag die verkaufte Auflage fast immer bei über 140.000, inzwischen noch bei 84.674. Im Vergleich zum Vorjahr ging es aber nur um vergleichsweise geringe 2,3% nach unten, die Zahl der Abos wuchs sogar leicht um 1,2%. Die Auflagenkurve des monothematischen Geo Special gleicht einer Zickzack-Kurve. Je nachdem, ob ein Reiseziel die Menschen mehr oder weniger interessiert, steigt oder sinkt auch die Verkaufszahl. Geo Special verkauft sich aber wesentlich schlechter als einst: 41.729 mal im dritten Quartal 2014, bis 2004 waren es immer mehr als 100.000 Exemplare.

Und auch vor dem Klassiker Geo macht die Auflagenkrise der Print-Branche nicht Halt. Insbesondere die Abonnenten-Kartei hat sich in den vergangenen Jahren rapide ausgedünnt. Seit 2008 hat das Magazin mehr als 100.000 Abonnenten verloren. Inzwischen sind es nur noch 179.830, in den besten Zeiten Ende der 1980er Jahre waren es zum Teil über 450.000. Der Gesamtverkauf lag im dritten Quartal bei 259.924, darunter neben den 179.830 Abos ein Einzelverkauf von 35.365 und 40.290 Lesezirkel-Exemplare. Im Vergleich zum Vorjahr verlor Geo 6,3%.

Vor diesem Hintergrund, verlautet es aus G+J-Kreisen, seien Optimierungsmaßnahmen auf der Kostenseite unabdingbar, um die langfristige Handlungsfähigkeit der Magazine zu erhalten. Einen Sozialplan, der bei den Entlassungen greift, gibt es bislang nicht. Dieser soll in den nächsten Wochen mit dem Betriebsrat ausgehandelt werden. Anfang 2015, so ist zu hören, würden dann die Kündigungen ausgesprochen, unter Wahrung „der guten Sitten“ des Verlagshauses.

 

 

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Alle Kommentare

  1. Schöne neue Arbeitswelt. „Freie“ Mitarbeiter muss man schließlich nicht zahlen, wenn sie krank sind, Urlaub können sie sich eh nicht leisten, und viele wohl auch keine Rentenbeiträge oder Familie.
    Aber wenn ich aus Protest mein Abo kündige wird es nur noch schlimmer, oder? Da könnten ja mehr Leute drauf kommen…

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