Anzeige

Darf man darüber lachen? Strafanzeige gegen Dieter Nuhr wegen Islam-Satire

Erhat-Toka-Dieter-Nuhr.jpg

Dieter Nuhr soll ein Hassprediger sein? Wenn es nach Erhat Toka geht, ist er das. Der Muslim hat Strafanzeige gegen den Comedian wegen religiöser Beleidigung gestellt. Angeblich betreibe Nuhr in seinem Kabarett-Programm Hetze gegen den Islam. MEEDIA gibt einen Überblick über die Debatte.

Anzeige
Anzeige

Wie weit darf Satire gehen? Ab welchem Punkt ist Kritik am Islam islamophob? Mit diesen Fragen beziehungsweise Anschuldigungen sieht sich der Kabarettist und Comedien Dieter Nuhr aktuell konfrontiert. Erhat Toka, ein in Osnabrück lebender Muslim, erstattete Anzeige wegen Beschimpfung von Bekenntnissen und Religionsgesellschaften und demonstrierte am vergangenen Samstag während eines Auftritts von Nuhr vor der Veranstaltungshalle gegen ihn. „Nu(hr) Lügen“ war dabei sein Schlachtruf.

„Blöde, dumme Hetze gegen Minderheiten“

Gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ) erklärte Toka, er habe nichts dagegen, wenn sich jemand über den Islam lustig macht. Doch Dieter Nuhr würde „unter dem Deckmantel der Satire eine blöde, dumme Hetze gegen Minderheiten betreiben“, er verbreite Lügen und sei ein Hassprediger. Als besonders verletzend habe Toka Sätze des Kabarettisten empfunden wie „Im Islam ist die Frau zwar frei, aber in erster Linie frei davon, alles entscheiden zu müssen“ oder „Der Islam ist ausschließlich dann tolerant, wenn er keine Macht hat. Und da müssen wir unbedingt für sorgen, dass das so bleibt“.

Nicht nur Toka kritisiert die Aussagen von Dieter Nuhr. Im Gespräch mit der Welt sagt Migrationswissenschaftler Klaus. J. Bade: „Da verwechselt einer den Islam mit dem Islamischen Staat. Pauschale Diffamierungen anstelle von Differenzierungen schaffen nur neue Schreckensbilder.“

Die Klage von Erhat Toka wirft die generelle Frage auf, was Satire darf – und wo ihre Grenzen sind. Dieter Nuhr betont die Wichtigkeit der Meinungsfreiheit. „Ich habe kein Verständnis dafür, dass die bei uns lange erkämpfte Meinungsfreiheit nicht mehr ernst genommen wird, wenn sich Islamisten dagegenstemmen“, sagt er in einem Interview mit der Welt am Sonntag. Und er geht noch einen Schritt weiter, kündigt an, er werde nicht aufhören, vor den Gefahren des radikalen Islam warnen. Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen werde er jetzt nicht „den Schwanz einziehen.“ Es dürfe nicht vergessen werden: „Die Salafisten sind es, die den Mördern und Folteren nahe stehen, aus ihren Reihen stammen die meisten der Dschihadisten, die von Deutschland aus in den Nahen Osten reisen.“

Konflikt mit der Neuen Osnabrücker Zeitung

Der Streit um die Nuhr-Zitate wirft nicht nur die Frage nach den Grenzen der Satire auf, sondern auch die nach der Rolle der Medien in einer solchen Debatte. Die NOZ ist am vergangenen Freitag mit einer inhaltlich einseitigen Berichterstattung vorgeprescht – und hat so erst recht Öl ins Feuer gegossen.Die Zeitung veröffentlichte einen großen Beitrag über die Anzeige des Muslims und verzichtete dabei vollkommen auf eine Stellungnahme von Dieter Nuhr. Nuhr habe zwar zugesichert, in der kommenden Woche für ein Interview zur Verfügung zu stehen, die Zeitung wollte jedoch offensichtlich nicht so lange warten und ließ die schwerwiegenden Vorwürfe von Tuka unwidersprochen stehen. Auf seiner Facebook-Seite äußert sich Nuhr, ihm sei die geplante „Islamistendemo“ während seines Auftrittes bekannt gewesen und deshalb habe er das Gespräch mit der NOZ bewusst auf einen späteren Zeitpunkt gelegt, um nicht im Vorfeld Werbung für die Demonstration zu machen. Er klagt an:“Neue Osnabrücker Zeitung holt ausschließlich Meinung bei den Islamisten ein und zeigt sich verständnisvoll. Die Frage ist: Braucht ein Land, das solche Zeitungen hat, überhaupt noch Islamisten?“

Anzeige

Im Gespräch mit der FAZ zieht Dieter Nuhr das Fazit: „Die Anzeige bezieht sich auf ein uraltes Video, das illegal im Netz stand. Da erstattet ein Provinzradikaler Anzeige, und die Medien springen sofort drauf an. Die Taktik der Salafisten ist ja, Muslime und Nichtmuslime gegeneinander aufzubringen. Da können sie sich auf unsere Presse immer verlassen. Ich treibe keine Hetze gegen den Islam, ich mache mich lustig über Radikale und Attentäter.“

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Darf man dann das Christentum auch kritisieren:
    Wer war der Erfinder der Kreuzzüge, mmmh lass mal überlegen …….. habt ihrs, sehr schön:)
    Wer hat eure Kinder in den Kirchen und anderen kirchlichen Organisation misshandelt und das zu hunderttausend Fach über Jahrhunderte lang………
    Der Papst verbietet kondome, das ist auch gut so, da könnt ihr euren Papst mal fragen wie es sich lebt mit AIDS und als 13,14,15 jährige junge Mutter
    Ach ja ihr wollt mir über meine Religion was erzählen und meine Religion kritisieren aber selber keine Ahnung von der eigenen Religion haben.
    Und jetzt schnell mal auf wikipedia nach lesen was das Christentum ist, um diesen Moslem mal zu zeigen was das Christentum ist, ihr meisten von euch habt kein glauben ………. und das finde ich persönlich schade

  2. Generell finde ich es nicht in Ordnung das man sich über Religionen oder an das was Menschen glauben lustig macht.
    Doch manchmal, kann Satire auch ein Spiegel sein, der vorgehalten wird, um zum Nachdenken anzuregen oder aufzufordern.

    Ist der Islam wirklich eine Minderheit?

    Wie oft wird in den Medien angezeigt, dass man sich über den Islam lustig macht. Aber das z.Bsp. tausende von Christen durch islamisten, gefoltert und getötet werden, wird nicht pupliziert. Warum eigentlich nicht?

    Es gibt zwei Gesichter des Islam.
    Die ersten Worte „Muhameds“ in Mekka. Lebt in Frieden mit den Mitmenschen. (da war der Islam noch eine starke Minderheit)

    Seine zweiten Worte in Medina. Krieg und Vernichtung allen Feinden des Islams! Mit den zweiten wurden die ersten Worte, komplett abgelöst.
    In den Suern wird beschrieben, wer die Feinde sind.
    „Alle nicht moslime“
    Muhamed war ein Krieger und hat sinnlos alle Menschen, die nicht seiner Ideologie folgen wollten, abgeschlachtet.

    Hier sollte man mal ansetzen und den Freunden in unserem Land ( das meine ich wirklich! ) die Frage stellen: „was predigt der Islam? ist es das was Du glauben und praktizieren möchtest?“

  3. Im Literaturwissenschaftsseminar traf man schon mal auf so einen Text: Auerbach, Theorie über Tragödie und Komödie. Eine Satire ist da genau definiert, der Gegenstand, als Protagonist usw so Auerbach höchst intellektuell, bräuche eine gewisse Fallhöhe! Was soll das sein? Herausheben aus dem Allgemeinen, die Pauschalisierung muß das Wesentliche treffen, das eine bestimmte Beständigkeit hat, um zu überzeugen! Extra3 Moderator Tobias Schlegel hat zu seiner Zeit beim NDR einen Text veröffentlichen lassen, wo es genau um die Frage ging: was darf die Satire? Anlass waren die braunen Flecken auf der Soutane des Papstes J. Ratzingers in einer Abbildung des Magazins Cicero. Die Meinungsfreiheit ist ein wichtiger demokratischer Bestandteil, doch stellt man bei Dieter Nuhr fest, dass er für sich meint, Religionszugehörigkeit oder Elternhaus als wichtiger Meinungsmacher des Individuums mit den Vorschriften, wie man leben sollte, liesse sich so einfach trennen, bzw. man dürfe das was Menschen ernst nehmen so völlig platt dem Spott aussetzen. Lästerei bringt einfach Ärger, verletzt sensible Gefühle und die Meinungsfreiheit sollte kein Totschläger sein, so dass sich Ansichten, die nicht hoffähig sind, nicht mehr in die Öffentlichkeit trauen. Öffentlich-rechtliche Sender haben einen Bildungsanspruch, der sich an die Allgemeinheit wenden sollte, also an Alle. Die Forderung nach einer gewissen Fähigkeit zur Fallhöhe der Darstellung läßt einen Kunstgrad erahnen, ein bißchen Wahrheit durch Verfremdung, Verzerrung, Übertreibung die ans Licht kommen sollte, das ist nicht beliebig und daher anspruchsvoll.
    Die amerikanische Tradition einer neuen Form des Atheismus Religion extra zu behandeln, aus der öffentlichen Diskussion mit einer scharfen Trennung zu versehen, scheitert oft am Geldgeber, den man nicht sieht und Kulturgüter, Studiengänge usw. finanziert. So wird manche Literaturkritik heute im protestantischen Geist der USA geschrieben, gut gefunden werden da kapitalistische Unternehmensinteressen, relativistische Lebensentwürfe – also Werte aus einem ganz bestimmten Denken, ein linker Autor dagegen wird verrissen, nicht hipp. Ähnlich erfährt der Islam ein unglaubliches Bashing, da die öffentliche Diskussion den Fundamentalismus und die radikalen Inhalte durch die Berichterstattung immer wieder betont und ablehnt. Das Gegenbild eines moderaten Islam fehlt häufig. Das Christentum hat auch fundamentale Inhalte und so tolerant sind die auch nicht, da zum Beispiel die privaten Ansichten über Muslims und Roma eines Kardinals regional in seine Stadtpolitik einfliessen können – der Kardinal darf das! Jeder betont aber gerne, das ihn so eine Kardinalspolitik überhaupt nicht interessiert! Die wenigsten kennen seinen Namen. Das Kabarett siedelt sich zwischen Satire und Meinungsmache an, die Forderung nach Verfremdung und entsprechender Bearbeitung des Gegenstands halte ich für wichtig, um Einseitigkeit zu vermeiden.

  4. Das die NOZ gerne auch mal ihr eigenes süppchen kocht ist ja nicht’s neues. Meinungsfreiheit ist ja Gott sei dank bei uns noch möglich und wird nicht gleich mit dem Tod bestraft. Nicht unterkriegen lassen Dieter Nuhr.

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*