„Banal und narzisstisch“: Bierhoff rechnet mit Selfie-Königen in der Nationalelf ab

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Das musste mal raus: Teammanager Oliver Bierhoff knöpft sich die Generation Selfie von den DFB-Kickern vor: "Mir gehen diese Mitteilungen von Banalitäten und auch Selfies teilweise auf den Keks“, zürnt Bierhoff in der Welt am Sonntag. Ob sich die Facebook-, Twitter- und Instagram-Könige Lukas Podolski, Mesut Özil und Andre Schürrle angesprochen fühlen?

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Ist es der Frust nach dem verunglückten Start in die EM-Qualifikation? Der Weltmeister wackelt plötzlich – und wäre nach heutigem Stand beim nächsten großen Turnier 2016 nur Zuschauer. Zeit also für eine kleine Generalabrechnung, muss sich Teammanager Oliver Bierhoff gedacht haben und knöpfte sich die DFB-Kicker mal gehörig vor – wenn auch offiziell aus anderem Anlass.

In der „Welt am Sonntag“ zog der 46-jährige Ex-Nationalspieler gegen die „Generation Selfie“ vom Leder. „Heute sitzen manchmal sechs Spieler an einem Tisch und jeder ist mit seinem Smartphone beschäftigt. Ganz ehrlich, mir gehen diese Mitteilungen von Banalitäten und auch Selfies teilweise auf den Keks.“

„Warum muss ich der Welt mitteilen, wie gut es mir geht, wie cool alles ist“

Tatsächlich erweist sich Bierhoff als großer Kritiker der sozialen Netzwerke. „Worin besteht mein Nutzen? Ich bin da sehr nüchtern. Lohnt sich der Aufwand, in diesem Bereich aktiv zu sein? Was ist der Preis dafür? Verlust der Privatsphäre“, mahnt Bierhoff im Springer-Blatt an, der selbst keine Facebook-Seite betreibt oder twittert.

Und weiter: „Man sollte sich schon mal fragen, wie frei man sich eigentlich fühlt, wenn man jeden Tag aus seinem Urlaub etwas postet. Ich finde es teilweise narzisstisch. Warum muss ich der Welt mitteilen, wie gut es mir geht, wie cool alles ist. Das hat doch manchmal nichts mehr mit dem normalen Leben zu tun, da werden Traumwelten kreiert.“

Wahre Worte, die jeder intensive Facebook-Nutzer anhand des nur allzu fantastischen Social Media-Lebens seiner virtuellen Freunde nur allzu gut nachvollziehen kann. „Früher waren Bekanntheit und Sympathie diesbezüglich wichtig. Heute zählt eben auch, wie aktiv du im Social-Media-Bereich bist“, erklärt Bierhoff  den Trend, dem vor allem Lukas Podolski, Mesut Özil und Andre Schürrle bei der WM und danach immer nachgeeifert sind.

Bierhoff empfiehlt Social Media-Verzicht

Bierhoff glaubt nicht, dass viele Postings viel helfen. „Ich bin manchmal etwas skeptisch, wie viel von dem, was transportiert wird, wirklich wahrgenommen wird.“ Und: Ich glaube nicht, dass ein Spieler unbeliebter ist, wenn er bei Facebook, Twitter oder Instagram nicht so aktiv ist.“

Tatsächlich empfiehlt der Teammanager der DFB-Elf einen größeren Social Media-Verzicht. „Ich spitze das jetzt mal zu: Der Mensch tickt in vielen Dingen doch immer noch so wie vor 1000 Jahren. (…) Wenn du als Mensch mal zu dir finden willst, brauchst du Ruhe. Und Ruhe hast du schon in den 60er-Jahren nicht gefunden, wenn du das Radio angemacht hast – und die findest du heute ebenso nicht, wenn du ständig auf dein Handy guckst.“ Harte Zeiten für unsere posenden DFB-Selbstdarsteller in Twitter, Instagram oder Facebook.

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Alle Kommentare

  1. Was Bierhoff nicht versteht, ist das eine hohe Aktivität in sozial Netzwerken äußerst wichtig für die Vermarktung von den Spielern ist. Kann mir auch gut vorstellen, dass die Verantwortlichen in den Sportagenturen von ihren Spielern fordern so und so viel pro Woche zu posten.

    Wovon ich natürlich auch nichts halte, ist wenn im Restaurant jeder auf sein Smartphone schaut anstatt sich zu unterhalten.

    1. Ich glaube nicht das es den Spielern da um reine Vermarktung geht. Schliesslich machen auch genug Unprominente jese Menge Selfies. Es geht um Feedback, Aufmerksamkeit, sicher auch Narzismus und vielkeicht manchmal auch die Macht, sich einem großen Publikum ‚ungefiltert‘ mitteilen zu können.

  2. Gut so Oliver! Vermarktung hin oder her – manchmal ist auch Bescheidenheit ein wichtiger Faktor. Allerdings sind die „Jungs“ auch noch ziemlich jung…

  3. Man sollte Herrn Bierhoff sehr wohl zutrauen, dass er das Know-Hnow besitzt um die Zusammenhänge zwischen Sport, Wirtschaft und Medien zu kennen und natürlich weiß er auch, dass die Präsenz in den sozialen Netzwerken der Vermarktung dient.

    Aber ändert das was an der eigentlichen Kritik? Nein. Die Spieler sollten mündig genug sein, um auch mal ein Veto einzulegen und eben nicht den Forderungen nachgehen. Die Spieler hätten genug Macht, um zu sagen: Da mache ich nicht mit.

    Aber machen wir uns nichts vor… Hier geht es um eine Menge Geld und daran wollen die jungen Spieler natürlich partizipieren. Ist doch klar. 10000 Selfies hin oder her.

  4. Vielleicht liegt es einfach daran, dass die Spieler zuviel Zeit haben. Wenn ich nur 2 Stunden am Tag (außer einem Spieltag) arbeiten müsste, würde ich auch eine Nebenbeschäftigung suchen. Mit Sicherheit nicht gerade Selfies von mir machen.

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