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Frischer Wind in Ludwigshafen – der 60. Odenthal-„Tatort“ im MEEDIA-Check

ARD/SWR TATORT, „Blackout“, Fernsehfilm Deutschland 2014
ARD/SWR TATORT, "Blackout", Fernsehfilm Deutschland 2014

Nach den Lobgesängen auf den Tukur-"Tatort" hat es der neue Krimi aus Ludwigshafen sicherlich nicht leicht. Und trotzdem ist dem SWR ein sehenswerter Film zum 25-jährigen "Tatort"-Jubiläum gelungen. Lena Odenthal löst ihren 60. Fall und gerät dabei in eine handfeste Lebenskrise – damit hat Ulrike Folkerts endlich die Chance, ihrer Figur Tiefe zu geben. Außerdem mischt eine neue Kollegin das Ermittler-Duo ordentlich auf.

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Die Story
Die junge Betty (Sinja Dieks) wurde mit K.o.-Tropfen betäubt und irrt durch die nächtlichen Straßen. Spuren von sexuellem Missbrauch oder anderer körperlicher Gewalt sind nicht festzustellen. Am nächsten Morgen wird ein ermordeter Mann gefunden: nackt, misshandelt – und ebenfalls mit K.o.-Tropfen vergiftet. Hängen die beiden Ereignisse zusammen? Der Fall geht Kommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) an die Nieren. Zu alledem fährt ihr Kollege Mario Kopper (Andreas Hoppe) auch noch in den Urlaub und hinterlässt ihr mit der jungen Fallanalytikerin Johann Stern (Lisa Bitter) eine Vertretung, mir der sie nicht weniger harmonisieren könnte.

Die Story hinter der Story
Zum Jubiläum hat Ulrike Folkerts endlich einmal Raum, die Rolle der Lena Odenthal wirklich zu spielen – denn die Kommissarin gerät bei ihrem 60. Fall in eine tiefe Krise. Sie leidet unter chronischer Schlaflosigkeit, steht permanent kurz vor einer Panikattacke und realisiert ihre eigene verzweifelte Angst vor der Einsamkeit. Die Vertiefung der Figur Odenthal tut dem Ludwigshafener „Tatort“ gut. Mit der neuen Kollegin Johanna Stern lässt „Blackout“ außerdem völlig unterschiedliche Lebensentwürfe zweier ebenso unterschiedlicher Frauen aufeinander prallen – was für eine ungewohnte emotionale Spannung sorgt.

Der Satz zum Mitreden
„Samstag ist eh der beste Tag für einen Mord. Da hat mein Mann frei und kann auf die Zwillinge aufpassen“, sagt Johanna Stern zu Lena Odenthal bei ihrem ersten Zusammentreffen am Tatort.

Was taugt das Drehbuch?
Der eine oder andere Zuschauer dürfte im Vorfeld denken: „Nicht schon wieder eine K.o-Tropfen-Geschichte.“ Doch tatsächlich schafft es „Blackout“, dem bekannten Drogen-Vergewaltigungs-Setting einen neuen Dreh zu verpassen. Schließlich wird hier – völlig untypisch – ein Mann mit Drogen vergiftet und vergewaltigt. Die Geschichte ist komplex, der Konflikt zwischen den beiden Kommissarinnen wartet nur darauf, sich weiter zu entwickeln und auch die anderen Figuren – vor allem die der Betty Adam – werden zum Großteil mit einer überraschenden Ambivalenz erzählt.

Pluspunkt
Lisa Bitter aka Johanna Stern. Sie sorgt für einen längst überfälligen frischen Wind im Ludwigshafener „Tatort“ und ist eine Bereicherung für das eingestaubte Duo Odenthal/Kopper. Nach Angaben des SWR wurden schon zwei weitere Filme mit ihr abgedreht. Zum Glück.

Minuspunkt
„Blackout“ wirkt stellenweise leider sehr konstruiert, vor allem die Krise von Lena Odenthal wird häufig überzeichnet. Damit der Zuschauer auch ja versteht, worauf der Film hinaus will, wird ihm hier – wie so oft in der „Tatort“-Reihe – in zahlreichen Szenen noch einmal vorgekaut, was er schon längst weiß.

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Mit diesen Hintergrundinfos können Sie punkten
Anlässlich des Jubiläums hat der SWR wieder ein Online-Spiel entwickelt. Unter tatortplus.de können die Zuschauer zum vierten Mal im Anschluss der Ausstrahlung weiter ermitteln.

Eher peinlich
Die Notärztin, die der Kommissarin mit besorgter Miene überflüssigerweise mitteilt, dass Schlafstörungen häufig psychische Ursachen hätten. Jaja, wir haben es verstanden.

Offene Fragen
1. Warum sind es im deutschen Film immer die reichen Ehemänner, die ihre Frauen notorisch betrügen?
2. War Lena Odenthal vor 25 Jahren eigentlich genau so frisch und motiviert wie Johanna Stern?

Fazit
Den Drehbuchautoren Eva und Volker Zahn und Regisseur Patrick Winczewski ist ein würdiger Jubiläums-Film gelungen, der jeden Krimi-Fan zufrieden stellen wird.

Einschaltsempfehlung auf einer Skala von 1 bis 10
7

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