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Washington Post nimmt Abschied: Watergate-Chefredakteur Ben Bradlee ist tot

Die Welt nimmt Abschied von einer Journalisten-Legende. Wie die Washington Post berichtet, ist ihr ehemaliger Chefredakteur Ben Bradlee im Alter von 93 Jahren gestorben. Bradlee leitete das Traditionsblatt während der Watergate-Affäre um den Präsidentschaftswahlkampf 1972. Insgesamt war der Journalist 26 Jahre Chefredakteur der Post.

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Bradlee ist nach Aussagen der Post in seinem Haus in Washington gestorben. Im vergangenen Jahr gab seine Frau Sally Quinn, die damals selbst Reporterin bei der Washington Post war, bekannt, dass ihr Mann an Demenz leide. Der ehemalige Chefredakteur gilt als Mann hinter den Watergate-Enthüllungen der Reporter Carl Bernstein und Bob Woodward , die den damaligen Präsidenten Richard Nixon 1974 zum Rücktritt gezwungen haben.

Bradlee habe das Blatt damals zu einer der weltweit führenden Zeitungen gemacht, würdigt ihn die Washington Post in einem Nachruf. Auch das Weiße Haus zeigte Anteilnahme. Journalist zu sein, sei für Bradlee „mehr als nur ein Beruf gewesen.“ Er habe den Journalismus als „öffentliches Gut“ begriffen, das wichtig für die Demokratie sei. Unter ihm erzählten Reporter Geschichten, „die erzählt werden mussten“.

Bis heute verbindet die Gesellschaft mit der Washington Post vor allem die Watergate-Affäre, für deren Aufdeckung die Zeitung mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet worden ist. Die Geschichte wurde zudem in einem Roman aufgegriffen und verfilmt. Im Vordergrund der Enthüllungen standen aber immer die beiden Reporter Bernstein und Woodward.

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Sie veröffentlichten gemeinsam mit anderen Mitarbeitern eine gemeinsame Erklärung zum Tod Bradlees. Darin heißt es, dass der Chef auch ein „wahrer Freund“ gewesen sei, dessen oberstes Prinzip „die Suche nach der Wahrheit“ war. Seine Person war aber auch getrieben von Skepsis, erinnert sich Woodward in der Washington Post. Immer habe Bradlee hinterfragt, ob die Geschichten stichhaltig seien. Am meisten hasste Woodward den Satz: „You don’t have it yet, kid.“ Im Fall der Watergate-Enthüllungen ließ der Chefredakteur damals 400 Artikel in nur 28 Monaten schreiben. Watergate, das ist heute geradezu ein Synonym für journalistische Enthüllungen.

Von der Washington Post trennen konnte sich Bradlee nie. Nach seinem Studium in Harvard und seiner Reporterzeit bei der Washington Post und Newsweek, übernahm er 1968 die Führung der Hauptstadt-Zeitung. Bradlee blieb bis 1991 Chefredakteur und blieb dem Blatt auch danach als Vice President at Large erhalten.

Das wurde aus Bernstein und Woodward?

Die Karriere der beiden Reporter Bernstein und Woodward, die von Bradlee damals immer wieder dazu angehalten wurde, die jahrelange Recherche auszubauen, ging auch nach der Watergate-Affäre weiter. Bernstein, dessen Person in der Verfilmung von Dustin Hoffmann gespielt wurde, wurde Buch-Autor, verfasste unter anderem eine Biografie über Johannes carl-bobPaul II. Heute schreibt Bernstein als Kolumnist für die US-Website Huffington Post. Bob Woodward, der damals Kontakt zum Informanten „Deep Throat“ bekam, ist der Washington Post erhalten geblieben. Er arbeitet heute als Mitherausgeber. Nach Watergate veröffentlichte der heute 71-Jährige zahlreiche Bücher.

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