Da waren es nur noch zwei: Spiegel beendet Zusammenarbeit mit Kolumnistin Juli Zeh

„Verräterische Stille“ hieß ihr letzter Kolumnen-Beitrag für den Spiegel. Juli Zeh scheidet still und heimlich aus.
"Verräterische Stille" hieß ihr letzter Kolumnen-Beitrag für den Spiegel. Juli Zeh scheidet still und heimlich aus.

Publishing Noch in der vorvergangenen Woche kündigte der Spiegel für die folgende Ausgabe die Kolumne "Die Klassensprecherin" von Juli Zeh an. Im Wochenwechsel schreiben Zeh sowie Jan Fleischhauer und Jakob Augstein Kolumnen fürs Blatt. Doch im Spiegel Nr. 42 tauchte Juli Zeh dann gar nicht mehr auf. Die Autorin und das Magazin haben sich getrennt.

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Die genauen Gründe für das spontane Ausscheiden aus dem Kolumnisten-Trio sind unklar. Auf Nachfrage von MEEDIA heißt es aus der Spiegel-Chefredaktion, es habe Gespräche mit Frau Zeh über ihre Kolumne Die Klassensprecherin gegeben, „bei denen sich herausgestellt hat, dass beide Seiten unterschiedliche Vorstellungen von der zukünftigen Ausrichtung haben.“

Zeh und Kollegen erscheinen mit ihren Kolumnen seit Mai dieses Jahres im gedruckten Spiegel. Neben den drei Politik-Kolumnisten schuf Chefredakteur Wolfgang Büchner auch im Kultur-Teil Platz für mehr Meinung. Die Einführung fand im Zuge der Meinungsoffensive des Spiegel mit einer überarbeiteten Heftstruktur statt. Nach dem Relaunch führte Büchner auch den Leitartikel ein, um den Spiegel meinungsstärker zu positionieren. Mit den Personalien Fleischhauer und Augstein räumte Büchner Spiegel-Online-Autoren einen Platz im analogen Spiegel ein.

Die Schriftstellerin Juli Zeh, die mit mehreren Literaturpreisen ausgezeichnet wurde, befasste sich in der vergangenen Zeit intensiv mit der NSA-Affäre rund um die Enthüllungen des ehemaligen Geheimdienst-Mitarbeiters Edward Snowden, schrieb aber auch über die Europawahlen. Wie der Name der Kolumne bereits verrät, schrieb Zeh aus Perspektive einer Sprecherin, die eine Klasse vor sich sieht. Regelmäßig begann die 40-Jährige ihre Kolumne mit der Ansprache „Kinder“. Sieben Kolumnen hat sie seit Mai als „Die Klassensprecherin“ geschrieben. Nun ist Schluss.

Chefredaktion sowie Frau Zeh hätten sich bei ihren Gesprächen „einvernehmlich darauf geeinigt, die Zusammenarbeit für die Kolumne zu beenden“. Seitens der Spiegel-Macher freue man sich allerdings, „wenn sie weiterhin für den Spiegel schreibt“.

Der Abgang von Zeh kommt überraschend, war sie doch bereits mit ihrer Kolumne angekündigt. Auf Nachfrage, weshalb diese Verbindlichkeit gegenüber dem Leser nicht mehr erbracht worden ist, und weshalb Zeh die Chance nicht genutzt hat, um sich auch von ihren „Kindern“ schriftlich zu verabschieden, äußerte man sich beim Spiegel zugeknöpft. „Beide Seiten fanden es richtig, die Zusammenarbeit für die Kolumne betreffend zu beenden.“ Was genau vorgefallen ist, bleibt unklar. Juli Zeh hat sich nach mehrfacher Nachfrage bei ihrer Agentur, die für Kontaktanfragen zuständig ist, nicht geäußert.

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Alle Kommentare

  1. Die Kolumnen von Zeh haben doch gezeigt, dass sie als Literatin weit überschätzt wird. Ihr Themenspektrum war sehr eingeengt. Warum soll der Spiegel für langweilige Wiederholungen auch noch zahlen?

  2. Ich hoffe, der neuen „Star-„Kolumnistin der SZ am Wochenende, Carolin Emcke, geht es bald genauso.

  3. Ich möchte darauf wetten, dass der SPIEGEL seine Auflage deutlich steigern könnte, wenn er sich ‚meinungsschwächer‘, aber dafür investigativer positionieren würde (und nein, Snowden-Informationen abschreiben gilt für mich nicht als ‚investigativ‘).

    Wenn es in Zeiten von FB und Titter irgendetwas im Überfluss gibt, dann sind es ‚Meinungen‘.

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