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Zu wenig politisch? „heute show“ darf nicht im Bundestag drehen

Satire muss draußen bleiben: Die „heute show“-Reporter durften nicht in den Bundestag.
Satire muss draußen bleiben: Die "heute show"-Reporter durften nicht in den Bundestag.

Kein Platz für Satire in der Demokratie? Die "heute show" wollte für einen Beitrag im Forum des Bundestages drehen. Doch an der Türschwelle des Gebäudes war für Reporter Ralf Kabelka Schluss. Der Bundestag lehnte eine Akkreditierung ab. Grund: Die "heute show" betreibe keine "politisch-parlamentarische" Berichterstattung.

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Dass diese Absage Folgen hat, war abzusehen: Der Bundestag wollte dem Reporter der „heute show“ für einen Beitrag keinen Zugang zur Lobby der Demokratie-Zentrale gewähren, um dort Abgeordnete zur Debattenkultur in der deutschen Politik zu befragen. Die Empörung der  fand ausgiebig Platz in der Sendung von vergangenem Freitag. Ist im deutschen Bundestag kein Platz für Satire?

Laut „heute show“ sieht der Chef-Sprecher des Bundestages keine „politisch parlamentarische Berichterstattung“, weshalb Reporter Kabelka und sein Team ihre Umfrage vor dem Gebäude durchführen mussten. Dabei beschäftigt sich die „heute show“ häufig durchaus auch politisch mit Bundestags-Debatten. Vor der nun abgelehnten Akkreditierung kam es aber erst einmal dazu, dass die „heute show“ im Bundestag selbst drehte. Ein ZDF-Sprecher: „Die heute show greift regelmäßig auf Bildmaterial aus den Plenardebatten zurück und berichtet somit auch von dort. Bisher hatten wir einmal die Gelegenheit, in der Lobby des Bundestags zu drehen.“ Für das ZDF ist derzeit unklar, ob die Ablehnung von Dauer ist. Auch ist völlig unklar, was unter „politisch-parlamentarische“ Berichterstattung überhaupt zu verstehen ist. Auf eine MEEDIA-Anfrage hat die Pressestelle des Bundestages noch nicht reagiert.

Dieses Mal nahm die Redaktion die Absage mit Humor, machte sie zum Thema in einem Beitrag. Kabelka versuchte, mit Hilfe von Abgeordneten in den Bundestag zu kommen, versuchte Statements zu erhaschen, inwiefern die Pressefreiheit eingeschränkt sei  – allerdings ohne Erfolg. Auch Moderator Oliver Welke zog über die Entscheidung her. Er empörte sich darüber, dass selbst Sender wie das ARD-ZDF-Gemeinschaftsprojekt KiKa im Bundestag drehen dürfen. Gleichzeitig kündigte Welke an: „Dieser Kampf ist noch nicht zu Ende.“ In der Sendung ließ er die beiläufige Bemerkung fallen, dass sich die Pressestelle des Bundestages über „Fanpost“ freue.

Eine Aufforderung, der viele „heute show“-Fans vermutlich folgen werden. Auf der Facebook-Seite posteten einige Fans die E-Mail-Adresse der Pressestelle, forderten andere auf, sich zu beschweren. Die Ablehnung der „heute show“ sei ein Zeichen für den „Untergang der Republik“, eine „Unverschämtheit“ und „Demokratieabbau“.

Auch via Twitter wurde Kritik geäußert.

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Die Berliner Zeitung kommentiert das Verbot für die „heute show“ wie folgt: „Die heute show“ schneidet widersprüchliche Aussagen unvorteilhaft zusammen, holt verdrängte Versprechen aus dem Archiv, zeigt gelangweilte Politiker und sprachliche Entgleisungen“. Zwar gebe es auch Comedy-Elemente in der Show sowie Pointen, wo keine offensichtlich seien. „Überwiegend aber sieht man politischen Journalismus mit dem Mittel der Satire.“

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Alle Kommentare

  1. Also ob da „der politische Journalismus“ im Vordergrund steht, halte ich doch für sehr zweifelhaft. Mit Wohlwollen könnte man die Heute Show wohl als Satire sehen, für viele bleibt es platte Comedy mit vorhersehbaren Schenkelklopfern und ebenso erwartbaren Witzen.
    Es gibt einen Unterschied zwischen ernsthafter satirischer Auseinandersetzung und platter Demagogie.

    Und das ganze mit einem Fußballmoderator, der auf einmal die Gallionsfigur der spätabendlichen Satire sein soll – für mich klappt das nicht.
    Es gibt wirklich genügend gute Satiriker im deutschen Fernsehen. Priol, Barwasser, Pispers, Nuhr, Pufpaff. Da ist mehr dahinter, die Texte besser formuliert, nachhaltiger recherchiert, da ist mehr sprachliche Gewandheit und weniger Gekasper.

    Ich verstehe gar nicht, warum die Heute Show so hochgehoben wird. Aber anscheinend ist es einfach diese Vorhersehbarkeit und ermüdende Kalauerkanonen gut zu finden anstatt etwas tiefgründiger und länger den eben genannten Satirikern zuzuhören.

    1. Es muss auch Satire für „einfache“ Leute geben.

      Sonst könnte man ja auch über den Schlager und seine Texte herziehen!

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