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Neustart, jetzt mit Strategie dahinter: So sieht die deutsche Wired aus

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Neustart für Wired in Deutschland: Nikolaus Röttger (l.), Moritz von Laffert

Für die deutsche Wired geht es in die zweite Runde. Nach einer selbstverordneten Pause kommt das Blatt mit neuer Redaktion und erweitertem Geschäftsmodell. Condé Nasts Deutschlandchef Moritz von Laffert und Chefredakteur Nikolaus Röttger stellten die Markenstrategie am Donnerstag in Berlin vor. Wired solle "der Kompass für eine Welt im digitalen Wandel" werden. Titelgeschichte ist "Die Zukunft des Ich".

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Wired ist eben die Wired. Die Vorhut des digitalen Denkens in Magazinform. Gerne auch „Technik-Bibel“ oder so ähnlich genannt. Start Anfang der 90er in den USA. Gruner+Jahr wollte mal eine deutsche Ausgabe starten, ebenfalls in den 90ern, doch dann gab’s nur die deutsche Variante namens Konr@d. Dann machte sich vor zwei jahren doch der Mutterverlag Condé Nast an eine deutsche Adaption, heuerte Thomas Knüwer an, der nach einer Ausgabe an Alexander von Streit weiterreichte. Die Hefte waren keine Offenbarung, hatten aber alle gute Geschichten und sahen nach Wired aus. Allein der Funke wollte beim Lesen nicht recht überspringen.

Was nun mit dem insgesamt sechsten deutschen Heft geschehen soll, ab sofort erscheint Wired in Deutschland zehn Mal im Jahr. Eine Blattkritik folgt. Was aber jetzt schon klar ist: Erst mit diesem Neustart legt sich der deutsche Tochterverlag von Condé Nast so richtig ins Zeug, um das Magazin zu einem inhaltlichen und wirtschaftlichen Erfolg zu machen. Zuvor kochte man mit kleiner Mannschaft und wenig Budget allerhöchstens auf Sparflamme.

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Dagegen gibt es jetzt: eine stattliche Redaktion von mehr als einem Dutzend Redakteure plus freie Autoren. Eine richtige Werbekampagne (gut, man muss sie nicht mögen). Ein richtiges Geschäftsmodell. Und: Management-Attention im Verlag.

Wie sieht die neue Wired also aus? Im ersten Eindruck: inhaltlich und optisch gut gemacht, absolut als Wired erkennbar (Art Director ist Axel Lauer). An die vermutlich beste Ausgabe, die britische Wired, kommt die deutsche Ausgabe vermutlich nicht heran. „Die Zukunft des Ich“ ist ein gutes, wenn auch nicht rasend originelles Thema. Aber: relevant, als Auftakt setzt ein solcher Schwerpunkt natürlich auch die Agenda, ist eine Art Mission Statement.

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Und so ist wohl auch zu erklären, warum es ein großes Interview ausgerechnet mit Google-Aufsichtsratchef Eric Schmidt gibt. Der Mann ist mächtig, und darum ist er im Heft. Das Interview selbst, bzw. das, was Schmidt sagt (vorhersehbar), ist vermutlich zweitrangig. Andere Geschichten, beispielsweise eine Story von Jacob Vicari über einen Acker in Sachsen, der seltene Erden enthält, versprechen guten Lesestoff.

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Alle Geschichten fließen in eine vor allem für mobile Leser optimierte Onlineseite. Auch online-exklusive Inhalte wird es ab Dienstag, dem offiziellen Neustart von Wired, geben. Allerdings werden nicht alle Geschichten auch gratis zu lesen sein. Und hier kommt das neue Membership-Modell von Wired ins Spiel: Zum Start gibt es für 45 Euro im Jahr zehn Ausgaben, vollen Online-Zugang und „Membership-Vorteile“. Das können zum Beispiel Veranstaltungen sein, zu denen Mitglieder schneller oder günstiger Zugang bekommen.

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Wie sieht neben dem Mitglieder-Modell, das die Leser „in die Wired-Welt mitnehmen will“ (Publisher André Pollmann) das Geschäftsmodell aus? Anzeigen sollen verkauft werden, natürlich. Besonderheit: in der Online-Welt soll es keine klassische Display-Werbung geben. Dafür besondere Anzeigenformate und Native Advertising. Zum Start gibt es allerdings noch keine Native-Kunden, heißt es im Verlag.

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Dann wird es natürlich die obligatorischen Events und Veranstaltungen geben, bei denen der Moderator Ole Tillmann, ehemals „GZSZ“-Schauspieler und „Top of the Pops“-Conferencier, als Berater zur Seite steht. Und eine vierte Säule soll mit Bildungsangeboten aufgebaut werden. Hier kooperiert Condé Nast mit dem schwedischen Anbieter Hyper island, der „Masterkurse“ zu Themen wie Transformation und Veränderung anbietet. Die Chefin von Hyper Island, Johanna Frelin, war am Donnerstag in Berlin, um die erste Kooperation ihres Unternehmens mit einer Medienmarke vorzustellen.

Die neue Wired sei ein Herzensprojekt, sagte Nelly Kennedy, die Digitalchefin von Condé Nast Deutschland, bei der Vorstellung. Genau das war die deutsche Wired bisher nicht.

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Alle Kommentare

  1. Angesichts der bisherigen Grosso-Zahlen ist nicht nur dieser ambitionierte Neustart, sondern überhaupt die Fortführung von Wired völlig unverständlich. Für dieses „Herzensprojekt“ wird offenbar Geld in großem Stil versenkt.

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