TV-Gelder für Fußballclubs: DFL überlegt, Einschaltquoten mit einzuberechnen

DFL-Geschäftsführer Christian Seifert
DFL-Geschäftsführer Christian Seifert

Fernsehen Die Summen aus der TV-Vermarktung sind für die Bundesliga-Clubs eine der wichtigsten Einnahmequellen. Bisher werden sie rein nach dem sportlichen Erfolg verteilt. Doch das könnte sich ändern. Einem Bericht der Sport Bild zufolge überlegt die DFL, u.a. auch die Sky-Zuschauerzahlen der Clubs in die Rechnung einzubeziehen.

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642 Mio. Euro werden in der aktuellen Saison 2014/15 aus der TV-Vermarktung an die 36 Clubs der 1. und 2. Liga verteilt. Der FC Bayern erhält davon rund 38,0 Mio., Borussia Dortmund 36,9 Mio., Bayer Leverkusen 35,8 Mio. Eine jeweils aktuelle TV-Gelder-Tabelle findet sich u.a. bei fernsehgelder.de. Entscheidend für die Verteilung ist derzeit ausschließlich der sportliche Erfolg. Nach einem bestimmten Schlüssel werden die Ergebnisse der jüngsten fünf Saisons gezählt – und da waren Bayern München, Dortmund und Leverkusen ganz einfach die drei erfolgreichsten Clubs. Traditionsvereine, die in den vergangenen Jahren sportlich weitgehend erfolglos waren – der Hamburger SV, Werder Bremen oder Eintracht Frankfurt – bekommen hingegen deutlich weniger Geld – zwischen 23,5 Mio. und 26,9 Mio.

Genau das soll sich laut einem Bericht der Sport Bild (Print-Ausgabe) in Zukunft etwas ändern. Demnach würde im Vorstand der DFL überlegt, in Zukunft auch eine „Fan-Komponente“ als zusätzliches Kriterium aufzunehmen. Sprich: Clubs mit mehr Fans würden auch mehr TV-Gelder bekommen. Das würde Traditionsvereine klar bevorteilen – neben Bayern und Dortmund auch Clubs wie die genannten aus Hamburg, Bremen und Frankfurt.

Wie genau die „Fan-Komponente“ aussehen könnte, ist natürlich noch unklar, doch laut Sport Bild könnten drei Faktoren eine Rolle spielen: die Zahl der Auswärtsfans, die ein Club zu Bundesliga-Spielen mit bringt, die Zahl der Sky-Abos, die ein Verein an seine Fans vermarktet – und die Zuschauerzahlen bei den Sky-Übertragungen. Seit April 2011 lässt Sky seine TV-Quoten auch von der AGF ermitteln, seitdem liegen spannende Daten zu jedem einzelnen Bundesliga-Spiel vor. MEEDIA analysiert sie nach jedem Spieltag.

Einige der Erkenntnisse aus den Zahlen sind, dass tatsächlich Vereine, die von Konzernen oder Investoren gepusht werden – Leverkusen, Wolfsburg und Hoffenheim – deutlich unbeliebter sind als es die sportliche Situation vermuten lassen würde. So belegt die TSG Hoffenheim traditionell den letzten Platz im Sky-Zuschauerranking, Bayer Leverkusen findet sich trotz attraktivem Fußball derzeit nur auf Rang 13. Deutlich besser als in der sportlichen Tabelle schneiden hier u.a. der Hamburger SV, der VfB Stuttgart und Werder Bremen ab – Traditionsvereine also. Die aktuelle Tabelle nach dem 7. Spieltag sieht so aus:

Die Bundesliga-Tabelle nach Sky-Zuschauerzahlen Saison 2014/15
Platz Vorwoche Verein Mio.
1 1 Bayern München 0,67
2 2 Schalke 04 0,58
3 3 Borussia Dortmund 0,56
4 4 Borussia Mönchengladbach 0,52
5 5 Mainz 05 0,47
6 6 Hamburger SV 0,41
7 7 VfB Stuttgart 0,40
8 8 Eintracht Frankfurt 0,38
9 12 VfL Wolfsburg 0,36
10 10 Hannover 96 0,34
11 9 Werder Bremen 0,33
12 13 FC Augsburg 0,31
13 11 Bayer Leverkusen 0,30
14 16 1. FC Köln 0,27
15 17 Hertha BSC 0,26
16 15 SC Freiburg 0,25
17 14 SC Paderborn 07 0,24
18 18 TSG Hoffenheim 0,16
Stand: 7. Spieltag / Durchschnitts-Zahlen
Rohdaten-Quelle: AGF/GfK – Berechnung + Tabelle: MEEDIA

Zu den Leidtragenden einer Miteinberechnung der TV-Quoten könnten aber nicht nur Unternehmens-nahe Clubs gehören, sondern auch Vereine wie der SC Freiburg, Mainz 05, der FC Augsburg oder der aktuelle Aufsteiger SC Paderborn. So fanden sich Mainz und Augsburg in der vergangenen Saison trotz der sportlichen Erfolge in der Zuschauer-Tabelle nur auf den Rängen 15 und 17 wieder. Wie auch immer die „Fan-Komponente“ der DFL aussehen könnte, hitzige Diskussionen wird sie auf jeden Fall auslösen.

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Alle Kommentare

  1. Lieber Herr Schröder,
    Sie müssten sich irgendwann mal überlegen, ob Sie sich als noch ernsthaften oder auch Ernst zu nehmenden Journalisten sehen oder vielleicht doch eher Lobbyist der Institutionen sein wollen, die ständig neue Statistiken über Lese-, Seh- und Klick-Gewohnheiten der bundesdeutschen Bevölkerung auf den Markt werfen.
    Als gelernter Psychologe, ein Schwerpunkt Medienpsychologie, habe ich zwangsläufig vier Semester Statistik studieren müssen, und schon damals wurden wir von unseren Tutoren und Professoren immer wieder mit dem – wahrscheinlich ja fälschlicherweise – Churchill zugeschriebenen Satz konfrontiert, „Glaube keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast.“ – wie ernst auch immer das gemeint gewesen sein mag.
    Anfang der 90 war ich zeitweise auch in der Demoskopie tätig.
    U.a. haben wir uns mit den TV- und Rundfunk-Quoten beschäftigt. Schon damals gab es massive Zweifel an den Zahlen und Erhebungsmethoden. Letztere sind sicherlich verfeinert worden, dennoch sind – auch unbewusste und vielleicht nicht einmal mutwillige – Manipulation weiterhin recht einfach möglich.
    Seinerzeit gehörte ich zu einer Gruppe, die versuchte, die diversen Hauptstadt-Befragungen zu analysieren. Wenn ich mich recht erinnere, gab es 10 bis 12 solcher Studien.
    Und wie es der Zufall so wollte, war bei all denen, die von Berlin nahe stehenden Gruppierungen, Institutionen oder was auch immer in Auftrag gegeben worden waren, Berlin der Favorit, kam der Auftraggeber aus Bonn nahe stehenden Kreisen, war es Bonn.
    Es gab übrigens mehr Berlin-Befürworter als solche für Bonn. Das war aber auch kein Wunder, es gab ja auch mehr Studien aus dem Berliner Kreis.
    Damals habe ich den Satz in die Runde geworfen, „Sage mir, wer der Auftraggeber ist, und ich sage, was am Ende dabei rauskommt.“
    Große Karrierechancen hatte ich mir in der Branche eh nie ausgerechnet.
    Seit 1995 beschäftige ich mich mit und im Internet.
    Mein hauptsächliches Einkommen bestreite ich aus meiner Beteiligung an Unternehmen, die sich u.a. auch mit Internetsicherheit beschäftigen, wir arbeiten viel für Geldinstitute und Banken – und ich mache kein Onlinebanking.
    Als Journalist liegen meine Schwerpunkte in den Bereichen Kunst, Kultur und Wissenschaft – ein fast brotlose Kunst, damit lässt sich kein Hund mehr hinter dem Ofen hervorlocken (sprich: lassen sich keine Gelder und Anzeigen akquirieren).
    In den Online-Ausgaben sind ausreichende Klick-Zahlen kaum nachweisbar, man ist in den Redaktionen eher das Feigenblatt für Seriosität.
    Aber ich bin aber auch Motorsportjournalist (arbeite auch für die FIA, ok. das ist nicht unbedingt ein Renommee, mehr ein Indiz, dass man nicht ganz erfolglos ist), und eine Seite für deren Texte, die letztendlich aber eher profan sind, ich ganz allein zuständig bin, hat rund 1,5 Millionen Leser weltweit (wird auch ins Englische übersetzt). Ist also extrem erfolgreich.
    Auf Drängen der FIA und natürlich auch der Sponsoren, ist dazu im letzten Jahr auch eine Facebook-Seite kreiert worden, die ebenfals nicht ganz erfolglos ist. So wurden uns schon nach kurzer Zeit seitens der Facebook-Macher (finanzielle) Angebote unterbreitet, wie wir die Zahl der „Likes“ erhöhen könnten.
    Vor wenigen Monaten erhielten wir gar eine Offerte aus Bangladesh, 100.000 „Likes“ für nicht einmal umgerechnet 700,- Euro.
    Das habe ich in der letzten Zusammenkunft derer, die sich in diesen Motorsportserien auch finanziell engagieren, zum Besten gegeben.
    Neben den Marketing-Leuten saßen in der Runde auch einige Vorstände oder für den Vertrieb Zuständige, und denen blieb wohl schon etwas die Spucke weg, als ich denen den Wert der zigtausenden von „Likes“ auf ihren Unternehmensseiten erläuterte.
    Werden ihnen doch auch diese Zahlen von ihren entsprechenden Mitarbeitern als Zeichen ihres Erfolgs präsentiert.
    Ganz provokativ habe ich natürlich auch gefragt, ob sie ernsthaft glauben, dass viele „Likes“ und „Klicks“ sich tatsächlich in ihren Verkaufszahlen niederschlagen würden – wie es eben die Marketing-Abteilungen in den eigenen Häusern ja propagieren.
    Und da komme ich zu Ihren diversen Artikeln hier auf „Meedia“.
    Sie verfassen all diese Artikel in einer Art und Weise, als seien Einschaltquoten und Klicks das einzig selig machende Qualitätskriterium.
    Vielleicht glauben Sie es ja tatsächlich, wie viele Marketing-Strategen ja auch, nur bei Ihnen persönlich stört mich massiv, dass Sie eben genau mit der Erhebung solcher Daten ein Großteil Ihres Geldes verdienen, und da müsste ein seriöser Journalist eigentlich mit sich selbst ins Unreine kommen.
    Sie haben sicherlich den entsprechenden Sachverstand, Ihnen fehlt aber der nötige kritische Abstand zu dem, über das sie sich journalistisch auslassen.

    Um auf den Anlass ihres Artikels zurückzukommen.
    Es hat mich eh schon immer gestört, dass die Gelder nicht gleichmäßig verteilt werden.
    Müssen Bayern und Co. eigentlich immer noch reicher werden?
    Und die Fan-Gemeinde als Kriterium für den Verteilungsschlüssel anzusetzen, betrachte ich auch nicht als wirklich weise Entscheidung.
    Gegen wen wollen die Großen denn noch spielen, wenn die Kleinen nicht mehr da sind?
    Wollen Bayern, Dortmund (ist momentan vielleicht nicht so aktuell), etc. nur noch hoch überlegene Spiele, damit sie vorher schon wissen, die anderen können gar nicht gewinnen?
    Dann werden sie sich selbst ins Knie schießen, das Interesse wird massiv nachlassen, und Statistikfetischisten werden nichts mehr zu zählen haben.

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