„Üble Nachrede“: WMP-Chef Tiedje erstattet Strafanzeige gegen stern-Mann Tillack

Hans-Hermann Tiedje, ehemals Bild-Chefredakteur und heute Vorstandsvorsitzender der PR-Agentur WMP EuroCom AG, hat Strafanzeige wegen des "Verdachts der üblen Nachrede" gegen den stern-Journalisten Hans-Martin Tillack gestellt. Dies bestätigte Tiedjes Anwalt Gerhard Strate gegenüber MEEDIA. Es geht konkret um einen Blogeintrag des investigativen Journalisten Tillack und die Frage, ob Tiedje und seine Firma versuchen, Politiker zu beeinflussen.

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Zum Hintergrund: Tillack hatte bereits Ende August über die Zeitschrift „Tolles Thüringen“ im stern berichtet. Das Blatt wurde 2009 vor der Landtagswahl an Haushalte in dem Bundesland verteilt. Eine zentrale Rolle, berichtete Tillack, habe der Unternehmer und Klinikbetreiber Ulrich Marseille gespielt. Das Heft war inhaltlich sehr CDU-freundlich gestaltet, auf dem Titel präsentierte sich die Frau des damaligen CDU-Ministerpräsidenten Dieter Althaus. Für Tillack war die Werbebroschüre ein Fall von verdeckter Parteienfinanzierung. Marseille äußerte sich damals nicht.

Was das mit Tiedje und der Kommunikationsberatung WMP zu tun hat? Tillack zählt Indizien auf: Mitgewirkt an „Tolles Thüringen“ hat der Ex-Bild-Mann Klaus-Dieter Kimmel, der für WMP arbeitet. Marseille sitzt im Aufsichtsrat von WMP, wie auch Tiedje im Aufsichtsrat der Marseille-Kliniken sitzt. Und WMP hat für die Marseille-Klinken Kommunikationsarbeit übernommen. Dennoch: In dem ersten Tillack-Artikel war auch zu lesen, die Firma WMP habe bei „Tolles Thüringen“ laut einem Presseanwalt „in keiner Weise mitgewirkt“.

In einem MEEDIA-Interview vom 9. September äußerte sich Tiedje u.a. auch über Tillack. Auf die Frage, ob das Geschäftsmodell von WMP Lobbyismus sei, antwortete Tiedje: „Lobbyisten – genau das sind wir nicht! Wir versuchen nicht, Politiker zu beeinflussen.“ Doch genau das werde ihm immer mal wieder vorgeworfen. Tiedje: „Zur Zeit läuft mit dieser Halluzination so ein Typ vom stern durchs Land, wie heißt der noch? Tillack, richtig.“ MEEDIA hatte bereits vor zwei Jahren berichtet, dass Tiedje in einem Gastkommentar für die Bild-Zeitung einmal den damaligen SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück gegen Vorwürfe verteidigte – und dabei zu erwähnen vergaß, dass WMP Eurocom einen Vortrag des Politikers vermittelt hatte.

Auf die Äußerung Tiedjes bei MEEDIA wiederum reagierte Tillack mit einem Blogeintrag auf der stern-Website, am 18. September. In dem Eintrag mit der Überschrift „Kein Mädchenhändler, kein Lobbyist“ schreibt Tillack, „das Problem“ bei Tiedje bestehe darin, „wie sich bei ihm die Sphären gelegentlich vermischen“. Siehe das Beispiel Steinbrück. Aber auch die thüringische CDU-Kiste greift Tillack noch einmal auf. Versehen mit dem Hinweis: „Aber wie gesagt: Bei ‚Tolles Thüringen‘ hat WMP ‚in keiner Weise mitgewirkt‘, wie die Firma versichern lässt.“ Tillack ergänzte seinerseits: „Wir wollen das mal glauben. Es hätte ja auch Tiedjes ehernem Prinzip widersprochen – gar nicht erst zu versuchen, Politiker zu beeinflussen.“

Hier nun setzt laut Auskunft von Tiedje-Anwalt Strate die „üble Nachrede“ an. Tillack versuche „zu Unrecht den Eindruck zu erwecken“, Tiedje bzw. seine Firma habe bei dem Projekt „Tolles Thüringen“ mitgewirkt und versuche, Politiker zu beeinflussen. Es handele sich sogar um einen „besonders schweren Fall“ der üblen Nachrede. Bei einem „unbefangenen Leser“ dränge sich nämlich wegen einer „ausgeklügelten Wortwahl“ in „ironischer Form“ erst recht der Eindruck auf, WMP Eurocom habe bei „Tolles Thüringen“ mitgemischt. Hierzu stellt Strate im Namen seines Mandanten noch einmal klar, es habe keine Mitwirkung an der Zeitschrift gegeben.

Gerhard Strate gehört zu den prominenten Strafverteidigern im Lande. Zuletzt verteidigte er Gustl Mollath. Zu seinen Mandanten zählten und zählt u.a. aber auch Alexander Falk (übrigens auch ein ehemaliger WMP-Kunde) und Carsten Maschmeyer. Die Strafanzeige gegen Tillack erstattete Strate bei der Staatsanwaltschaft Berlin. Auf die Nachfrage, warum Tiedje nicht den Weg über das Presserecht gegangen ist, sagte der Anwalt gegenüber MEEDIA, in diesem Fall sei der Weg über das Strafrecht vorzuziehen. Tillack sagte auf Nachfrage, der Vorgang sei ihm bisher „vollkommen unbekannt“.

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