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Im Kindergarten der alten Männer: Helmut-Kohl-Talk bei “Günther Jauch”

Den Ghostwriter, den ich rief …
Den Ghostwriter, den ich rief ...

“Helmut Kohl - Wem gehört seine Geschichte?” Das fragte Günther Jauch am Sonntagabend. Es traten auf im Spiel mit verteilten Rollen: Anwalt Stephan Holthof-Pförtner als Helmut Kohl, Brigitte Seebacher (Deckname “die Witwe”) als Willy Brandt, Nikolaus Blome als Heribert Schwan, Edmund Stoiber als Franz-Josef Strauß und Heribert Schwan als “Ghost”. Eine Gastrolle hatte Tilman Jens als “der Mann mit dem Etikett am Ärmel”.

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Zum Hintergrund: Heribert Schwan war mal Ghostwriter für die Autobiografien von Helmut Kohl. Irgendwann verkrachte er sich mit Kohl und seiner zweiten Frau, Maike Kohl-Richter. Schwans Vertrag wurde gekündigt. Vermutlich war Schwan deswegen sauer und fortan ärgert er die Kohls mit Veröffentlichungen aus den Tonbandprotokollen, die er mit Helmut Kohl anfertigte. Und er hat nun – zusammen mit Tilman Jens – ein Buch daraus gemacht: “Das Vermächtnis – Die Kohl Protokolle”.

Gegen dieses Buch klagt Helmut Kohl mit seinem langjährigen Anwalt Stephan Holthoff-Pförtner. Im Kern geht es um die Frage: Darf der Schwan das? Also, die Aufzeichnungen, die er als Ghostwriter mit Helmut Kohl machte, für nicht-autorisierte, eigene Veröffentlichungen nutzen. Um diese Frage wurde auch bei Günther Jauch deftig-heftig gestritten. Schon ganz lustig, wenn der Zausel Schwan mit Papieren winkte und Holthoff-Pförtner vorhielt, er dürfe als Kohl-Anwalt eigentlich gar nicht in der Sendung sitzen. Oder Schwan Ede Stoiber eröffnete, dass er – Stoiber – von Kohl in seinen ganzen Gesprächen nicht ein einziges mal erwähnt wurde. “So wichtig sind Sie dann ja offenbar auch nicht.” Da hat er komisch geguckt, der Stoiber.

Ganz am Ende zofften sich der Anwalt und der Ex-Ghostwriter nochmal so richtig. Holthoff-Pförtner erklärte, dass Schwan seine Kopien gemacht habe, sei eine Straftat, was diesen sichtlich aufgeregte und zur Aussage “Quatsch!” verleitete. Schade, dass es in dieser Runde der infantilen Geister keine stille Treppe gab. Dazwischen konnte man sich als Zuschauer fragen, warum eigentlich Edmund Stoiber und Brigitte Seebacher in der Runde saßen (vermutlich, um das Gäste-Soll vollzubekommen). Und warum Tilman Jens das Marken-Etikett an seinem Jackett nicht entfernt hat, bevor er ins Fernsehen ging. Kann man Jemanden, der mit so einem Etikett am Ärmel rumfuchtelt ernst nehmen? Es fällt zumindest schwer.

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Fast genauso schwer fällt es nachzuvollziehen, warum eine derartige Aufregung rund um Heribert Schwan und sein Kohl-Buch herrscht. Auch bei Jauch wurden wieder die immergleichen Zitate ausgestellt, die schon den Spiegel-Titel zierten. Angela Merkel habe nicht mit Messer und Gabel essen können, der Wulff sei eine Null gewesen und der Blüm ein Verräter. Och menno! Man darf doch nicht vergessen, dass Kohl Pfälzer ist und als solcher nun mal ein Schlappmaul. Auch als Kohl noch voll in der Öffentlichkeit stand, war er einer, der austeilen konnte und dabei auch mal im Fettnäpfchen landete. So verglich er einst SPD-Politiker Wolfgang Thierse mit Hermann Göring und Michael Gorbatschow mit Joseph Goebbels, ohne dass einer gleich ein Buch daraus gemacht hätte.

Halbwegs interessant ist schon eher die Erkenntnis, dass Kohl im Gespräch mit Schwan die wirtschaftliche Schwäche der der damaligen Sowjetunion als Hauptgrund für den Untergang der DDR verantwortlich machte und nicht die friedliche Revolution. Wirklich überraschend oder grundstürzend neu ist das aber auch nicht. Schwans Buch und sein Ausschlachten der Kohl-Tonbänder bedient eher ein Klatsch-Interesse des Publikums. Natürlich ist es ganz amüsant und interessant zu lesen, wie ein Spitzenpolitiker ungefiltert lospoltert.

So ungewöhnlich ist es nun nicht, dass Inhalte aus einem Gefühl von Gekränktheit und Missgunst an die Öffentlichkeit gezerrt werden. Das ist Alltag im Mediengeschäft. Ohne Hass, Neid und Missgunst, blieben sehr viele Seiten leer. Dass hier gerade die Bild-Zeitung dem Spiegel fehlenden Anstand vorwirft, ist sehr verwunderlich und lässt sich eigentlich nur mit der Nähe von Bild-Chef Kai Diekmann zu Helmut Kohl erklären. Ob Heribert Schwan sich einen Gefallen mit seiner Veröffentlichung getan hat, steht freilich auf einem anderen Blatt. In der Öffentlichkeit steht er nun als Vertrauensbrecher da. Der Onkel Heribert hat gepetzt. Auch im Kindergarten der alten Männer gilt: Das Publikum liebt den Verrat aber hasst den Verräter.

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Alle Kommentare

  1. Wenn das Jauch-Geschwafel Geschwafel war, warum dann eine so lange Kritik. Und warum die abermalige Wiederholdung der bekannten Zitate? Warum zum Schluss das ewig lahme Verräter-Verrat-Bonmot? Billigste Wworthülsen, eine langweilige Replik. Aber Sie werden annehmen: Tolle Leistung!

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