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Markworts Alter Ego “Moritz Rodach” gibt’s jetzt auch als Twitter-Fake

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Das ZDF nennt eine Serie, in der eine kleinwüchsige Kinderärztin die Hauptfigur ist “Dr. Klein” und findet das “pointiert”. Wired macht verquere Werbung für den Relaunch, Helmut Markworts Alter Ego Moritz Rodach erwacht auf Twitter zum Eigenleben und Bild-Leute bewundern Altkanzler Helmut Kohl.

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Heute startet um 19.25 Uhr die neue ZDF-Serie “Dr. Klein” in der Christine Urspruch (“Das Sams”, Alberich aus dem Münster-”Tatort”) eine Kinderärztin spielt. Aber, ZDF, muss das wirklich sein, dass ihr, wenn eine kleinwüchsige Frau die Protagonistin einer Serie ist, die Hauptfigur “Dr. Klein” nennt? Und ihr unsympathischer Gegenspieler heißt “Dr. Lang”? Im Ernst? Und dann schreibt Ihr in die Pressemitteilung auch noch rein, dass “Dr. Klein” ihren jungen Patienten “auf Augenhöhe” begegnet. Angeblich bewegt sich die Serie “zwischen großen Emotionen und pointiertem Humor, der sich nicht vor politisch unkorrekten Zwischentönen scheut.” Warum nur packt Ihr die Pressemitteilung dann voll mit abgedroschenen 08/15-Phrasen. Und eine kleinwüchsige Kinderärztin “Dr. Klein” zu nennen, ZDF, das ist kein pointierter Humor, das ist auch nicht politisch unkorrekt. Das ist einfach nur blöd.

WIRED Kampagnen-Motiv III

Wo wir gerade beim Thema sind. Statt Werbung zu schalten, verschicken findige Medienunternehmen heutzutage lieber Pressemitteilungen, in denen ihre Werbekampagnen als “News” angepriesen werden. So auch Condé Nast, der Edel-Verlag aus München, der für die frisch renovierte Wired wirbt. Und zwar mit Sätzen wie diesen: “Diese Haltung der Zielgruppe spiegelt sich auch in der Mechanik der Kampagnenmotive wider: In 3-D-Polygon-Optik stilisierte Repräsentanten der ‘Generation Y Not’ stellen zukunftsorientierte “Warum nicht?-Fragen im Spannungsfeld zwischen technologischem Fortschritt und dem alltäglichen Leben.” Jessas! hat das ein 3D-Drucker formuliert? Bitte stellen Sie sich zuhause vor den Spiegel und sagen Sie diesen Text dreimal laut auf. Dann brauchen bestimmt auch Sie ein “Update für den Kopf”.

Altkanzler Helmut Kohl stellte diese Woche sein Buch “Vom Mauerfall zur Wiedervereinigung” auf der Frankfurter Buchmesse vor. Ganz vorne mit dabei war natürlich Kohl-Intimus, Kohl-Trauzeuge und Bild-Chef Kai Diekmann. Auch Bild-Mann Alexander von Schönburg erwartete andächtig den Auftritt des Altkanzlers. Über Twitter ließ er uns an seinen Gefühlswallungen teilhaben:

Wem er wohl mit diesen Huldigungen mehr gefallen will – Helmut Kohl oder seinem Chefredakteur?

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Ein anderer Helmut, Markwort heißt er, hat gegenüber der Verbandszeitschrift des Bayerischen Journalistenverbandes zugegeben, dass er unter dem Pseudonym Moritz Rodach FC-Bayern-Artikel für Focus Online geschrieben hat als er noch Focus-Chefredakteur war und gleichzeitig Aufsichtsrat des FC Bayern. In diesem Zuge verglich sich Markwort gleich mal mit Kurt Tucholsky, der ja bekanntlich auch Pseudonyme nutzte (u.a. Kaspar Hauser, Paul Panter). Wie das so ist mit Kunstfiguren – manchmal entwickeln sie ein Eigenleben So gibt es seit Bekanntwerden der Identität von Moritz Rodach einen ziemlich aktiven Moritz Rodach auf Twitter. Es darf aus verschiedensten Gründen angenommen werden, dass es nicht Helmut Markwort ist, der da unter @focussiert twittert.

Mit einem ganz wunderbaren Profilfoto übrigens. Nochmal Buchmesse: Eigentlich wollten wir eine Zusammenstellung mit lustigen Tweets von der Frankfurter Buchmesse machen. Hat aber nicht geklappt, weil es außer dem launigen Messerundgang von Kai Diekmann, so gut wie kein witziges Material gab. Zumindest haben wir keines gefunden. Mit einer wunderbaren Ausnahme. Dieses Foto vom Buchmesse-Klo wurde mehrfach verbreitet. Zurecht!

Und mit der Vorstellung, wie jemand viele hundert Seiten starke Hochglanz-Verlagsprogramme in einer Kloschüssel in Frankfurt versenkt, entlassen wir Sie in ein hoffentlich …

schönes Wochenende!

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Alle Kommentare

  1. Was soll der Kommentar zu „Dr. Klein“? Es ist doch eine verkehrte Welt, alles mit der Attitüde „politisch korrekt“ zu bewerten. Sind wir schon so weit, nur das das denken und sagen zu müssen, was der mainstream vorgibt? Da darf sich niemand wundern, dass in der Öffentlichkeit nicht mehr Klartext gesprochen wird. Ich jedenfalls finde den Titel Dr. Klein Klasse und passend dazu den Gegenspieler als Dr. Gross ebenfalls. Kompliment das das ZDF, dass es sich „traut“, so eine Serie auszustrahlen.

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