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Bilanz zum „Recht auf Vergessen“: diese Suchergebnisse hat Google entfernt

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Nach dem historischen Urteil des Europäischen Gerichtshofs im Mai, das Einzelpersonen ein "Recht auf Vergessen" im Internet einräumt, hat Google rund 145.000 Löschanträge für fast eine halbe Million Links zu Websiten erhalten. Das erklärt der US-Konzern in seinem gerade veröffentlichten Transparenz-Bericht. Gleichzeitig nennt Google Beispiele, welchen Anträgen stattgegeben und welche abgelehnt wurden.

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„Einige Ergebnisse wurden möglicherweise aufgrund der Bestimmungen des europäischen Datenschutzrechts entfernt.“ Gefühlt steht dieser Satz mittlerweile unter fast jeder Google-Suche. In Wirklichkeit weist Google aber in nur rund 170.000 Fällen darauf hin, dass Ergebnisse aus dem Index geflogen sind. Grund dafür ist das im Mai gesprochene Urteil des Europäischen Gerichtshofs, das es Einzelpersonen ermöglicht, sich gewissermaßen aus Google zu entfernen.

145.907 Anträge hat Google seitdem erhalten. Darin forderten Personen die Löschung von 497.507 Seiten-Verknüpfungen. 170.506  Seiten hat Google laut  Transparenzbericht gelöscht. Die Liste der eingereichten Lösch-Anträge wird von Frankreich (28.898) angeführt, gefolgt von Deutschland (24.979) , Großbritannien (18.304), Spanien (13.316) und Italien (11.379). In letzterem Land wurden unter den Top5 die meisten Anträge offenbar abgelehnt. 75,8 Prozent der zur Löschung beantragten URLs behielt Google im Bestand. In Deutschland wurde knapp mehr als die Hälfte (53,1 Prozent) der Verknüpfungen entfernt.

Laut Gerichtsurteil muss der Suchmaschinenbetreiber jeden eingegangenen Antrag individuell prüfen und dann selbst zum Richter werden. Google entscheidet, ob die Informationen der angezeigten Seite (noch immer) von öffentlichem Interesse sind. In 15 Beispielen zeigt der am Freitag vorgelegte erste Transparenzbericht auf, in welchen Fällen sich das Unternehmen für oder gegen die Löschung einer Verknüpfung entscheidet. Diese machen klar: Google schützt in erster Linie Opfer und räumt Tätern kein „Recht auf Vergessen“ ein.

So entfernte die Suchmaschine beispielsweise Verlinkungen zu Artikeln, in denen der Name einer Frau genannt wurde, deren Mann vor einigen Jahren ermordet worden ist. Auch schützt die Google Vergewaltigungsopfer, nimmt allerdings keine Rücksicht auf Finanzverbrecher oder Personen des öffentlichen Lebens. Alle Beispiele, die Google in seinem Transparenzbericht anführt, sind anonymisiert. Insofern lässt sich nicht darüber urteilen, inwiefern die abgelehnten Anträge prominente Personen betreffen. Dass jeder Antrag Abwägungssache ist, macht folgendes Beispiel deutlich:

„Wir haben ein Ersuchen von einem Arzt erhalten, über 50 Links zu Zeitungsartikeln zu entfernen, in denen über einen Behandlungsfehler berichtet wird. Wir haben drei Seiten aus den Suchergebnissen für seinen Namen entfernt, auf denen personenbezogene Daten des Arztes, jedoch keine Hinweise auf die Behandlung zu finden sind. Die restlichen Links zu Berichten über den Vorfall sind weiterhin in den Suchergebnissen zu finden.“ – Google Transparenzbericht, 10. Oktober 2014

 

Laut Google wurden in den meisten Fällen Verlinkungen auf Soziale Netzwerke entfernt. Unklar bleibt, wie viele Medienberichte aus den Suchergebnissen gelöscht worden sind, da die Suchmaschine im Bericht nur einzelne Seiten auflistet. Demnach verschwanden Links zu Facebook-Seiten in mehr als 3.000 Fällen, gefolgt von Verlinkungen auf profileengine.com (3.287) und YouTube (2.393). Ebenfalls oft entfernt wurden Verknüpfungen zur Personensuchmaschine Yasni, die das Netz nach Informationen zu Namen durchsucht. Fasst man die verschiedenen Länder-URLs zusammen, würde das Yasni die Liste der Entfernungen mit mehr als 4.000 Löschungen anführen.

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Mit der Umsetzung des „Rechts auf Vergessens“ soll Einzelpersonen eine Art digitale Resozialisierung ermöglicht werden. Bereits kurz nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs war die Entscheidung umstritten und sorgte in der Praxis zum Teil für Probleme.

Entfernt Google beispielsweise Links zu Websites, wird der Seitenbetreiber darüber informiert. In Fällen von Newsportalen nahmen diese den Hinweis zum Anlass, darüber zu berichten, wodurch der Antragsteller wieder zum Objekt der Aufmerksamkeit wurde. Seitenangebote wie hiddenfromgoogle.com, die Löschungen dokumentierten, erschweren Antragstellern zudem vergessen zu werden. 

 

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