Auch Schalke und L’Oreal betroffen: Google wirft tausende Apps aus dem Play Store

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Google hat zahlreichen App-Anbietern seine Macht demonstriert. Zehntausende Anwendungen, darunter Apps von Bloggern oder auch Vereinen wie dem Schalke 04, verschwanden vergangene Woche aus dem Play Store. Viele wurden mithilfe von Chayns programmiert, einem Service der die App-Erstellung für Endkunden vereinfacht und im Store als Entwickler auftritt. Das scheint dem Konzern aus Mountain View nicht zu passen. Jetzt soll jeder Kunde 25 Dollar für einen eigenen Entwickler-Account bezahlen.

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Grund für den Kahlschlag sei laut Chayns-Betreiber Tobit Software, dass Google sich „augenscheinlich“ gegen Malware schützen wolle. Der Konzern schlage sich immer häufiger mit Spam und Abzocker-Apps herum. Dabei sei untergegangen, dass es sich bei Chayns-Apps Unternehmensangaben zufolge nicht um Spam handele. Der Service hilft Endkunden eigene Apps zu entwickeln, tritt in App Stores dabei immer als Herausgeber auf. Auf den Service griffen neben tausenden Kleinkunden auch Fußballvereine wie Schalke 04, der 1. FC Köln oder auch Konzerne wie L’Oreal zurück. Für eine App ist lediglich ein bestückter Facebook-Account notwendig.

Um sich zukünftig vor Spam zu schützen, verlangt Google fortan 25 Dollar für ein Entwickler-Konto. Gleichzeitig verbietet Google, dass ein so genannter Developer-Account mehrere Apps einstellen darf. Bedeutet: Jeder Chayns-Kunde – eigenen Angaben zufolge etwa 50.000 – benötigt nun einen kostenpflichtigen Account. Nils Bertels, Sprecher von Tobit Software, beklagt zudem, dass Google alle Apps entfernt und erst einige Tage später die Allgemeinen Geschäftsbedingungen verändert habe. Tobit-Vorstand Tobias Groten zeigt sich gegenüber Googles Verhalten unverständlich: „Google muss sich von unseren Kunden hier schon den Vorwurf von Abzocke gefallen lassen. Denn dass man ausgerechnet in Mountain View nicht zwischen Spam und echten Anwendungen unterscheiden können will, klingt vollkommen unglaubwürdig.“

Großkunden wie Bundesligavereine oder Unternehmen dürfte der Zug von Google zwar kurzzeitig verärgern, weil ihre Apps nicht mehr aufrufbar sind. Allerdings werden ihnen 25 Dollar für einen Entwickler-Account nicht weh tun. Anders schaut es für den Großteil der Chayns-Kunden aus, nämlich kleinen Betreibern wie beispielsweise Bloggern. Hier geht es auch um die Frage, ob ihnen das Erscheinen in Google Play das Geld wert ist, da sie in Rankings grundsätzlich untergehen. Für sie arbeitet Tobit Software nun an Services, die ihnen den Vertrieb der eigenen App vereinfachen sollen. So können sie Apps immer noch auf anderen Plattformen zur Verfügung stellen oder auch per E-Mail an potentielle Nutzer verschicken.

Laut Tobit-Software sind nicht nur die Chayns-Apps verschwunden, sondern auch zahlreiche andere Anbieter von Googles Entscheidung betroffen. Auf eine Anfrage von MEEDIA hat Gooogle bisher nicht reagiert.

 

 

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Alle Kommentare

  1. Die Abhängigkeit von den App-Stores der großen Player werden sicher nicht geringer.
    Erzeugt Web-Apps, die sind sehr oft eine eine gleichwertige Alternative. Sie laufen überall und niemand löscht sie einfach.

    Mit Bootstrap http://getbootstrap.com/ entwickelt ihr recht leicht für PC, Tablet und Smartphone zur gleichen Zeit.

    Bootstrap ist dabei nur eine Lösung von vielen.

  2. Die Abhängigkeit von den App-Stores der großen Player werden sicher nicht geringer.
    Erzeugt Web-Apps, die sind sehr oft eine eine gleichwertige Alternative. Sie laufen überall und niemand löscht sie einfach.

    Mit Bootstrap entwickelt ihr recht leicht für PC, Tablet und Smartphone zur gleichen Zeit.

    Bootstrap ist dabei nur eine Lösung von vielen.

  3. In China werden „Dienstleistungen“ in ähnlicher Weise entwickelt. Sie werden google & Co in die linke Tasche stecken.

  4. Tobit verstößt mit Chayns ganz klar gegen die Developer Content Policies, und das mindestens seit August 2012: https://web.archive.org/web/20120803233653/http://play.google.com/intl/ALL_de/about/developer-content-policy.html

    Weiter zurück gibt es von der Seite keinen Eintrag der Waybackmachine, aber der Paragraph ist recht eindeutig, unter „Spam and Placement in the Store“:

    „Apps that are created by an automated tool or wizard service (so wie Chayns von Tobit) must not be submitted to Google Play by the operator of that service (also Tobit) on behalf of other persons.“

    Die Schuld liegt hier eindeutig bei Tobit, die sich nicht an die Regeln halten.

  5. Schaut doch mal zu AppYourself (www.appyourself.net), die bieten Mobile Websites und Apps an, die zeimlich rocken, wie ich finde 🙂

    1. Bei AppConfector (www.appconfector.de) z.B. werden die Apps mit ausgiebiger Betreuung veröffentlicht. Solche Aktionen wie bei Tobit wird es da sicherlich nicht geben. Zu dem ist der intuitiv aufgebaute Funktionsbaukasten richtig angenehm in der Gestaltung und Verwendung. Kommt bei unseren Kunden gut an.

  6. Für mein Restaurant benutzen wir seit neuestem die App von Vendapp. Die ist ziemlich gut & günstig , besser als die eher hässliche App von Appyourself… (und billiger)

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