Anzeige

„Endlich Deutsch!“: WDR zeigt geniale Mockumentary über Integration

Endlich-Deutsch.jpg

Der Erfolg von deutschen Produktionen wie "Der Tatortreiniger" spornt an: Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten zeigen endlich mehr Mut zum Experiment. Jetzt geht der WDR mit der neuen Mockumentary "Endlich Deutsch!" in Serie – und die hat großes Erfolgspotenzial. Online können die Episoden bereits angesehen werden, eine Ausstrahlung im Fernsehen folgt.

Anzeige
Anzeige

WDR/1LIVE-Moderator Andreas Bursche freut sich in der ersten Einstellung von „Endlich Deutsch!“ über seine eigene Serie. Er darf in Köln die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eines Einbürgerungskurses begleiten. Sie alle haben ein Ziel: die deutsche Staatsbürgerschaft. Dabei dokumentiert Bursche nicht nur den Unterricht, sondern auch ihren Alltag – und fängt zahlreiche skurrile Momente ein. Auf den allerersten Blick wirkt „Endlich Deutsch!“ wie eine Dokumentation. Doch die Serie ist Fiktion, die Hauptdarsteller (großartige) Schauspieler. Einzig der Moderator und die Lehrerin der Einbürgerungsklasse spielen sich selbst.

Endlich Deutsch! Folge 1

Eine Mockumentary ohne erhobenen Zeigefinger

Mockumentary nennt sich dieses Format: eine fiktionale Produktion, die das Genre der Dokumentation parodiert und mit der Vermischung von Realität und Fiktion spielt. Eines der berühmtesten Beispiele für Mockumentaries aus Deutschland ist der Film „Fraktus“, der die fiktive Band Fraktus bei ihrem Comeback begleitet und dabei reale Musiker wie H.P. Baxxter oder WestBam zu Wort kommen lässt.

Die WDR-Produktion geht inhaltlich in eine völlig andere Richtung. Sie beschäftigt sich mit dem gesellschaftlich ebenso zentralen wie schwierigen Thema der Integration. Dabei wird nie der Zeigefinger erhoben oder die Betroffenheitskeule geschwungen: Erfrischend sarkastisch (zum Beispiel, wenn Andreas Bursche zu seinem Team sagt: „Ohne ’ne Türkin wären wir doch jetzt schon völlig unglaubwürdig“), unaufgeregt lustig und stellenweise auch sehr anrührend spielt „Endlich Deutsch!“ erfolgreich mit Vorurteilen zwischen deutschen und ausländischen Bürgern. Dabei wird die vierteilige Serie nie respekt- oder geschmacklos.

„Wir hatten kein Drehbuch“, sagt Regisseur Lutz Heineking, jr. von der Produktionsfirma eitelsonnenschein im Gespräch mit MEEDIA. „Wir haben für alle Figuren sogenannte Drehfibeln entwickelt, in denen wir die individuellen Entwicklungen aufgeschrieben haben. Daraufhin wurde beim Drehen improvisiert, viele Schauspieler haben ihre eigenen Erfahrungen eingebracht.“

Anzeige

Endlich Deutsch! Folge 1

Ein Leuchtturmprojekt des WDR

Bei der Distribution der Serie zeigt sich der WDR am Puls der Zeit angekommen. Die Serie wurde – wie auch die BR-Produktion „Mann/Frau“ von und mit Christian Ulmen – zunächst online ausgestrahlt: auf der Webseite des WDR-Radiosenders 1LIVE sowie unter endlichdeutsch.wdr.de. Ab dem 12. Oktober läuft „Endlich Deutsch“ auch im WDR Fernsehen und bei Einsfestival.

Der WDR selbst bezeichnet seine neue Serie als Leuchtturmprojekt. Und tatsächlich braucht sie sich nicht zu verstecken und kann getrost in einem Atemzug mit deutschen Produktionen wie „Der Tatortreiniger“ genannt werden. Denn wie auch die Comedy mit Bjarne Mädel steht „Endlich Deutsch!“ für Experimentierfreudigkeit und frischen Wind in den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten. Ein ähnlich großer Erfolg wie der NDR-Serie (und eine Fortsetzung!) ist der Mockumentary zu wünschen – verdient wäre er.

Lutz Heineking, jr. ist auf jeden Fall bereit für eine zweite Staffel. „Ich habe mehr als genug Stories. Das Abenteuer Deutschland ist für meine Figuren noch lange nicht zu Ende.“

Sendetermine:
Seit dem 3. Oktober auf endlichdeutsch.wdr.de.
Folgen 1 und 2: Sonntag, 12. Oktober 2014, 23.15 Uhr, WDR Fernsehen
Folgen 3 und 4: Montag, 13.Oktober 2014, 23.15 Uhr, WDR Fernsehen
Folge 1: Mittwoch, 15. Oktober 2014, 20.15 Uhr, Einsfestival
Folge 2: Mittwoch, 22. Oktober 2014, 20.15 Uhr, Einsfestival
Folge 3: Mittwoch, 29. Oktober 2014, 20.15 Uhr, Einsfestival
Folge 4: Mittwoch, 5. November 2014, 20.15 Uhr, Einsfestival
Folge 1-4 am Stück: Freitag, 7. November, ab 21.45 Uhr, Einsfestival

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. „Endlich Deutsch!“ gar lustig anzuschauen!!!

    Wäre da nicht die Realität des BAMF-Orientierungskurses 250 mögliche Fragen in 45 Unterrichtsstunden/UE/9 Tage, aktuell in 60 UE/12 Tage durchzuackern. Ein pädagogischer BAMF-Unsinn! Der Inhalt der Themen-/Aufgabenfelder entspricht dem Fach Gesellschaftslehre/Hauptschule in 5 Schuljahren!

    Die reale Integrationskurs-Lehrkraft kann beim derzeitigen BAMF-Mindesthonorar von 20 €/UE in Vollzeit mit 45 Jahresarbeitswochen (5 Wochen Urlaub, 2 Wochen Feiertage) nach Abzug aller Sozailversicherungsabgaben in voller Höhe (Honorar ohne Arbeitgeber_innenanteil) monatlich maximal 990,85 € netto/Single verdienen (GEW Weiterbildung Dezember 2013). Vorausgesetzt sie ist nicht länger als bundesdurchschnittliche 13,2 Tage krank.

    Der Inhalt des Sprachkurs-Anteils in 10 Monaten bei landesüblichen Ferien, entspricht dem Fach Englisch/Mittlerer Schulabschluss/Fachoberschulreife/5 Schuljahre an allgemeinbildenden Schulen z.B. NRW und NDS.

    Herr Bosbach hatte seinen medienwirksamen, äußerst positiven Auftritt in der Serie. Ansonsten interessieren sich Bundestagsabgeordnete der großen Parteien sowie der Grünen – bis auf wenigste Ausnahmen – nicht für den enormen Leistungsdruck, unter dem Teilnehmende und Lehrkräfte im Integrationskurs stehen. Schon gar nicht für die scheinselbstständige, sittenwidrig prekäre Beschäftigung der Lehrkräfte: Hire and fire! Es ist ja im Auftrag der Bundesregierung!

    Karges Brot, aber Spiele, gar lustige Traumfabrik…

    Mit freundlichen Grüßen

    Roswitha Haala
    Ex-IntV-Integrationskurs-Lehrerin

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*