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Entzauberte Raketenmänner: Wie die Samwers an der Börse eine Bauchlandung erlebten

Vom Optimismus beim Börsengang im vergangenen Oktober ist nicht viel geblieben
Vom Optimismus beim Börsengang im vergangenen Oktober ist nicht viel geblieben Oliver Samwer von Rocket Internet

Ein Fehlstart ist noch eine Untertreibung: Die Samwer-Brüder erlebten beim Börsengang der Rocket Internet AG als auch ihrer Beteiligung Zalando ein Debakel. Beide Aktien rauschten am Freitag mit Verlusten im zweistelligen Prozentbereich in die Tiefe. Aktionäre, die die vermeintlichen Hype-Aktien gezeichnet haben, zahlten die Zeche.

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Wenn es ein No Go-Szenario im 1 x1 von Börsengängen gibt, ist es das: Platziere die Aktien deines Kunden nicht so, dass sie gleich unter Ausgabekurs fallen. Was bei Zalando am Donnerstag gerade noch so mit Ach und Krach mit einer Punktlandung aufging, die in der letzten Handelsstunde zur Zitterpartie wurde, missriet bei Rocket Internet sofort.

Bei 37,69 Euro leuchtete die Erstnotierung auf – gleich um 4,81 Euro rasselte Rocket Internet just in dem Moment in die Tiefe, als das hoch gewettete Internet-Konglomerat an der Börse debütiert. Nach Kursen von über 60 Euro, die am Graumarkt gehandelt wurden, konnte die Enttäuschung über das Ausbleiben eines Kursfeuerwerks größer kaum sein.

Nur die Samwers haben gewonnen

Die Samwer-Brüder dürften den Börsen-Flop verschmerzen können, schließlich ging ihre Mission auf: Zu einer so hohen Bewertung wie möglich satte Emissionserlöse einstreichen, die zur Befeuerung ihrer anspruchsvollen Mission, „die weltgrößte Internet-Plattform außerhalb der USA und China“ zu werden, entsprechend benötigt werden – stolze 1,6 Milliarden Euro flossen in die Kassen der Rocket-Eigner.

Doch bei gerade mal 37 Euro beendete Rocket Internet den ersten Handelstag nach einem krachenden Kurssturz von 13 Prozent. Erfahrene Anleger wissen: Am Tag des Börsengangs stützen die begleitenden Banken häufig zur Gesichtswahrung die Kurse. Und trotzdem ein Abverkauf in zweistelligen Dimensionen?

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Mister Dax: „Für die Zeichner ist es ein Debakel“

„Die emissionsbegleitenden Banken haben zugelassen, dass der Kurs um 10 Prozent absäuft. Das spricht Bände“, erklärt etwa der Börsenmakler Dirk Müller („Mr. Dax“) gegenüber dem Deutschen Anleger Fernsehen. Und ergänzte gegenüber Handelsblatt Online: „Für die Zeichner ist es ein Debakel“.

Doch was ist für Anleger nun drin? Müller hatte den Börsengang bereits im Vorfeld kritisch betrachtet: „Ein Blick in den Börsenprospekt von Rocket Internet sollte jedem Anleger Warnung genug sein“, legt Müller nach. Wer sich die Mühe gemacht hat, das Kleingedruckte zu lesen, findet dort erstaunliche Kennzahlen: „Die erfolgreichsten Teile des Unternehmens haben es 2013 geschafft, fast 60 Prozent des Umsatzes durch den Kamin zu jagen.“

Oder in nackten Zahlen: Die elf „Proven Winners“ aus 70 Unternehmensbeteiligungen verbuchten 2013 bei Umsätzen von 757 Millionen Euro Verluste von 442 Millionen Euro. „Da will ich nicht wissen, wie die Proven Losers aussehen“, steckt Müller den Finger tiefer in die Wunde. Anleger dürften am Wochenende begonnen haben, sich über diese Fälle Gedanken zu machen.

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Alle Kommentare

  1. Als langjähriger Mitarbeiter von verschiedensten Rocket Internet Startups wundert mich das Scheitern an der Börse nicht. Undurchsichtige Strukturen, schlechte Arbeitsbedingungen und extrem niedrige Bezahlung für die kleinen Mitarbeiter trotz hoher Verantwortung (Resultat: Korruption). Extrem hohe Gehälter aber für die Manager, die selten älter als 25 Jahre sind und plötzlich Unternehmen mit hunderten von Leuten führen sollen.
    Die Samwer-Brüder sind nicht dumm, die werden auch weiterhin jede Menge Geld einsammeln. Denn sie sammeln in den meisten Startups ja jeweils auch noch heimlich zusätzliche Managergehälter ein. Wenn die Unternehmen unter Rocket Internet weiterhin so geführt werden, wie in der Vergangenheit, dann verlieren die Börsianer schnell die Lust auf die ständigen Hiobsbotschaften aus den einzelnen Startups.

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