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Viel Nebel und (zu) viele Klischees: der neue Konstanz-„Tatort“ im MEEDIA-Check

ARD/SWR Tatort, „Winternebel“
ARD/SWR Tatort, "Winternebel"

Der erste "Tatort" aus Konstanz nach der Sommerpause startet rasant. Obwohl die Geschichte es nicht schafft, die Spannung durchgehend zu halten und es dem Film gut getan hätte, auf ein paar Klischeekeulen zu verzichten, kann sich der Zuschauer auf einen handlungsreichen und rundum düsteren Krimiabend freuen.

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Die Story
Zwei Todesfälle, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben: Markus Söckle ist ertrunken und hat zuvor noch einen Schlag auf den Kopf bekommen; ein zweiter Mann wird von Klara Blums Schweizer Kollegen Matteo Lüthi in angeblicher Notwehr erschossen. Doch bei dem Toten werden weder eine Waffe noch Schmauchspuren gefunden. War Lüthi tatsächlich in einer Notsituation? Gleichzeitig macht Kai Perlmann bei den Ermittlungen im Fall Söckle eine Feststellung: Das Opfer war offensichtlich in die Entführung einer jungen Frau verwickelt – genau wie der von Lüthi erschossene Mann.

Die Story hinter der Story
Der „Tatort“ hat dieses Mal viele Erzählstränge, die zunächst scheinbar nichts miteinander zu tun haben. Doch vor allem ist er die Geschichte eines komplizierten, tief verwurzelten Familienkonflikts und einer Tochter, die verzweifelt gegen ihren reichen Vater rebelliert.

Der Satz zum Mitreden
„Was spricht man in der Sauna? Schwiitzerdütsch.“ – „Das fand ich schon im Kindergarten nicht lustig.“ Einer der wenigen Momente zum Schmunzeln in diesem ansonsten sehr ernsten „Tatort“. Und ein Witz, der auf der nächsten Party morgens um 02.00 Uhr bestimmt gut ankommt.

Was taugt das Drehbuch?
Zwei Leichen und eine Entführung innerhalb der ersten fünf Minuten: Der „Tatort“ startet rasant – vor allem im Vergleich zum eher langsam erzählten Kölner Fall von letzter Woche. Die Spannung kann sich über das erste Drittel des Films halten: zwei Kommissaren-Duos, ein gefrustetes Ehepaar, zwei Tote, ein entführtes Mädchen, ein alter Fall, der nie geklärt werden konnte und eine zwanghafte Ehefrau – der Zuschauer muss zu Beginn ganz schön aufpassen, um am Ball zu bleiben. Doch leider verpufft die Spannung im Mittelteil, hier wirkt es stellenweise, als habe sich der „Tatort“ zu viel vorgenommen und sei auf halber Strecke ermüdet. Schade – das Potenzial des Drehbuchs wurde hier nicht voll ausgeschöpft. Ansonsten spricht der Titel Bände: Die Zuschauer sollten sich auf eine durch und durch düstere Stimmung ohne heitere Momente einstellen. Ausnahme: Lüthi betrinkt sich am Wurst-Stand während im Hintergrund Helene Fischer trällert.

Pluspunkt:
Zum Glück endet die Geschichte ähnlich aufregend wie sie angefangen hat und macht die Durststrecke damit wieder gut – und ENDLICH zeigt auch Klara Blum Emotionen.

(Dicker) Minuspunkt:
Das Drehbuch wimmelt von Klischees: Der reiche Vater ist – natürlich – ein „Arschloch“, der seiner Tochter nie Liebe zeigen konnte und die Mutter sitzt passiv-depressiv in ihrem teuren, kalt eingerichteten Haus.

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Sind die Ermittler in Form?
Blum und Perlmann haben nichts miteinander zu tun. Sie feinden sich zwar kaum noch an, haben aber auch sonst so gut wie keine Interaktionen. Es wirkt, als hätten sie resigniert. Beide harmonisieren jeweils besser mit ihren Schweizer-Kollegen.

Mit diesen Hintergrundinfos können Sie punkten
Der Fall einer realen Entführung am Bodensee sorgte für Aufsehen: Der Vater eines getöteten Mädchens entführte den Täter 30 Jahre nach dem Mord und wurde 2014 zu einer Haftstrafe verurteilt.

Eher peinlich
Wenn zahlreiche Kommissare den Entführer in der Innenstadt stellen wollen und ihn dazu unauffällig beschatten, hat der Zuschauer kurz das Gefühl, er würde keinen „Tatort“ sehen, sondern „Emil und die Detektive“.

Offene Fragen
Welcher Autofahrer würde tatsächlich ein Mädchen, das offensichtlich auf der Flucht ist, einfach so per Anhalter mitnehmen?

Fazit
Der „Tatort“ will viel – vielleicht zu viel. Die Geschichte hat durchaus Potenzial, wirkt aber an einigen Stellen stark konstruiert und schafft es leider nicht, die Spannung vom Anfang durchzuhalten.

Einschaltsempfehlung auf einer Skala von 1 bis 10
7

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