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Ukraine und kein Ende: die verlorene Glaubwürdigkeit der ARD

Männer der Woche: Dr. Kai Gniffke, Friedrich Liechtenstein, Peter Würtenberger
Männer der Woche: Dr. Kai Gniffke, Friedrich Liechtenstein, Peter Würtenberger

Den fragwürdigsten Tweet zum Thema Google vs. Verlage in Sachen Leistungsschutz sonderte ausgerechnet Springers oberster Marketing-Mensch Peter Würtenberger ab. Die Zeit vermeldet Nichtigkeiten zu Friedrich Liechtenstein. Die ARD hat immer massivere Glaubwürdigkeitsprobleme in Sachen Ukraine und Wolfgang Büchner ist noch immer Spiegel-Chefredakteur - unser Wochenrückblick.

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Dieses Leistungsschutzrecht ist schon ein Wahnsinn. Da sind die beiden Medienunternehmen Axel Springer und Hubert Burda Media voll auf dem Digitalisierungstrip, da wird mit digitalen Geschäftsmodellen hantiert, dass einem ganz schwummrig wird. Und dann drücken die grauen Herren der Verlagskonzerne bei der Regierung dieses Leistungsschutzdingens durch. Und wenn Google jetzt sogar ihre aberwitzige Forderung erfüllt und ihre ach so wertvollen Snippets aus den Suchergebnisseiten entfernt, dann ist es auch nicht recht und die VG Media, in der die Pro-Leistungsschutz Verlage organisiert sind, jaunert was von “Erpressung” und “Diskriminierung”. Die Springers zum Beispiel die hatten doch drei ihrer Tiptop-Führungskräfte vor einiger Zeit ins Silicon Valley geschickt. Die sollten lernen, wie das so läuft im Mutterland der digital Eingeborenen. Einer von denen trägt jetzt Bart, von einem hört man eher wenig und der dritte sonderte zum aktuellen Google-Vorstoß in Sachen Snippets einen bemerkenswerten Tweet ab:

Äh nein, Herr Würtenberger, Google schmeißt  die “deutsche Presse” (was immer das auch sei) nicht raus. Die schmeißen bloß die Snippets raus, wie von Ihrem Hause verlangt. Nachdem Philipp Justus, Managing Director Google Germany das gerade rückte, twitterte der Chief Marketing Officer der Axel Springer SE erleichtert:

Man darf sich schon mal wundern.

Wunderbar ausgeruht dagegen erreichte mich diese Woche eine Vorabmeldung der Zeit. Diese Vorabmeldung war überschrieben mit “Friedrich Liechtenstein hat kein Handy”. Ja. Und? Vielleicht erfahren wir nächste Woche ja, was der supergeile Herr Liechtenstein noch so alles nicht hat.

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Jetzt aber noch einmal zu dem Thema Ukraine und die Medien, speziell die ARD, noch spezieller “Tagesschau” und “Tagesthemen”. Diese Woche hatte sich “Tagesschau”-Chefredakteur Kai Gniffke zunächst halbgar für Fehler der ARD-Aktuell Redaktion in der Ukraine-Redaktion entschuldigt. Bzw. er hat sich gerade explizit nicht entschuldigt, sondern verschwurbelt erklärt, warum die “Tagesschau” mal wieder alles richtig macht, auch wenn so einiges schief läuft. Blöd für Gniffke, dass tags darauf schon wieder ein dicker Klopper in Sachen Ukraine eine Reaktion erforderte. “Tagesthemen”-Moderator Thomas Roth entschuldigte sich sogar vor laufender Kamera. Ein äußerst ungewöhnlicher Vorgang für eine ARD-Nachrichtensendung. Ist man bei ARD Aktuell nun also doch auf dem Weg zu Transparenz? Denkste. In einem Beitrag bei Telepolis zur vermeintlichen ARD-Transparenz-Offensive kam eine weitere, wie soll man es nennen … Unschärfe in einem alten “Tagesthemen”-Beitrag zur Ukraine zur Sprache. Am 20. Mai rief der Oligarch Rinat Achmetow seine Mitarbeiter dazu auf, in der Donbass Arena im ostukrainischen Donezk für die Regierung in Kiew und eine einheitliche Ukraine zu demonstrieren. Ein Vorwurf gegen die ARD lautete nun, dass die “Tagesthemen” den Eindruck erweckten, dass es sich um eine Massendemonstration mit zehntausend Beteiligten handelte, während in Wahrheit nur wenige hundert Firmenangehörige des Oligarchen im fast leeren Stadion Fähnchen schwenkten. ARD-Mann Gniffke wies diesen Vorwurf in einem Forum-Kommentar zurück: „Wir haben nie behauptet, dass im Stadion Zehntausende Menschen waren. Schließlich haben wir dann ein ziemlich leeres Stadion gezeigt.“

Nun verwies der Rechtsanwalt und Telepolis-Autor Markus Kompa auf ein YouTubevideo, das die Aussage Gniffkes recht eindrucksvoll widerlegt. Zu sehen sind Ausschnitte der “Tagesthemen”-Sendung vom 20. Mai und Amateur-Aufnahmen, die das fast leere Stadion zeigen. Es wird in den “Tagesthemen” ein völlig falscher Eindruck erweckt. Dass ausgerechnet diese “Tagesthemen”-Ausgabe in der ARD-Mediathek nicht mehr abgerufen werden kann, trägt auch nicht zum Gefühl bei, dass es hier sonderlich transparent zugeht. Telepolis formuliert es in einem weiteren, lesenswerten Beitrag zum Thema sehr treffend:

 “Das macht keinen guten Eindruck und zeugt nicht von Transparenz, sondern von weiteren Versuchen, Fehler und Einseitigkeiten zu verschleiern.”

Dass man in diesem Fall geneigt ist, einem Video unklarer Herkunft aus dem Internet eher Glauben zu schenken als den “Tagesthemen”, das ist wirklich bitter.

Mit so düsteren Gedanken wollen wir aber nicht ins lange Einheitswochenende gehen. Schließen wir diesen Wochenrückblick also mit der traditionell heiteren Frage, wer eigentlich gerade Spiegel Chefredakteur ist. Endlich hat ein findiger Zeitgenosse die entsprechende Website “weristspiegelchefredakteur.de” aufgemacht. Ein nützlicher Service für Wolfgang Büchner, Mitglieder der Mitarbeiter KG Geschäftsführung und investigative Medienjournalisten. Einfach morgens nach dem Zähneputzen checken und – zack – weißte Bescheid.

Schönes Wochenende!

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Alle Kommentare

  1. Für mich ist diese „Glaubwürdigkeitskrise“, wie man einen Skandal verniedlichend benennt, ein Betrug am Bürger.
    Ich möchte von ÖR neutral und faktengemäß informiert werden und habe keine Lust einer Gehirnwäsche unterzogen zu werden, mit Desinformationen, meinungsbildenden Äußerungen und Weglassen von wichtigen Fakten drangsaliert zu werden, dafür bezahle ich KEINE Gebühren. Der volljährige Medienkonsument ist sehr wohl in der Lage, sich sein eigenes Urteil zu bilden aus FAKTEN-BERICHTERSTATTUNG !!! Und nicht aus Faktenerschaffung mit falschen Bildern, suggestiver Wortwahl ! Ein Beispiel ist die gekürzte Videoaufnahme mit dem abgeschossenen Hubschrauber, die man einmal für einen Bericht aus Syrien und einmal zur Beschuldigung der Seperatisten in der Ostukraine benutzte. Tatsächlich war das Ganze in Syrien passiert, wenn man das Video im Zusammenhang sieht und sehen konnte im Internet.
    Das ist für mich ein bewusster Betrug an den Medienkonsumenten und noch dazu vom „Bildungsträger ÖR“ ! Shame on you
    Das da Abhängigkeiten der Mainstream-Mediengilde existieren ist mir nicht erst, aber besonders seit der Ukraine-Krise total klar.
    Die ÖR sollten sich schämen ihren Auftrag, der ja gut dotiert ist, nur der politischen Elite gerecht nachkommen und intrigant Feindbilder in die Köpfe der Menschen einpflanzt und dafür noch von den Gehirngewaschenen Gebühren einzieht !

  2. Glaubwürdigkeitskrise.

    Zarte Untertreibung? Ein Leistungsschutzrechtsnutzungsgeprellter?

    Andichten?

    eine persönliche Abstandsangabe zwischen Tatsache und dem, was von Qualitätsmedien erfühlt wird.

    Vielleicht mal zur Auflockerung in eine Zitrone beißen.

  3. Ausgerechnet Ihr müsst aus Eurem Glashaus der ARD eine Glaubwürdigkeitskrise andichten. Ich erinnere nur mal an die von Euch verbreitete Falschmeldung zu „Nordkorea im WM-Finale“. Also haltet mal schön den Ball flach!

    1. Da ist aber jemand wieder auf eine Verschleierung reingefallen: Nordkorea war im WM-Finale (wie auch von diversen Medien richtig berichtet). Erst das US-Gericht in New York hat aufgrund der offenen Hedgefond-Zinsen dafür gesorgt, dass klammheimlich die Argentinier nominiert waren, um Wiedergutmachung zu leisten. Also: Ball flach halten.

      1. Dummes Geschwätz. Kannst Du das aufgrund GLAUBWÜRDIGER Quellen beweisen? Also nicht RT …

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