Nur Werber, Versicherer und Politiker schlechter: Journalisten in der Vertrauens-Krise

Bildschirmfoto-2014-10-01-um-11.51.49.png

Das Ansehen von Journalisten war nie das Allerbeste. Doch dass es gleich so schlimm um den Berufsstand bestellt ist...Der Verein der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hat Bürger aus 15 Ländern zum Ansehen verschiedener Jobs befragt. Das bittere Resultat: in Deutschland gehört der Beruf des Journalisten zu den Flop-Jobs. Auch Fußballer und TV-Moderatoren schneiden schlecht ab.

Werbeanzeige

Die laut Studie bei Deutschen am wenigsten anerkannten Berufe in der Übersicht:

 

Platz 10: Händler und Verkäufer

Immerhin schenkt noch ungefähr die Hälfte aller Deutschen (51,6 Prozent) Händlern und Verkäufern ihr Vertrauen. 

Platz 9: Unternehmer

Unternehmer ist ein weitgefasster Begriff. Vielleicht wegen der nicht eindeutigen Definition zeigen sich die Befragten eher verhalten. 51,1 Prozent aller Deutschen halten sie für vertrauenswürdig. 

Platz 8: TV-Moderatoren

Im Gegensatz zu Journalisten schneiden die Kollegen aus den TV-Studios noch besser ab. 47,7 Prozent der Deutschen schenken Fernseh-Moderatoren Vertrauen. 

Platz 7: Schauspieler

Der Job des Schauspielers ist das Schlüpfen in eine andere Rolle. Wirkt das wenig vertrauenswürdig? Offenbar: 56 Prozent der Deutschen misstrauen den Künstlern.

Platz 6: Banker und Bankangestellte

Für den Ruf der Finanzdienstleister ist Platz Nummer 6 der am wenigsten anerkannten Berufe noch eine erstaunlich gute Platzierung. Aber nur noch 39,1 Prozent der Deutschen halten sie für authentisch. 

Beliebte und unbeliebte Jobs: Deutschland-Ranking
Beliebte und unbeliebte Jobs: Deutschland-Ranking

Platz 5: Profisportler, Fußballer

38,8 Prozent Ansehen: Liegt es am vielen Geld, das Fußballer verdienen? Oder an der ein oder anderen negativen Schlagzeile? Die Deutschen halten die Protagonisten des Lieblingssports auf jeden Fall für weniger vertrauenswürdig als ihre Banker.

Platz 4: Journalisten

Ukraine-Berichterstattung, Sparmaßnahmen in Verlagen, Skandalisierung: Es gibt viele Gründe, weshalb es derzeit nicht so gut bestellt ist um den Job des Journalisten. Nur 37 Prozent der Deutschen erkennen das Berufsbild des Journalisten noch als vertrauenswürdig an. 

Platz 3: Werbefachleute

Nach dem Job des Journalisten kommt nicht mehr viel. Direkt nach ihnen im Misstrauens-Ranking kommen Werbefachleute (26,6 Prozent Vertrauen). 

Platz 2: Versicherungsvertreter

Ebenfalls auf dem Podium finden sich Versicherer wieder. Schlappe 19,4 Prozent der Deutschen stufen den Beruf als vertrauenswürdig ein. 

Platz 1: Politiker

Ausländer-Maut, Berliner Flughafen, Freihandelsabkommen: In vielen Bereichen verspricht die Politik viel, was sie letztlich nicht einhält. Vom Wähler wird das bestraft. Nur 15,1 Prozent der Deutschen schenken den Politikern noch Vertrauen.

Die Studie gibt nicht nur Auskunft über die am wenigsten anerkannten Berufsfelder, sondern verrät auch, welche Jobs besonders gut angesehen werden. Am besten schneiden helfende Berufe ab. Feuerwehrmänner, Sanitäter, Ärzte, Pfleger erreichen auf allen Kontinenten Spitzenpositionen. Die Deutschen schenken auch Piloten und Apothekern großes Vertrauen. Alle Ergebnisse der GfK Trust in Professions 2014 finden Sie hier.

Werbeanzeige

Alle Kommentare

  1. In der Umfrage fehlt die Gruppe der Umfrager und Meinungsforscher. Die müsste meiner Ansicht nach auf nem Sonderplatz, noch hinter fußballspielende Manager mit Kontakten zur Politik, stehen. Die Umfrage ist doch Humbug. Denn, wer heute noch einem Arzt vertraut, aber .. der ist eh verloren.

    1. Die Gruppe der Meinungsforscher ist im verlinkten Dokument der GfK auf Seite 10 zu sehen. Ich würde sagen, der Durchschnitt liegt bei ca. 50-60% Vertrauen, wobei mich interessieren würde, warum man nun gerade in Japan (letzter Platz, 32%) so extrem skeptisch ist. Ob das eine Folge der Fukushima-PR ist, die irgendwie nicht gefunzt hat? Oder ist das was „traditionell“ japanisches, Leute doof zu finden, die fragen wie man dies und das findet?

      Krass ist aber auch Südafrika. Die Vertrauen allen außer Versicherern und Polizisten mit über 60%. Man könnte Südafrika als eine Art Bullshitjob-Index nehmen: alles, was da unter 60% fällt, darf offiziell als Hintertreppenjob bezeichnet werden…. 🙂

      Wieso zumindest in D man den Ärzten noch so viel Vertrauen schenkt, verstehe wer will. Wobei: letztens verkündete ja die Ärztekammer, das auch das Organspendeding nur von einigen, vielleicht hie und da etwas gröberen, Fehlern geprägt war und ansonsten alles Einzelfälle. Höchstens gab es „Manipulationen“, damit jemand schneller auf der Liste nach oben rückte. Freilich wird nicht gesagt, was das für Manipulationen waren – ob man wichtige Kennzahlen nur auf dem Papier verändert hat oder doch gleich im Patienten (zb. Herzpatient eine Substanz verabreicht, die den Herzschlag bedrohlich herabsenkt und ihn damit akut macht). Glücklicherweise ist auch die medizinische Durchschnittsbildung in Deutschland kein Dauerthema bei RTL und Co uns so muss hier niemand mehr erklären.

  2. „37 Prozent der Deutschen erkennen das Berufsbild des Journalisten noch als vertrauenswürdig an“

    37 % halten die korrupten Presse- und Medien-Huren für „glaubwürdig“ – Real-Satire ???

    Diese kriminellen Lohn-Schmierer sind zu 1000 % unglaubwürdig.

    „Wenn man die sämtlichen Journalisten, wie sie da sind, ins Zuchthaus sperrte, würde man gewiss nicht so viele Unschuldige hineinsperren, als jetzt schon im Zuchthaus sitzen.“

    Christian Friedrich Hebbel

    1. Schade, dass Verschwörungstheoretiker kein anerkannter Beruf ist. Sie hätten sicher 100-prozentiges Vertrauen quer durch alle Bevölkerungsschichten.

  3. Interessanterweise sind genau diejenigen Kreise, die Journalisten massiv fördern (und damit im Ergebnis immer unglaubwürdiger werden lassen), dieselben, die letztlich von einer zerstörten oder schwachen Medien- oder Journalistenmacht profitieren.

    Diese ganzen journalistischen Netzwerke und „Elitezirkel“ und natürlich noch weitere ähnliche Faktoren fördern den Journalismus nicht, sie machen den Journalismus kaputt.

  4. Beruht alles auf Gegenseitigkeit.

    Wenn man Politiker (dann wohl nur unter Folter) befragen könnte, wen sie am meisten verachten, dann erhielte der Normal-Bürger wohl seinen Spitzenplatz.

    Ähnlich verächtlich scheinen Journalisten auf das gemeine Volk herabzusehen.

    Beide Gruppen vereint die Überzeugung, zu denjenigen zu gehören, die alles wissen und erklären können, und für andere vordenken zu müssen. Daher herrscht bei uns das Gegenteil von Demokratie. Wir sind eine abzuwickelnde Gesellschaft der Unbefragten, der kalt Entmündigten.

    Politiker und Journalisten sehen sich als Elite.

    Die unterlaufene, entkernte Demokratie (Konsens-Parteien) hat keine Möglichkeit, sich friedlich (per Wahl also) dagegen zur Wehr zu setzen. Sie hat nur noch die Entfaltung der normativen Kraft des Faktischen auf seiner Seite.

    Es ist spannend.

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werbeanzeige

Werbeanzeige