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„Ein Fall fürs All“: Priols außerirdische Humor-Bruchlandung

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Die Sterne könnten kaum günstiger stehen, immerhin erlebt die politische Satire hierzulande gerade ein gewisses Comeback. In den langweiligen GroKo-Zeiten nehmen viele Zuschauer die „heute Show“ als einzige echte Opposition wahr. Zudem legt sich „Die Anstalt“ mittlerweile öffentlichkeitswirksam mit "den Mainstreammedien" an. Beste Chancen also, mit Urban Priols "Ein Fall fürs All" gleich noch eine weitere Satire-Säule ins ZDF-Programm zu ziehen. Doch statt eine Humor-Rakete zu zünden, legten Kapitän Priol und seine Crew eine echte Bruchlandung hin.

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Bereits das Setting der neuen Sendung ist etwas kompliziert. Im Auftrag einer intergalaktischen Konföderation fliegt Priol (der Mann mit den lustigen Strubbelhaaren), der eigens für das neue Format seine Erfolgssendung „Neues aus der Anstalt“ verließ, zur Erde. Als Bordtechniker und Assistent hat er Alfons (der Franzose mit dem lustigen Puschelmikro) dabei. „Die da oben wollen wissen, was hier unten los ist“, erklärt Priol. „Wir sollen Inventur machen“. Denn immerhin mache sich die Konföderation „Sorgen um die Erde“.

Nach wenigen Minuten zeichnet sich jedoch schon ab, dass sich eher der Zuschauer Sorgen um die Sendung machen sollte. Das ganze Konzept erinnert viel zu sehr dem TV-Kabarett-Schema F. Man nehme ein mäßig lustiges Grund-Setting. Dort darf jeder der Teilnehmer dann einen vermeintlich lustigen Monolog halten. Verbunden werden die Solo-Nummern von sketchartigen Gruppenszenen. So funktionierte schon Dieter Hildebrands „Scheibenwischer“ und auch „Die Anstalt“ folgt dieser Logik. Allerdings ist dieses Setting noch lange kein Garant für vergnügliche 45 Minuten.

„Miss Management trifft Miss Erfolg“

Denn den beiden Besuchern vom Rande der Galaxis fehlt es an der wichtigsten Grundsubstanz für gutes politisches Kabarett: der Wut. Ein wütender Kabarettist hat es viel leichter, lustig zu sein.

Leider bietet schon das Grundkonzept der Show wenig Raum für Zorn. Denn: Warum sollten sich zwei Besucher aus dem All über die Verhältnisse auf der Erde ärgern? Es kann ihnen egal sein, dass von der Bundeswehr keine Bedrohung mehr ausgeht, weil alle Waffen eh nicht einsatzfähig sind oder dass die Reichen immer reicher werden.

Einzig als sich Urban Priol über die Verteidigungsministerin echauffierte, wurde es witzig. Immerhin sei sie „die letzte Blendgranate im Depot der Bundeswehr, die noch funktionstüchtig ist“. Ein Treffen von Angela Merkel mit Ursula von der Leyen fasst er knapp zusammen: „Miss Management trifft Miss Erfolg“.

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Die Bild als „Lobby und Primatenfachblatt“

Ansonsten gab es ein wenig Medienschelte, als die Bild als „Lobby und Primatenfachblatt“ verspottet wurde. Zudem merkte Priol an, dass der „Boulevard schon längst auf den Weg“ sei „die Demokratie zu übernehmen“.

Das war es aber schon. Lichtblick dieser lahmen Pointen-Revue war der Franzose Alfons. Mit seinem larmoyanten Charme kommentierte er die Geschehnisse auf dem Planeten Erde. Allerdings tourt er auch schon seit über zehn Jahren mit seiner Kunstfigur durchs deutsche TV. Da kann man kaum Überraschendes erwarten.

Die Senderverantwortlichen dagegen haben sicherlich mehr von „Ein Fall fürs All“ erwartet. Wenn schon keine Quoten-Rakete, so sollte die neue Priol-Sendung wenigstens ein Gag-Feuerwerk abbrennen und so mittelfristig dem Problem-Dienstag der Mainzer etwas Schub geben. Die erste Sendung war aber eine Bruchlandung. Da konnte selbst Welt-Satiriker und Ex-Titanic-Macher Hans Zippert, der zum Autorenteam der neuen Sendung gehört, nichts retten.

Sollte Douglas Adams recht haben und eine – wie auch immer geartete – interstellare Konföderation planen, die Erde wegen einer intergalaktischen Schnellstraße zu sprengen, lieferten Priol und Alfons kaum Argumente, den blauen Planten zu verschonen.

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Alle Kommentare

  1. Urban Priol ist auf dem Niveau von Nuhr und den schlechten Zeiten der heute-show angekommen… wenn die nächste Sendung nicht besser wird, sehe nicht nur ich für ihn schwarz.

  2. Scharfsinn gepaart mit Scharfzüngigkeit. Das macht Satire doch erst aus! Urban Priol
    ist in der Hinsicht einzigartig und kompromisslos, danke dafür!

  3. Das war kein politisches Kabarett, das war höchstens politischer Klamauk und eines Urban Priol nicht würdig.

  4. Eine erbärmliche Veranstaltung! Sehr wahrscheinlich haben sich die Verantwortlichen mächtig auf die Schulter geklopft für diesen Blödsinn!
    „Comedy“ ist für deutsche Fernseh-Schaffende ein Synonym für „Die schnelle Mark“!
    Sendet bitte lieber Werbung!!

  5. Komik und Satire geht anders.
    Schade, Urban Priol.
    Nach 30 Minuten war für mich Schluss mit der Quälerei.

  6. Okay, wir haben Urban Priol schon besser erlebt, sowohl was die Pointen betrifft als auch das Temperament plus Themen, und er war einfach das Aushängeschild der „Anstalt“, die mir seitdem nicht mehr gefällt. Aber die zwei düsen ja auch erst seit kurzem durchs All, also besteht noch Hoffnung, daß das Ganze bissiger und vielfältiger wird. Sollte es allerdings weiter so seicht dahinplätschern, sehe ich schwarz.

  7. Bin überhaupt nicht der Meinung, dass „Ein Fall fürs All“ eine Humor-Bruchlandung gewesen sein soll. Priol und Alfons waren genial. Wortwitz, pointierte Ansage und, na gut, ein wenig zuwenig Wut. Wenn man sich die Weichspülung in der Entwicklung „Neues aus der Anstalt“ ansieht, erinnert „Ein Fall fürs All“ an die Anfänge eben dieser Anstalt.

    1. Die Anstalt unter Claus von Wagner und Max Uthof „weichgespült“?
      Da haben Sie nichts verstanden oder die Sendung vom 23.9. verpasst….

    2. allemal besser als „Neues aus der Anstalt“, dass man mittlerweile – ebenso wie die „heute show“ – in die Tonne kloppen kann. Müde Gags, vorhersehbare Pointen. Das haben Utoff und Wagner aus der Anstalt gemacht. Traurig genug.

      Aber das es bei Satire eben genau nicht um „ein Gag-Feuerwerk“ geht, dass hat anscheinend der Autor dieses Artikels nicht verstanden. Es gibt einen Unterschied zwischen Comedy und Satire, und der besteht genau darin, dass das eine platte Witze sind und das andere ausgefeilter Witz anhand von genauem Beobachten. Darüber muss man sich nicht vor Lachen bepinkeln und vor allem ist Satire nicht für Gags gemacht.

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