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Nach Bentgate-Video: Apple boykottiert Computer Bild, Magazin reagiert mit Brief an Tim Cook

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Neue Eskalationsstufe im Fall #bentgate. Nachdem die Computer Bild in einem Video gezeigt hat, dass sich das neue iPhone 6 Plus verbiegen lässt, hat Apple dem Magazin offenbar Testgeräte und Einladungen zu Events gestrichen. Die Computer Bild spricht von "Einschüchterung" und reagiert mit einem offenen Brief an Apple-Boss Tim Cook.

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Das Video des Springer-Magazins ist durchaus eindrucksvoll: Computer-Bild-Chefredakteur Axel Telzerow verbiegt darin mit überschaubarer Kraft ein neues iPhone 6 Plus. Das Telefon bleibt in seinem verbogenen Zustand und verabschiedet sich wenige Minuten nach dem Verbiegen. Kein schöner Videobeweis für Apple. Auf YouTube fand das Video in fünf Tagen knapp 400.000 Zuschauer.

Das Unternehmen Apple reagierte auf das Video nicht mit Erklärungen, sondern laut Computer Bild mit dem Hinweis, „die Redaktion erhalte ab sofort keine Testgeräte mehr und werde nicht mehr zu Events eingeladen.“ Die Nerven liegen offenbar also blank.

Die Computer Bild wiederum reagiert nun offensiv auf die Benachteiligung wegen kritischer Berichterstattung. In einem offenen Brief an Apple-Chef Tim Cook äußert sich Axel Telzerow unverblümt:

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„Lieber Herr Cook – stellen Sie sich so den Umgang mit kritischer, unabhängiger Presse vor? Glauben Sie ernsthaft, wir würden uns von Ihrem Liebesentzug einschüchtern lassen? Zum Glück sind wir auf Ihre Testgeräte nicht angewiesen. Denn unsere vielen Leser ermöglichen mit ihrem Kauf von Computer Bild, dass wir auch dann Geräte unabhängig testen, wenn Hersteller Angst vor unserem Urteil haben. Auch wenn wir über Ihre Reaktion ehrlich bestürzt und verärgert sind, weichen wir keinen Millimeter von unseren Grundsätzen ab: Wir machen ehrliche Tests, auch beim neuen iPhone.“

Ob der Apple-Boykott der Computer Bild aus den USA gesteuert wurde, ist allerdings fraglich. Die Computer Bild spricht von einem Herrn aus der deutschen Apple-Niederlassung, der den Boykott am Telefon ausgesprochen hätte. Ein offizieller Apple-Mitarbeiter war es also offenbar durchaus.

Der Fall ist ein weiteres Beispiel dafür, wie sehr Redaktionen wegen kritischer Berichte oft unter Druck gesetzt werden. Insbesondere wenn man sich in Journalistenkreisen umhört, wie geehrt sich mancher fühlt, zu einem Apple-Event in die USA eingeladen zu werden, dürften solche Drohungen ihr Ziel bei vielen nicht verfehlen. Spanend wird nun, wie Apple wieder aus der Computer-Bild-Affäre heraus kommt, oder ob man den Boykott tatsächlich aufrecht erhält.

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Alle Kommentare

  1. „Warum biegt der Chefredakteur das Samsung Smartphone nicht an genau den selben Punkten, wie das Iphone??“

    Korrekt.

    „Dass das iPhone 6 Plus wegen seiner Alu-Hülle leicht zu verbiegen ist, ist ein offensichtlicher Makel – der auch gezeigt werden muss.“

    Bullshit. Alu ist ein Leichtmetall, jeder weiß um die Beschaffenheit. Hinzukommt die Länge des 6 Plus und hier wird – mit unnötiger Gewalt – an den offensichtlichen Schwachstellen gedrückt. Aber wer es unbedingt darauf anlegt, bitte. Ich habe in meinem Freundeskreis 3 Personen mit 6+ und alle tragen das Gerät in der vorderen Hosentasche, es hat sich nix verbogen. Niemand, auch ich nicht, sagt, dass sich das Gerät nicht verbiegen lässt, aber wer es herausfordert ist selbst schuld. Wer (teure) Alufelgen besitzt weiß dass es sinniger ist, wenn man nicht unmittelbar in der Nähe einer Bordsteinkante parkt. Warum? Aus Gründen!

  2. Wenn man nicht zu PR-Veranstaltungen eingeladen wird und sich die Geräte offenbar auch anders beschaffen kann, da ist doch die Pressefreiheit noch nicht in Gefahr?! Oder soll ich jetzt denken, dass das Journalisten bereits einschüchtert? Versteh ich null.

  3. Nur zur Info: Das getestete Exemplar war kein Testgeräte von Apple, sondern mit viel Mühe am Freitag 19.9. für 799 Euro gekauft. Im übrigen haben die neuen iPhones trotz Bentgate Samsung von Platz 1 der Bestenliste verdrängt, es geht also keineswegs um Bevorzugung eines Herstellers. Wenn Journalisten es zulassen von Firmen nach Gutdünken bzw. nach Meinung vorselektiert zu werden, ist es mit der Unabhängigkeit schnell vorbei. Firmen wie Apple haben längst viel zu viel Macht – und wir Medien spielen das Spiel viel zu sehr mit…

  4. @Silvio: Weil Tech-Blogger in den Staaten das bereits gemacht haben und – siehe da – das S 5 hat sich nicht verbogen. Im übrigen waren es auch Tech-Blogger in den Staaten, die zuerst das I 6 gebogen haben. Weil – @ Han Solo – User sich beschwert hatten, dass bei Unvorsichtigkeit mit dem I 6 in der Gesäßtasche sich dies verbogen hatte. So viel zu realistischen Test-Bedingungen.
    Bei aller Distanz zur Bild-Gruppe lassen es einige deutlich an Distanz zu Apple fehlen. Nicht jeder trägt das überteuerte Gadget in Watte verpackt, es gibt Leute, die strapazieren es richtig.

  5. objektive Berichterstattung???
    Warum biegt der Chefredakteur das Samsung Smartphone nicht an genau den selben Punkten, wie das Iphone??
    Wohl wissend, welche Punkte am Iphone am schwächsten und beim Samsung am stabilsten sind
    🙂
    Kritische unabängige Presse?
    Oder eher manipulativer Journalismus?!
    😉

    Ich persönlich würde mich schämen, von ehrlichen Tests zu sprechen…

  6. Seit wann ist die Computer Bild unabhängige Presse? Es ist einfach, wer sein Iphone in der Hosentasche verbiegt kann nur ein kompletter Vollidiot sein. Und ein Handy vorsätzlich zu verbiegen und sich dann zu wundern das es sich verbiegt, sich dann darüber öffentlich aufzuregen und dies auch noch in einer journalistisch fragwürdigen Publikation zu verbreiten, nuja, das ist eben Springer Dreck.

    Wieso glauben Presse und Blogs das der Journalismus sich alles im Namen von irgendwas alles erlauben kann?

    Meedia scheint Springer zu gehören. Wird Zeit das herauszufinden.

  7. Warum hat Computerbild „versehentlich“ das Sony Xperia vergessen, welches beretis im Januar ein #bendgate hatte?!?!?! Das wäre dann journalistisch einwandfrei gewesen. So war es ein gewolltes Werbevideo für Samsung! Aber auf diesem Trip scheint seit einigen Monaten die gesamte BILD-Gruppe zu sein

  8. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich weder ein Apple-Hater, noch ein Befürworter deren Produkte bin. So verhält es sich auch mit der Computerbild und vor allem dem Schlagnamen „Bild“, der ja oft in Verbindung mit schlechtem bzw. dramatisiertem Journalismus gebracht wird. Neutral betrachtet sehe ich hier aber ganz einfach die Freiheit der Presse in Gefahr. Natürlich ist ein Magazin mit der Auflage der CB in der Lage, sich die Geräte auch selbst zu beschaffen. Aber der Druck wird hier vor allem, unterschwellig, auf die Kleinen ausgeübt.

    Kleine Web-Magazine oder Technik-Blogs, die Abhängig von Event-Einladungen und Bemusterung, Exklusiv-Informationen und Pressemeldungen sind. Hier zeigt Apple einfach anhand eines Exempels, wie man auf Negativpresse bei seinem neuen Goldjungen reagiert. Das Video von CB war in keiner Weise Anstößig, wie es auf YouTube gerne der Fall ist. Die beiden Tester sind sogar recht nüchtern mit diesem Fakt umgegangen. Anstatt aber öffentlich zu gestehen, dass man sich einen „Bock geschossen hat“, droht man unterschwellig mit Restriktionen indem man einen Partner fallen lässt.

  9. Da macht einer mutwillig ein teures Gerät kaputt und bläst sich dann zur verfolgten Pressefreiheit auf, wenn ihm gesagt wird, er bekommt keine mehr.

    1. Das ist gar nicht der Fakt. Rein zu Testzwecken muss ein Gerät sowieso einer Belastungsprobe ausgesetzt werden – auch das gehört zur Kaufempfehlung mit dazu. Dass das iPhone 6 Plus wegen seiner Alu-Hülle leicht zu verbiegen ist, ist ein offensichtlicher Makel – der auch gezeigt werden muss.

      1. ein sog. Test sollte aber unter „realisitschen Bedingungen“ durchgeführt werden… d.h.:

        1. Wieviel Kraft wird maximal an den Angriffspunkten in der Hosentasche zu erwarten sein

        2. Am ganzen Gerät testen ob es der kalkulierten Kraft standhält

        Fundiert bedeutet NICHT ich nehme ein Gerät in die Hand und versuche es auf „biegen und brechen“ zu verbiegen. JEDEM der auch nur eine Stunde Physik gehabt hat sollte doch wohl klar sein dass je größer das Gerät ist, desto weniger kraft braucht man um das ganze zu verbiegen, die andere Frage ist wieso ich soeinen Test überhaupt mache, denn 1. sind die kräfte die durch diesen „Test“ ausgeübt werden fast 10x so hoch wie der normale Druck in einer Hosentasche und 2. wenn man das expermient von zwei verschiedenen menschen durchführen lässt, haben diese evtl unterschiedliche techniken oder sind unterschiedlich stark -> kein fundierter test das ist ein weiterer Beweis dafür was für ein Käseblatt die ganze Bild doch eigentlich ist.

  10. „Spannend wird nun, wie Apple wieder aus der Computer-Bild-Affäre heraus kommt (…)“

    Zum einen: Spannend ist es nicht. Spannend wird es auch nicht.

    Zum anderen: Den Begriff Affäre wünsche ich mir in diesem Zusammenhang noch etwas näher erklärt. So ganz ohne nähere Infos wirkt es sonst etwas aufgebauscht, seitens Meedia.

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