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Facebooks Cookie-Killer Atlas: der verschärfte Kampf um Kundendaten

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Pünktlich zur New Yorker Werbemesse Advertising Week stellt Facebook sein neues Display-Netzwerk Atlas vor. Bei dem Dienst, der auf der gleichnamigen Ad-Server-Technik basiert, die das Social Network 2013 für 100 Millionen Dollar von Microsoft übernommen hatte, dürfte Konkurrent Google ganz genau hinsehen. Und was die Suchprofis sehen, dürfte ihnen nicht gefallen. Genauso wenig wie den Hamburger Datenschützern, die jetzt mit einer förmlichen Verwaltungsanordnung gegen Google vorgehen.

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Facebook verspricht seinen Kunden, dass es mit Atlas möglich sei, einem speziellen Nutzer über verschiedene Geräte hinweg zu folgen bzw. ihm jeweils passende Werbung auszuspielen. Atlas weiß, wer gerade ein bestimmtes Handy oder einen bestimmten Rechner benutzt. Dort lässt sich dann in Webseiten oder Apps zielgerichtet Werbung einspielen. Möglich wird dies, in dem Atlas nicht mehr auf die Daten von Cookies, die überwiegend auf PCs gespeichert sind, zugreift, sondern auf anonymisierte Daten, die direkt von Facebook zugespielt werden. Dem Netzwerk ist es an dieser Stelle wichtig klarzustellen, dass man nicht auf die Facebook-ID zugreife.

Die Logik dahinter ist einfach: Sobald ein Nutzer über ein bestimmtes Gerät beim Social-Network eingeloggt ist, wird es sich mit ziemlicher Sicherheit auch um diese Person handeln. Sollte ein anderer Nutzer den Rechner benutzen, würde er sich recht schnell mit seinem Login bei Facebook anmelden. Durch die Verknüpfung von „Gefällt mir“-Button und weiteren Social-Plugins besitzt Facebook längst schon sehr umfangreiche Datensätze und Profile zu den meisten seiner Mitglieder. Diese lassen sich dank Atlas nun noch besser für Werbezwecke nutzen.

Dass das System ein gewisses Potential zu haben scheint, zeigt die Liste der ersten Kunden. Zu den Launchpartnern zählen Intel und Pepsi. Zudem hat die Werbeholding Omnicom gleich einen agenturweiten Deal mit dem Display-Netzwerk abgeschlossen.

Das neue Display-Netzwerk ist eindeutig auch als Frontalangriff auf Google zu sehen, denn das weltweit größte Social Network weiß deutlich mehr über seine Kunden als die Suchmaschine. Zudem setzt Google noch immer auf Cookies.

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Selbst wenn Google weit weniger über seine Nutzer weiß als Facebook sind die deutschen Datenschützer noch immer der Meinung, dass die US-Company zu viele Informationen sammeln würde. So will der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar Google dazu zwingen, wesentliche Änderungen bei der Verarbeitung von Nutzerdaten vorzunehmen. Dazu setzt er nun auf eine förmliche Verwaltungsanordnung. Diese soll Google dazu verpflichten, Daten aus der Nutzung unterschiedlicher Google-Dienste „nur unter Beachtung der gesetzlichen Vorgaben zu erheben und zu kombinieren“.

Denn nach Auffassung der Datenschutzbehörde greife die bisherige Praxis der Erstellung von Nutzerprofilen „weit über das zulässige Maß hinaus in die Privatsphäre der Google-Nutzer ein“. Seit zwei Jahren untersucht Caspers mit seinen Kollegen bereits, ob die Verarbeitung der Nutzerdaten von Google den Gesetzten entsprechen würde. Interessant wäre die Frage, zu was für einem Ergebnis die Hamburger Datenschützer kommen würden, wenn sie sich Facebook genauso gründlich vornehmen würden.

Währenddessen reagiert auch Google auf die neuen mobilen Surfgewohnheiten und präsentiert seine neue Werbeform der „Engagement Ads“. Mit Hilfe von Links, Videos oder Bildern soll die bislang sehr langweilige Mobile-Werbung aufgepeppt werden.

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