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Kritiker über Jauchs Islam-Talk: „Sendung lief völlig aus dem Ruder“

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Was für ein Comeback aus der Sommerpause: Gleich die erste Sendung der neuen TV-Saison ist Günther Jauch so richtig misslungen – zumindest nach Einschätzung der meisten TV-Kritiker. Nach Meinung von Bernd Gäbler im Tagesspiegel lief die Talk-Show "völlig aus dem Ruder". Denn Jauch kam vor allem nicht gegen Salafisten-Prediger Abdul Adhim Kamouss an.

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In der Welt kommentierte Ralf Dargent: „Die Rückkehr aus dem Urlaub hätte für Jauch nicht schlimmer ausfallen können“. Denn ein „redewütiger Imam erwischte ihn auf dem falschen Fuß“.

In der Bild kommt Andreas Thewalt zu dem Schluss: „Der ebenso obskure wie redegewandte 37-Jährige Quassel-Imam redete ohne Punkt und Komma, fiel anderen ins Wort, gestikulierte wild, ließ sich auch von Jauch nicht stoppen.“ Gegenüber der Bild sprach Nobert Bolz gar von einem „Super-TV-GAU“. Denn gegen eine solche Propaganda-Maschine wie den Salafisten-Prediger käme eine Talkshow nicht an. „Auch wenn sie ihn in der edlen Absicht einladen, ihn zu entlarven. Das funktioniert in einer Talkshow nicht, denn dort gewinnt immer der, der am lautesten redet und sich an keine Regeln hält. Auch wenn da jemand den größten Schwachsinn redet, kommen sie mit Argumenten dagegen nicht an. Wenn sie da Goebbels einladen, gewinnt der da auch immer.“

Bei FAZ.net schreibt Frank Lübberding, dass Jauch vor Abdul Adhim Kamouss „kapituliert“ hätte. Der Gast hätte ihn wohl einfach an die Wand geredet. Ihn erinnerte Kamouss allerdings bisweilen an den Jesuiten und Wanderprediger Johannes Leppich, „der wegen seiner Wortgewalt in den 1950er Jahren das ‚Maschinengewehr Gottes‘ genannt worden war. Das ‚Maschinengewehr Allahs‘ wäre aber sicher angesichts heutiger Umstände eine unpassende Titulierung.“

Bernd Gäbler, Tagesspiegel: „Jauch fehlt Material wie argumentative Kraft, um mit Abdel Adhim Kamouss fertig zu werden. Er macht ihm die Sendung kaputt, sie läuft völlig aus dem Ruder.“ Gäblers Fazit: „Günther Jauch schließt die Sendung. Das sei ein ’schwieriges Thema‘ gewesen: ‚Eine Stunde mehr Sendezeit hätte dem Thema gut getan.‘ Um Gottes willen! Gut getan hätte dem Talk stattdessen ein präzises Thema, dazu passende Gäste und eine zupackende,  strukturierende Moderation.“

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Bei stern.de schreibt Sylvie-Sophie Schindler: „Spätestens nach der ersten Viertelstunde wurde klar: Das Talkshow-Fiasko ist nicht mehr zu stoppen. Jauch mag Publikumsliebling sein und kann drollige Quizfragen stellen, alles gut, alles prima, aber just an Themen dieser Couleur beweist sich, wer zu den Meistern seines Fachs gehört. Jauch tut es nicht.“

Am wütendsten kommentierte Roland Tichy den ARD-Talk. Auch er ärgerte sich vor allem über Kamouss: „Da grinste von Anfang an ein Imam in die Kamera, selbstgewiß und überheblich und es wurde nicht besser. Er brüllte, geiferte, fuchtelte mit den Händen, unterbrach gnadenlos jeden, der ihm widersprach“. Tichy kommt zu dem Schluss: „Es war eine großartige Sendung. Sie hat gezeigt, wie schamlos die Gewaltmuslims die Wahrheit verdrehen, nennen wir es: uns belügen. Wie Journalisten wie Buchen das bereitwillig glauben, zu ihrer eigenen Sache machen, sich auf die Seite der Mörderbanden stellen.“

Einen Tag später nahm immerhin der Talk-Show-Teilnehmer Wolfgang Bosbach Jauch in Schutz. Gegenüber Focus.de sagte er: „Günther Jauch hat versucht, aus einer schwierigen Situation das Beste zu machen. Beim Thema der Sendung war das Dilemma vorhersehbar: Verzichtet man auf die Einladung eines Protagonisten der salafistischen Szene, kommt der Vorwurf, dass man nicht über das Thema sprechen könne, ohne einen Repräsentanten einzuladen. Kommt ein Vertreter der Szene, ist mit einem beeindruckenden Redeschwall zu rechnen, aber immer haarscharf an Thematik und Problematik vorbei.“

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Alle Kommentare

  1. Mit Herzklopfen ging ich nach dieser Sendung zu Bett, so hat mich dieser „friedliebende“ Muslim verängstigt. Das Gefühl überrollt und niedergebügelt zu werden und sich in einer demokratischen Auseinandersetzung nicht mehr erwehren zu können, hat mich tagelang verfolgt. Es handelt sich meiner Meinung nach schon lange nicht mehr um Religion sondern um Agitation und Machtergreifung. Wie soll die Entwicklung weitergehen, wenn jetzt schon im Fernsehen (eine Anstalt des öffentlichen Rechts) vom Moderator und den anderen Diskussionsteilnehmern schwächlich die Segel gestrichen werden?

    Ein Trost sind mir Türken, die ich aus dem Alltag kenne um die ich in vielen Dingen sehr schätze.

    B.K.

  2. Wenn Moderatoren/Innen mehr Zeit in der Maske verbringen als beim Studieren der Fakten, dann läuft jeder TV-Talk aus dem Ruder. Dem Iman sei Dank (Nur in dieser einen Sache). Er offenbart das eklatante Defizit deutscher Moderatoren, die ich eher als Selbstdarsteller/Innen bezeichnen möchte.

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