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„Tatort“ über Single-Börsen: tödliches Rendezvous mit dem „Zauberer“

Geheimnisvoller Chat mit dem „Zauberer“: Gabi (re.), die neue Assistentin von Ballauf und Schenk, nimmt Kontakt mit dem unbekannten Verdächtigen auf.
Geheimnisvoller Chat mit dem "Zauberer": Gabi (re.), die neue Assistentin von Ballauf und Schenk, nimmt Kontakt mit dem unbekannten Verdächtigen auf.

Das "Tatort"-Team aus Köln gehört seit langem zu den erfolgreichsten TV-Ermittlern. Diesmal dringen Max Ballauf und Freddy Schenk ins Milieu der Partnervermittlungen ein, bei denen "Wahre Liebe" (so der Titel der Episode) vor allem die Ware Liebe ist. So gemächlich der Fall in Gang kommt, so spannend wird's später, bis sich die Ereignisse geradezu überschlagen.

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Die Story

Die renommierte Kupplerin Natascha Klein wird als „Liebes-Päpstin“ gefeiert. Ihre Partneragentur „Lovecast“ hat soeben den zwanzigmillionsten Kunden in die Kartei aufgenommen. Ihr Erfolgsrezept ist ein Algorithmus, der zu jedem Bewerber die Person ermittelt, die die meisten Ähnlichkeiten zu diesem aufweist. Doch wenige Stunden nach dem Festakt ist die Unternehmerin tot – erschlagen mit der Amor-Statue, die ihr soeben von der Geschäftsführung übergeben worden war, neben sich ein Kuvert mit 50.000 Euro. Schnell verfangen sich Ballauf und Schenk in einem Dickicht aus Verdächtigungen und merkwürdigen Beziehungen, und ebenso schnell wird klar, dass nicht nur bei der Partnersuche auf Bestellung nicht alles sauber läuft, sondern auch die Agentur der Toten ein dunkles Geheimnis birgt: Denn dort treibt ein ominöser „Zauberer“ sein Unwesen, der vermögende Frauen in den Ruin treibt, bevor er verschwindet und sich sein nächstes Opfer sucht. Die Ermittler beschließen, ihre neue Assistentin Gabi (stark gespielt von Kathi Angerer) als Lockvogel einzusetzen – ein Einsatz, der sie in Lebensgefahr bringen wird.

Die Story hinter der Story

So spannend der Fall ist, geht es im Grunde weniger um die Mördersuche, sondern um das komplizierte Leben der paarungswilligen Großstädter, deren vereinsamte Seelen und verklemmte Sehnsüchte ein unkontrolliertes Eigenleben jenseits von Alltag und Vernunft führen. Wo die Ermittler hinblicken, herrscht Tristesse und Hoffnungslosigkeit – und zumindest bei Ballauf gilt das auch für den Blick in den Spiegel. Was der Computer zusammenführt, will einfach nicht zusammen glücklich werden. Einer der zahlreichen Verdächtigen sagt über seine schlingernde Ehe: „Ich bin laut Berechnung mit meiner Frau zu 94,3 Prozent kompatibel. Aber unsere Partnerschaft fühlte sich nie echt an, sondern nur vernünftig.“ Noch viel schlimmer hat es die Opfer des „Zauberers“ getroffen, denen der falsche Prinz nicht nur ihr Vermögen, sondern auch den Stolz genommen hat. Am Ende steht die Einsamkeit, im Krimi symbolisiert durch Luftballon-Herzen, die durch den grauen Himmel über Köln irrlichtern.

Der Satz zum Mitreden

Ein Psychotherapeut aus dem Bekanntenkreis des Opfers erklärt Ballauf und Schenk seine Lego-Logik in Sachen ideale Partnerschaft: „Gibt’s nicht. Zusammen passen tun nur Plastikbausteine.“ Die „Liebes-Päpstin“ nennt er die „Eis-Prinzessin“. Beim Besuch in seiner Praxis werden die Ermittler übrigens von der Sekretärin so begrüßt: „Wollen Sie zur gleichgeschlechtlichen Paartherapie oder zur Männergruppe?“

Was taugt das Drehbuch?

Der Autor Maxim Leo liefert einen spannenden Plot mit viel Empathie für die handelnden Personen. Auch wenn es witzige Passagen gibt, gleitet die Geschichte nicht aufs Kalauer-Niveau ab.

Mit diesen Hintergrundinfos können Sie punkten

Laut aktuellen statistischen Erhebungen haben 16,4 Prozent aller in Deutschland geschlossenen Ehen ihren Ursprung in der Internet-Partnersuche. Rund 2000 Portale bieten dabei Interessenten ihre Dienste an. Kurios: Bei den Portalen waren 2013 mehr Menschen (rund 98 Mio.) registriert als Deutschland Einwohner hat. Wer vom „Tatort“ nicht abgeschreckt ist, findet hier eine Übersicht: www.singleboersen-vergleich.de . 

Eher peinlich

Freddy Schenks Schoko-Pudding-Vorliebe wird mal wieder auf die Schippe genommen, da sollte den Krimi-Machern aus Köln mal eine neue Idee kommen.

Offene Fragen

Auch nach der Überführung des Mörders ist dem Zuschauer nicht ganz klar, warum die Tat geschah. Und: Warum kann ein notorischer Schwindler so schlecht lügen, wenn die Kommissare ihn mit einem plumpen Trick zu überrumpeln versuchen?

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Fazit

Auch wenn der Kölner „Tatort“ keine wirklich neue Story zu bieten hat, hat der Krimi Charme und gute Darsteller – die richtige Mischung für einen Sonntagabend, bei dem Mann und Frau über Unzulänglichkeiten und Liebes-Dummheiten anderer den Kopf schütteln und die klammheimliche eigene Not für 90 Minuten vergessen können.

Einschaltempfehlung auf einer Skala von 1 bis 10

Acht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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