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Funke schickt Zombie-Zeitung Westfälische Rundschau in die Insolvenz

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Schuld soll das Bundeskartellamt sein: Die Funke Mediengruppe hat für die Westfälische Zeitungsverlag GmbH & Co. KG (WZV), den Verlag hinter der Westfälische Rundschau, einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt. Die Essener sehen sich zu dem Schritt gezwungen, weil das Bundeskartellamt angekündigt hatte, Kooperationen zwischen Funke und dem Medienhaus Lensing zu untersagen.

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Der Hintergrund ist etwas kompliziert: Lensing strebte eine Übernahme von sieben Lokalausgaben der Westfälischen Rundschau und Westdeutscher Allgemeine Zeitung in den Städten Dortmund, Schwerte, Lünen und Castrop-Rauxel an. Die Ausgaben werden allesamt von der WZV herausgegeben. Lensing wollte die Regional-Ausgaben angeblich langfristig weiterführen, beide Verlage hätten bei der Produktion von den Zeitungsinhalten jedoch zusammengearbeitet. Laut Funke wären von der Kooperation keine Beschäftigungsverhältnisse betroffen gewesen. Das gelte auch für die jetzige Insolvenzanmeldung. Das ist nicht weiter verwunderlich: Die Zeitung arbeitet seit Monaten ohne eigene Redakteure.

„Aus betriebswirtschaftlichen Gründen sehen wir keine Perspektive, die Westfälische Zeitungsverlag GmbH & Co. KG weiterhin im Portfolio der Funke Mediengruppe zu führen“, erklärt Funke-Geschäftsführer Thomas Ziegler. „Nach der überraschenden Entscheidung des Bundeskartellamts, das uns angekündigt hatte, einen Verkauf der sanierungsbedürftigen Lokalausgaben an das Medienhaus Lensing zu untersagen, bleibt uns nur eine Möglichkeit: Unter den Rahmenbedingungen eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung die Vermögenswerte zu sichern.“ Er betont: „Die Gesellschaft ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht zahlungsunfähig, es besteht aber bereits Insolvenzantragspflicht bei einer negativen Fortbestehensprognose.“

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Das Insolvenzverfahren wird der neue Geschäftsführer der WZV, der Sanierungsfachmann Dr. Helmut Balthasar von der Sozietät GÖRG, operativ verantworten. Ende August erst war der Insolvenzfachmann zum neuen Geschäftsführer für den Westfälischen Zeitungsverlag ernannt worden. Schon damals war auch schon die Rede davon, dass es zu seinen Aufgaben gehören soll, zu prüfen, ob sich eine Insolvenz abwenden lasse. Diese Prüfung fiel offenbar nun negativ aus.

„Wir hätten den Verkauf an das Medienhaus Lensing gerne abgeschlossen, denn dann hätten wir die Lokalausgaben in guten Händen gewusst und deren langfristiges Bestehen sichern können. Sofern es in unserer Macht steht, werden wir uns im Insolvenzverfahren dafür einsetzen, dass für die Lokalausgaben ein Käufer gefunden wird und sie erhalten bleiben“, sagt Thomas Ziegler.

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Alle Kommentare

  1. Wie erbärmlich dann können wir ja bald nur noch die Zeitung mit den 4 Buchstaben lesen !! Die Westfälische Rundschau ist genau wie Ihr Zwilling die Westfalenpost seit Jahren auf den absteigenden Ast ! Ohne Lokalpresse geht ein Stück Lebensqualität verloren aber warum heulen ? ist halt so heutzutage das alles nur aus wirtschaftlichen Standpunkten betrachtet wird !Willkommen in der schönen neuen Medienwelt ! Ich kann gar nicht so viel fressen wie ich kotzen möchte !

  2. Nicht nur die Rundschau geht in die Insolvenz, mit ihr sechs weitere Lokalausgaben.
    Auch stimmt die Aussage nicht das keine Mitarbeiter entlassungen anstehen. Im Druckhaus Hagen (DVZ) sollen von 240 Mitarbeitern 116 entlassen werden. Das sagt keiner von der Geschäftsleitung. Was dies betrifft ,ist die Zukunft der DVZ Hagen ungewiss. Die Mitarbeiter leiden unter diesem Druck da man Ihnen nichts erzählt wie es in Hagen weitergehen soll. Darüber wird nirgens berichtet.Für die Mitarbeiter sieht alles danach aus das es zu Betriebsbedingten Kündigungen kommen wird und das DVZ Hagen in der jetzigen Form nicht mehr geben wird. Es wird dann wohl an anderer Stelle ein neues Druckhaus entstehen in denen dann nur Leiharbeiter arbeiten werden, wie derzeit bei VuW (Versand und Weiterverarbeitung) Hagen. Die VuW wurde vor zwei Jahren an Holger Stark Holding aus Bremen verkauft. (nur Leiharbeiter) Ich kann dazu nur sagen wenn es in der Wirtschaft so Weiter geht ,armes Deutschland.

  3. „..in guten Händen gewusst und deren langfristiges Bestehen sichern..“ – Ja klar, Zombiepflege im Altersheim. Die RN liefert jetzt schon den WR-Content, ohne einen einzigen Mitarbeiter mehr dafür einstellen zu müssen, weil es eben purer Copy-Content ist (der dann auch noch technisch miserabel von derwesten.de umgesetzt wird). Dieses Spielchen ist schäbig und eines ehemals großen, anspruchsvollen Verlagshauses nicht würdig.

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